Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Gasthaus Berge in Elliehausen schließt

Nach 130 Jahren Gasthaus Berge in Elliehausen schließt

Nach 130 Jahren heißt es Abschied nehmen vom Gasthaus Berge. Das Lokal in Elliehausen wird im Februar 2018 schließen. Wie es zukünftig mit den Räumen weitergeht, ist noch unklar.

Voriger Artikel
Sandweg wegen Hochwassers gesperrt
Nächster Artikel
Der Kragenbär wird jugendfrei

Das Gasthaus Berge schließt nach 130 Jahren am 15. Februar // Inhaber: Udo Berge & Renate Ludwig

Quelle: Arne Bänsch

Elliehausen. "Du brauchst kein Arzt und keine Apotheke, stehst du bei Renate an der Theke", ist auf einem Schild links neben dem Sparkasten zu lesen. Auf der besagten Theke stehen Aschenbecher für die Gäste am Abend bereit. Unter dem Tresen stehen Kartenspiele und Würfelbecher. Im hinteren Teil der Gaststätte befindet sich ein Saal mit Bühne, nebenan eine 50 Jahre alte Kegelbahn.

"Eine reine Getränkegastronomie sind wir", sagt Miteigentümer Udo Berge. "Wir haben keine Speisen, stattdessen Bier und Korn", fügt er lachend hinzu. Der 64-Jährige betreibt mit seiner Schwester Renate Ludwig (75) seit 30 Jahren die Gaststätte in Elliehausen. Ihr Großvater hat 1887 das Lokal eröffnet.  Schon davor gab es an dem Platz, wo heute das Gasthaus Berge steht, eine Lokalität. In einer Chronik, die Berge zeigt, ist diese Gaststätte seit Beginn des 19. Jahrhunderts dokumentiert.
Berge und Ludwig sind die mittlerweile dritte Generation, die die Gaststätte leitet. Bis 1968 hieß diese noch "Zu den Drei Linden". Dann verschwanden die drei Linden vor dem Lokal und mit ihnen auch der Name. Seitdem heißt das Lokal Gasthaus Berge und war 20 Jahre lang verpachtet. Als der Pachtvertrag 1988 auslief, übernahmen Udo Berge und Renate Ludwig das Lokal.

Prominente Gäste

In den verganenen 130 Jahren war so manch prominenter Gast im Gasthaus Berge zu Besuch: Die Schauspieler Hans Brenner und Rolf Jülich haben dort gelegentlich ihr Bier getrunken. Der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth durfte Berge einen Kaffee reichen. Auch an die Anwesenheit des Regisseurs Rolf Thiele und des Filmproduzenten Hans Abich kann sich Ludwig in der Gaststätte Berge erinnern.

Heute sind die beiden Betreiber nur noch selten im täglichen Geschäft anzutreffen. Ludwig hilft gelegentlich mit, aber bei weitem nicht mehr so viel wie früher. Berge ist noch seltener als seine Schwester in der Gaststätte anzutreffen.

Aber warum wird die Traditions-Gaststätte nun geschlossen? "Wir haben schon länger mit dem Gedanken gespielt", so Ludwig. "Es gibt keine Nachfahren, die die Gasstätte übernehmen wollen. Unsere Kinder und Enkel sind damit nicht so aufgewachsen, wie wir es damals sind. Da ist es verständlich, dass sie kein Interesse daran haben." Die Kneipenkultur habe sich zudem verändert, so Ludwig. "Die jungen Leute heute gehen weniger in Kneipen, sondern lieber in die Disco", ergänzt Berge.

Vereine müssen sich umstellen

Seit ein paar Tagen wissen auch die beiden Vollzeitkräfte Bescheid. Jetzt haben sie sieben Monate Zeit, um sich etwas Neues zu suchen. "Wenn sie früher etwas finden, werden wir uns aber natürlich auch nicht quer stellen", sagt Berge.
Die meisten Stammgäste haben Verständnis. Es sei zu erwarten gewesen, dass das Gasthaus irgendwann mal geschlossen wird, so Ludwig.  Für die Vereinsgemeinschaft in Elliehausen sei das natürlich eine Umstellung. Die Vereine trafen sich bisher regelmäßig zu Sitzungen und Veranstaltungen im Gasthaus und werden nun Mitte August tagen, um die Situation zu erörtern.
Das Gaststätte soll ab dem 15. Februar zum Verkauf stehen. Eine Verpachtung kommt für Berge und Ludwig eigentlich nicht in Frage. "Man muss auch mal einen Schlussstrich ziehen", so Berge, der von Wehmut nichts wissen will. "Ich glaube, bei mir kommt das erst später", sagt Ludwig - aber ein bisschen Wehmut ist auch jetzt schon bei ihr zu hören.

Von Nils Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Landtagswahl: So feiern die Parteien in Göttingen und der Region