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Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Moringen

Heiligenstadt: Jugend soll Erinnerung wachhalten Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Moringen

Mit einer Gedenkveranstaltung ist am Sonnabend an die Befreiung der Menschen im früheren KZ Moringen vor 70 Jahren erinnert worden. Die KZ-Gedenkstätte hatte Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt als Rednerin gewinnen können. Zu der Gedenkfeier waren neben Vertretern der Botschaften Polens und Sloweniens mit France Strmcnik Ernst Plajs zwei ehemalige Häftlinge nach Moringen gekommen.

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Szenische Lesung bei der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Moringen.

Quelle: Heller

Moringen. „Über die gesamte Zeit von 1933 bis 1945 hinweg“, erklärte Heiligenstadt, „war Moringen ein fester und elementarer Bestandteil des nationalsozialistischen Maßnahmen- und Verfolgungsstaates.“

 Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung habe „überall und zum großen Teil öffentlich sichtbar stattgefunden“, nicht nur in weit entfernten Vernichtungslagern. Die jüngeren Generationen hätten die Aufgabe, die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen weiterzutragen: „Sie tragen die Verantwortung dafür zu sorgen, dass dieses nie wieder geschieht."

Die Gedenkstätte KZ Moringen, erklärte Heiligenstadt, könne als „als Erinnerungsort mit exemplarischem Charakter und von nationalem Rang bezeichnet werden“. Man habe „die Potenziale aufgegriffen, die die Geschichte des ehemaligen Jugend-KZ für die Bildungsarbeit heute liefert“. In Moringen gelinge es „in besonderer Weise, die Jugendlichen von heute zu erreichen und sie für antidemokratische Entwicklungen zu sensibilisieren“.

Um dem weiter gerecht zu werden, sei das Land bereit, der KZ-Gedenkstätte Moringen auch in Zukunft eine Schwerpunktförderung zuteil werden zu lassen. Das derzeitige Torhaus sei für diese Arbeit allerdings nur bedingt geeignet. Daher soll die frühere Kommandatur in der Langen Straße zur Gedenkstätte ausgebaut werden.

Gedenkstättenleiter Dietmar Sedlaczek schilderte noch einmal den Evakuierungsmarsch, zu dem die Bewacher die größtenteils völlig entkräfteten Häftlinge nur wenige Tage der Befreiung durch US-Truppen am 9. April 1945 zwangen. Nur wenige Kranke blieben im Lager zurück.

Während es die Überlebenden Häftlinge im späteren Leben nicht selten schwer gehabt hätten, seien die Täter im Nachkriegsdeutschland aufgestiegen: Der ehemalige Lagerkommandant wurde 1947 Leiter der Kriminalpolizei Mainz, der Lagerarzt, gleichzeitig „Rasseforscher“, Chef der Jugendpsychiatrie in Frankfurt/Main.

Zu Beginn der NS-Gewaltherrschaft im Jahr 1933 wurden in Moringen politische Oppositionelle eingesperrt. Später war Moringen ein Frauenlager. In der letzten Lagerphase von 1940 bis Kriegsende wurden hier Jugendliche gefangengehalten – mehr als 1000 junge Männer im Alter von 13 bis 22 Jahren.

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