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Fußballtrainer als Botschafter für Deutschland

Japan-Austausch Fußballtrainer als Botschafter für Deutschland

Als Botschafter für Deutschland ist er in Japan. Marvin Munke ist einer der 16 Ehrenamtlichen, die für den Austausch nach Japan ausgewählt wurden. Nun vertritt er Niedersachsen und Göttingen in Japan. Über das Intranet sei er auf das Programm für Menschen im Ehrenamt gestoßen, sagt der 22-jährige Student aus Groß Schneen.

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Marvin Munke aus Groß Schneen.

Quelle: Heller

Groß Schneen. Seine Familie ist Mitglied bei Youth for Understanding (YFU). Über dieses Netzwerk nehme die Familie seit rund acht Jahren regelmäßig Gastschüler auf, erzählt Sohn Marvin. So habe er als Einzelkind viele Gast-Geschwister bekommen. Seit Dienstag ist Marvin Munke nun auf Tour. Im Programm ist die Besichtigung von Hiroshima. Dort wird die Gruppe ins Friedensmuseum gehen und vor allem mit den Menschen sprechen. Als ein Highlight sieht Munke die Zeit in Tokyo. Wichtig sind für ihn die drei Tage, die er in einer Gastfamilie verbringt. Außerdem verspricht er sich viel vom Gespräch mit den japanischen Jugendlichen, die sich ehrenamtlich engagieren. Viele Fragen hat er an sie: Wie ist das Ehrenamt in Japan politisch anerkannt? Wie können sich japanische Jugendliche trotz straffen Zeitplans ehrenamtlich engagieren? Wie sind sie in der „Oase für Senioren“ eingebunden? Einen Schwerpunkt setzt Marvin Munke bei den Folgen von Fukushima.

In einem Seminar in Berlin ist er mit den übrigen Programmteilnehmern auf die Zeit in Japan vorbereitet worden. Um Deutschland vorzustellen, haben sie einen Kanon aus einem Volkslied und einen Sketch erarbeitet. Auf Japanisch sollen sie sich vorstellen können. Sie wissen, welche Gastgeschenke richtig sind. Auch die passende Garderobe von leger bis formell sollte bei ihnen im Gepäck sein. „So ein Programm hätte ich privat nie erleben können“, gibt Marvin Munke offen zu. Einen Eigenanteil muss er selbst übernehmen. Der Hauptteil wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend getragen.

Übungsleiter hat seinen Weg geprägt

Ohne seinen ehrenamtlichen Einsatz wäre er für das Programm nicht in Frage gekommen. Mit 14 Jahren habe sein Engagement begonnen, erzählt der Sportler, der in der Fußballabteilung des TSV Groß Schneen als Trainer, Fachwart und Schiedsrichter agiert. Ein Übungsleiter habe seinen Weg geprägt. Der habe ihn damals an die Hand genommen und in die Übungsstunden mit eingebunden. „Für mich ist er immer noch Vorbild“, sagt Munke, der nun selbst Übungsstunden leitet. Im Vorstand wirkt er außerdem als beratendes Mitglied für die Jugend mit. Bei Freizeiten ist der Inhaber der Juleica (Jugendleitercard) folgerichtig Jugendleiter. Er hat den Rettungsschwimmer in Silber und eine Vereinsmanager-Lizenz. Als C-Trainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bringt er sich ins Vereinstraining ein und ist mit dieser Aufgabe oder mit der Pfeife jedes Wochenende im Bezirk unterwegs. Nach den Spielen am Sonnabend lernt er meistens für die Uni. Nebenbei kümmert er sich um die Sportanlage.

Doch das ist nicht alles: Bei der Nachbarschaftshilfe der Gemeinde Friedland „Nena“ war er Gründungsmitglied. Anderthalb Jahre hat der  Nicht-Reiter in diesem Rahmen zwei Connemara-Ponys betreut. Der Sänger im Männerensemble der Chorakademie Göttingen tritt auch als Hauptsänger der Cover-Rockband „Hidden Light“ auf. Sehr strukturiert müsse seine Woche sein, damit er tatsächlich alles schaffe. So etwas wie „lustiges Studentenleben“ gibt es bei Marvin Munke deshalb nicht. „Ohne die Unterstützung der Eltern ginge es nicht“, ist sich der junge Mann im Klaren.

„Es kommt auf die menschlichen Werte an“

„Es kommt auf die menschlichen Werte an“, will der Wirtschaftspädagogik- und Sport-Student anderen Heranwachsenden vermitteln. Deshalb möchte er Berufsschullehrer werden. Bei vielen Kindern und Jugendlichen störe ihn, dass  die Empathie-Fähigkeit fehle. Viele seien reine  Einzelkämpfer. „Ich merke die Ellbogengesellschaft“, sagt er. Um seine Ehrenämter in Groß Schneen auch weiterhin ausfüllen zu können, ist Marvin für das Studium nicht nach Göttingen gezogen. Die wenigsten seiner Kommilitonen seien dort, wo sie aufgewachsen seien, so verwurzelt. „Für mich ist das eine Bringschuld“, erklärt der Groß Schneener seine Entscheidung. Das, was er erfahren habe, wolle er nun zurückgeben. „Meine Gedanken sind bei den Ehrenämtern.“

Am 11. September kehrt die Gruppe mit Marvin Munke nach Deutschland zurück. Mit dabei sind japanische Heranwachsende, die sich wie sie ehrenamtlich engagieren.

Von Ute Lawrenz

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