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Gastronom verkauft Porsche, der ihm nicht gehört

Lohfeldener Luxusauto-Unternehmen geschädigt Gastronom verkauft Porsche, der ihm nicht gehört

Weil er einen Porsche, der ihm nicht gehörte, für 52.500 Euro verkauft und überdies eine Pfändung vereitelt haben soll, steht derzeit ein Northeimer Gastronom in Göttingen vor Gericht. Geschädigt ist Luxury Selected Vehicles. Das Unternehmen beliefert Superreiche wie die Geissens mit Luxusautos.

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Luxury Selected Vehicles aus Lohfelden verkauft Luxuskarossen.

Quelle: ck

Northeim/Göttingen. Ein Porsche Panamera ist ein schickes Auto. 52.500 Euro unter Freunden ist da ein fairer Preis - wäre der Fahrzeugbrief mitgeliefert worden. Das Geld hat der "Verkäufer" binnen Tagen ausgegeben, das Auto soll seiner Freundin gehört haben, den Brief hat ihre Bank behalten, und am Ende hat er Insolvenz angemeldet.

 

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den 43 Jahre alten Gastronomen aus einem Northeimer Ortsteil. Geschädigt ist die Firma Luxury Selected Vehicles GmbH (LSV) aus Lohfelden bei Kassel. Dessen Inhaber Iris-Marina Busch und Sohn Tassilo kennen den Gastronomen seit dessen Kindheit. "Den habe ich schon auf dem Schoß gehabt", sagt die Chefin. Deshalb haben sie ihm geglaubt, als er der LSV seinen ganzen Stolz, den Porsche, zum Kauf anbot. Die Freundin des Northeimers stand bei den Verhandlungen im Juli 2013 daneben. "Das haben wir auf Video", sagt Busch. Gesagt habe sie dazu nichts.

 

Der Deal wurde abgeschlossen, das Auto übergeben, die vereinbarten 52.500 Euro ebenso. Nur der Fahrzeugbrief, der liege noch im Safe, soll der Verkäufer gesagt haben. Bringe er morgen. Es kam nichts.

 

Was dann geschehen sein soll, darüber habe sie zwei Varianten, die sie beide nicht glaube, sagt Busch. Mal habe ihr der alte Freund der Familie erzählt, er sei drei Tage nach Erhalt des Geldes in Kassel auf einer Bank vor dem Bahnhof mit leeren Taschen aufgewacht, mal habe er behauptet, ihm seien in der Göttinger Diskothek Savoy 60.000 Euro aus der Brieftasche gestohlen worden. Das Geld ist jedenfalls weg - "verspielt", vermutet Busch. Pfändungen sind zwecklos. Am 29. Juni 2015 meldete der 43-Jährige für sich und sein Restaurant Insolvenz an. Das Lokal war vorübergehend zu, wird jetzt von seiner Schwester betrieben.

 

Schon in anderen Fällen soll sich der Northeimer der Vereitelung der Zwangsvollstreckung (Paragraf 288 des Strafgesetzbuches) schuldig gemacht haben. In 21 Fällen habe er von Februar bis Dezember 2013 Pfändungen dadurch verhindert, dass er eingenommenes Bargeld auf Konten anderer Personen verschoben habe. Das Amtsgericht Northeim erließ deshalb einen Strafbefehl gegen ihn, dem er widersprochen hat. Demnächst wird verhandelt.

 

Beim Porsche soll es noch trickreicher gewesen sein. In der Strafanzeige der LSV bei der Staatsanwaltschaft Kassel wird geschildert, wie nach dem Verkauf die 34-jährige Freundin beim Käufer des Porsche aufgelaufen sei und das Auto zurückverlangt habe, es sei schließlich ihres. Schließlich stellte sich heraus, der Porsche war ursprünglich von dem Northeimer gekauft, von der Frau finanziert und bei der FGA-Bank beliehen worden, die folglich den Fahrzeugbrief hatte. Beim Landgericht Heilbronn mussten die ausgezahlten 52.500 Euro wieder eingeklagt werden. Inzwischen ist das rechtskräftig: Der Northeimer und seine Freundin haben die gesamte Summe plus fast 2000 Euro Zinsen an das Autohaus zu zahlen. Geld, das der insolvente 43-Jährige nicht hat. Nur wenn er wegen des Autoverkaufs wegen Betruges verurteilt würde, fiele die Summe nicht der Restschuldbefreiung zum Opfer. Beute einer Straftat ist von Insolvenzen ausgenommen.

Ghost mit Totenkopf für die Geissens

 

Eine "schrecklich glamouröse Familie" braucht ein passendes Auto: einen Rolls Royce Ghost, ausgestattet mit Totenköpfen im Lack und glitzernden Extras. Wer hat Fernseh-Millionärin Carmen Geiss das schicke Geschenk (300.000 Euro) für Ehemann Robert beschafft? Eine bekannte Göttinger Unternehmerfamilie: Tassilo und Iris-Marina Busch.

 

Seniorchefin Busch hat lange in der Weender Straße ein Bekleidungsgeschäft betrieben. Sohn Tassilo ist mit dem ersten Autohandel in Göttingen - damals von Golf bis Ferrari - gescheitert. Heute drehen die Buschs in Lohfelden bei Kassel das große Rad. 65 Luxusautos vom 55.000 Euro teuren Mini mit Rolls-Royce-Lederbezügen bis zum Original mit Laptop in der Rücksitzlehne und belüfteten Seitentürfach für den Regenschirm mit Silberknauf jenseits der Halbe-Million-Grenze stehen in Ausstellungshalle und Keller an der Max-Planck-Straße. Kunden der Buschs sind neben den exaltierten Geissens Fußballstars wie Karim Benzema oder Yaya Touré, die Kritschko-Brüder oder auch Kaufleute, die lieber ungenannt bleiben wollen. Bentleys für den Adel, Porsche für den Geldadel, Aston Martin für den Sammler, der schon Dutzende edelster Karossen im Keller hat und sich im unscheinbaren Autotransporter den 40. Sportwagen für die Sammlung vorfahren lässt. Da nehmen sich die großen Maybachs, heruntergesetzt auf unter 100.000 Euro, geradezu bescheiden aus.

 

Das Autohaus für Luxuskarossen, Luxury Selected Vehicles GmbH, gehört heute zu den wichtigsten freien Autohändlern der Republik. Dabei hatte alles beim Wiederanfang 2012 im kleinen Espenau noch bescheiden ausgesehen. Mutter Busch hatte die Firma gegründet, hat sie mit einem Partner finanziert, hat Sohn Tassilo als Verkaufsleiter eingestellt und sagt heute über ihren Sohn: "Der ist ein Trüffelschwein, wenn es um tolle Autos geht." Es sind zu 40 Prozent Neuwagen, die von Markenhändlern stammen, aber in Kassel günstiger angeboten werden dürfen, zu 60 Prozent junge Gebrauchte. Die aber haben oft etwas Besonderes, nicht nur der pinkfarbene oder kanarienblaue Lack, sondern oft auch eine Geschichte. Da ist der Ferrari, der einst auf Scuderia-Testfahrer Marc Gené zugelassen war, der Brabos Rockhead, der als schnellstes Serienauto der Welt gilt, der Ford Mustang, den Nicolas Cage im Film "Nur noch 60 Sekunden" fuhr. Nach vier Tagen, erzählt Tassilo, war das Auto für 150.000 Euro vertickt, zwei Wochen später für 50.000 Euro mehr nach Polen weiterverkauft. Autos für bis zu eine Million habe LSV bereits gehandelt. Am besten gehen Mercedes SLS. Fast 30 Stück habe er davon verkauft. Auch der Flügeltür-Porsche beflügele das Geschäft. Ganz bescheiden steht ein Elektro-Tesla in der Ausstellung, während in der Werkstatt ein blauer Lamborghini neue Felgen erhält. Alles glänzt und spiegelt. Bis zu neun Schichten Politur plus Nanobeschichtung tragen die neun Mitarbeiter von LSV auf die Edelkarossen auf. Viele der Fahrzeuge sind zu schade für den Verkehr.

Auch wenn täglich 30 Anfragen kommen, der Anruf der Geissens war schon was Besonderes. Binnen 24 Sunden sollte der Rolls Royce in Frankfurt stehen. Tassilos Patentante Ireen Sheer hatte Carmen Geiss den Tipp gegeben. Der Standort Lohfelden, wo LSV seit Januar 2015 residiert, sei ideal, mitten in Deutschland. Fünf Flughäfen in der Nähe, zentral zum Ausliefern. Schließlich kommen 40 Prozent der Kunden aus dem europäischen Ausland. Auch nach Hongkong wurde schon geliefert. Demnächst, so hofft der 33-Jährige, könne er die Deutschland-Vertretung des Mercedes-Tuners Brabus bekommen. "Wir haben uns Vertrauen aufgebaut, und das ist unser Kapital", sagt seine Mutter.

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