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Gasverpuffung im Blutspendedienst der Göttinger Uni

Ärztin und Wachmann in Flammen Gasverpuffung im Blutspendedienst der Göttinger Uni

Schwerste Brandverletzungen haben eine 55-jährige Ärztin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) sowie ein 30 Jahre alter Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes erlitten, als sie am Freitagmorgen in den Räumen des Blutspendedienstes der UMG am Weender Tor über dem Speiselokal Vapiano von einer schweren Verpuffung überrascht wurden.

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Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Die beiden Brandopfer waren beim Anliefern von Material durch einen Seiteneingang für Mitarbeiter ins Treppenhaus getreten und hatten die Explosion offenbar durch das Anschalten des Flurlichtes ausgelöst. Eine Stichflamme setzte ihre Kleidung in Brand. Brennend liefen die beiden Menschen nach der Verpuffung auf die Straße. Dort halfen nach Zeugenaussagen Passanten dabei, die Flammen mit Decken zu löschen. Dennoch erlitten beide schwerste Brandverletzungen.

Die Verletzten wurden zunächst ins Uni-Klinikum gebracht, mussten aber zur Spezialbehandlung in Kliniken in Hannover und Halle mit besonderer Abteilung für Brandopfer geflogen werden. Der Mann soll in Lebensgefahr schweben.

Noch ein weiteres Opfer musste stationär behandelt werden. Ein 45 Jahre alter Autofahrer, der bei der Explosion unmittelbar vor dem Gebäude stand, erlitt einen schweren Schock. Der Bovender kam ins Universitäts-Klinikum.

Die Explosion im Treppenhaus, das unter anderem vom Selbstbedienungsrestaurant und Blutspendedienst genutzt wird, war  um 10.08 Uhr gemeldet worden. Die Wucht der Detonation hatte sogar Wände eingedrückt. Die Druckwelle war nach Zeugenberichten auch in dem auf der anderen Seite der Kreuzung gelegenen Iduna-Zentrum zu vernehmen. Scheiben hätten hier vibriert. Die Erschütterung war offenbar sehr groß, so dass das Gebäude vollkommen gesperrt wurde.

Die Mitarbeiter von Blutspendedienst, Restaurant und der ebenfalls in dem Haus befindlichen Büros und Praxen mussten das Gebäude verlassen. Notfallmanager der UMG kümmerten sich vor dem Gebäude um sichtlich mitgenommen Restaurantmitarbeiter, die notdürftig mit Decken versorgt wurden.

Leck in einer Niederdruckleitung

Der Bereich um das Gebäude war am Vormittag für Fußgänger weiträumig abgesperrt. Der Autoverkehr wurde umgeleitet. Zahlreiche Passanten blieben stehen und beobachteten den Einsatz von Rettungsdiensten, Berufsfeuerwehr und Polizei.

Die Ursache für die Verpuffung ist derzeit noch unbekannt. Es wurde zwar festgestellt, dass in dem Blutspendedienst auch Gasflaschen – etwa mit Stickstoff, Wasserstoff und Acetylen – gelagert werden, die ursächlich für die Explosion hätten  sein könnten. Offenbar sind die Flaschen mit medizinischen Gasen aber unversehrt. Feuerwehr und Polizei schließen eine undichte Gasleitung zur Versorgung der Heizung nicht aus.

Nach Auskunft von Polizeisprecherin Jasmin Kaatz kann zumindest ein Zusammenhang mit den angelieferten Waren aber ausgeschlossen werden. Die Brandopfer hatten lediglich Medikamente abliefern wollen. Mitarbeiter der Stadtwerke haben die Gasversorgung am Nachmittag überprüft und tatsächlich ein Leck in einer Niederdruckleitung gefunden. Ob dieses ursächlich war, steht noch nicht fest.

Die Berufsfeuerwehr hatte nach der Verpuffung nur noch die Räume entlüften können. Feuer war nicht ausgebrochen. Zahlreiche Notärzte und Rettungskräfte waren gerufen worden. Aktuell dauern die Ermittlungen an. Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen nach Polizeiangaben derzeit nicht vor. Auch habe es zuletzt keine Bauarbeiten im Haus gegeben. Das Restaurant soll vorerst geschlossen bleiben.

Von Jürgen Gückel und Michael Brakemeier

Blutspendedienst Universitätsmedizin

Seit Mai 2012 betreibt die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) den zusätzlichen innenstadtnahen Blutspendedienst im so genannten Grotefendhaus in der Weender Landstraße 1. Es ist die zweite Anlaufstelle der Transfusionsmedizin neben der Blutspende im Klinikum.

Auf 350 Quadratmetern gibt es Empfang,  Warte- und Praxisräume mit sechs Spenderliegen, einen Imbissraum und Platz zum Erholen der Spender. In den Laborräumen werden die Blutspenden sofort bearbeitet, wofür verschiedene Gase bereit gehalten werden müssen.

Die Abteilung Transfusionsmedizin gewinnt im Jahr rund 20 000 Vollblutspenden. Zwischen 100 und 150 Blutspender pro Woche besuchen die Räume am Weender Tor. Eine Ärztin und drei Arzthelferinnen sind in der Regel dort tätig.

ck

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