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Gebäude diente zur Herstellung von Bleischrot

600 Jahre Fährenpfortenturm Gebäude diente zur Herstellung von Bleischrot

600 Jahre ist es jetzt her, da wird in einer Kämmerei-Rechnung der Stadt Hann. Münden erstmals der markante Fährenpfortenturm erwähnt.

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40 Meter hoch: der Fährenpfortenturm in Hann. Münden.

Quelle: SPF

„Jahrhundertelang diente er als Teil der Stadtbefestigung“, erläutert Karin Gille-Linne, die Vorsitzende des Arbeitergeschichtsvereins. Oben vom Turm aus lässt sich der Verlauf der Stadtmauer noch gut erkennen. Die alte Wallanlage bildet heute einen Grüngürtel im Häusermeer. Die Gebäude der Altstadt stehen dicht gedrängt auf der Landzunge zwischen Fulda und Werra.

Aus 40 Meter Höhe sind auch einige der anderen Stadttürme zu sehen. Sie sind mit 26 Metern deutlich kleiner. Grund ist die Nachnutzung des Fährenpfortenturms, nachdem er nicht mehr für die Verteidigung der Mündener benötigt wurde. Fabrikant Carl Georg August Natermann kaufte ihn 1848. Er ließ ihn aufstocken, um dort Bleischrot zu produzieren. Das Metall wurde hoch oben über der Stadt in 400 Grad Celsius heißen Öfen geschmolzen und durch ein Sieb gegossen. Es tropfte herunter und bildete beim Fallen Kugeln, die unten in einen mit Wasser gefüllten Bottich aus Eichenholz fielen. Das dabei entstehende Geräusch brachte dem Bauwerk den Namen Hagelturm ein.

Der Bleischrot wurde getrocknet und mit einer Siebtrommel nach Größe auf den Zehntelmillimeter genau sortiert. 1980 lief die Produktion nach dem alten Verfahren aus. Die Stadt kaufte den Turm mit Nebengebäuden für 150 000 Euro zurück. Gemeinsam mit dem Arbeitergeschichtsverein und mit Unterstützung des Unternehmens entstand im Jahr 2000 ein Museum, dass die Geschichte des Turms dokumentiert. Seit 2008 ist die Plattform des Turms für Besucher begehbar. Die Aussicht ist atemberaubend.

Und warum heißt das Bauwerk Fährenpfortenturm? „In unmittelbarer Nähe des Turms gab es eine Pforte in der Stadtmauer, die zur Fulda-Fähre führte“, erklärt Gille-Linne. Die Fuldabrücke gab es damals noch nicht.
Museum und Turm sind von Mai bis Oktober jeweils sonnabends und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Für Gruppen sind Sonderführungen möglich.

Von Michael Caspar

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