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Gasexplosion in Göttingen: Student löscht brennendes Opfer mit den Händen

Mutige Hilfe nach Riesenstichflamme Gasexplosion in Göttingen: Student löscht brennendes Opfer mit den Händen

Bis zu dem lauten Knall an dem Freitagmorgen vor einer Woche war für Nigel Bier der Tag noch ganz normal. Der Lehramtsstudent aus Nordholz bei Cuxhaven hatte im Neuen Rathaus einen neuen Personalausweis beantragt, sein alter war abgelaufen. Jetzt war er mit seinem Fahrrad auf dem Weg zur Uni. Dann geschah etwas, was der 21-jährige nie vergessen wird.

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Mutiger Ersthelfer: Nigel Bier zeigt seine verbrannte Jacke.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Er hielt gerade an der Kreuzung Berliner Straße/Weender Straße, als es knallte. Beim Umdrehen konnte er noch sehen, wie aus der aufgesprungenen Tür des Uni-Blutspendedienstes „eine Riesenstichflamme“ schoss. Kartons und Trümmerteile wurden auf Bürgersteig und Straße geschleudert, Sekunden später stürzten zwei brennende Menschen aus dem Eingang auf die Straße. Der Student ließ sein Fahrrad fallen und rannte auf die Personen zu, deren Kleidung voll in Flammen stand: „Nachgedacht habe ich in diesem Moment überhaupt nicht“, sagt Bier. „Ich wusste nur, ich muss helfen.“

Als erster erreichte er die Frau, die sich auf den Bauch geworfen hatte, um die Flammen zu ersticken. Doch auch der Rücken der Frau, einer 54-jährigen Ärztin, stand in Flammen. Mit seinen Händen versuchte Bier, Rücken und Beine zu löschen. Als das gelungen war, kamen die ersten Rettungskräfte aus einer nahegelegenen Arztpraxis angelaufen, die ersten Rettungswagen rollten an. Erst in diesem  Moment wurde Bier bewusst, was er gerade erlebte. „Ich habe mich dann zurückgezogen“, erinnert sich der Helfer. „Das Ganze war wohl ein bisschen viel für mich. Ich wusste ja, dass die beiden jetzt professionell versorgt werden.“

Unverletzt blieb der Ersthelfer bei seinem mutigen Einsatz nicht. Die Flammen hatten sich durch den gefütterten Handschuh seiner linken Hand gefressen und die Hand schwer verbrannt. Das bemerkte Bier allerdings erst, als er nach seinem Einschreiten zur Ruhe kam. „Verbrennung zweiten Grades“, lautete die Diagnose später in der Notaufnahme der Uni-Klinik.

Wie gefährlich sein selbstloses Einschreiten für ihn selbst gewesen war, zeigt auch die Kleidung, die er bei seiner Rettungsaktion trug. Mehrere Stellen seiner Winterjacke sind angesengt, das Synthetik-Material angeschmolzen. An Biers Jeans haften noch die Brandreste der Kleidung der Ärztin, die ebenfalls aus Synthetik bestand – ein Indiz für die Schwere der Brandverletzungen, mit der die Frau jetzt in einer Spezialklinik liegt.

Wer zahlt Helfer-Schäden?

Wer ersetzt Unfallhelfern wie Nigel Bier entstandene Schäden, beispielsweise an der Kleidung? Das ist schwierig, hat der mutige Ersthelfer erfahren. So hätten die Stadtwerke mitgeteilt, erst einmal müsse die Unfallursache geklärt werden.

Vorsichtshalber, sagt die Göttinger Anwältin Dinah Stollwerck-Bauer, sollte Bier bei allen in Frage kommenden Verursachern seine Schäden anmelden. Wahrscheinlich sei, dass wegen der geborstenen Gasleitung der Stadtwerke der kommunale Schadensausgleich eintreten müsse.

Versicherungsanwalt Jürgen Machunsky erklärt, vorrangig zuständig sei „die gesetzliche Unfallversicherung, die bei Unfallhelfern auch Sachschäden ersetzt“. Im Fall der Gasdetonation seien die Unfallkassen Ansprechpartner, die auch Ansprüche gegen den Unfallverursacher geltend machen können.

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