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Gedenktafel für Wolfgang Natonek in Göttingen

Opfer von zwei Diktaturen Gedenktafel für Wolfgang Natonek in Göttingen

Der Widerstandskämpfer Wolfgang Natonek, der von 1963 bis 1985 am Göttinger Max-Planck-Gymnasium (MPG) unterrichtete, wird mit einer Gedenktafel geehrt. Die Enthüllung der Tafel am Haus Goßlerstraße 51, wo er von 1964 bis 1976 wohnte, erfolgt im Rahmen einer Feierstunde am Donnerstag, 25. Juni, ab 15 Uhr.

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Wolfgang Natonek

Quelle: EF

Göttingen. Die Laudatio auf den 1994 in Göttingen gestorbenen Natonek hält der MPG-Lehrer Andreas Heere gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern Antonia Schwiedernoch, Ada Woesthoff, Matin Rafiq und Levin Dumont.

 
Wolfgang Natonek sei wegen seiner jüdischen Abstammung und seiner liberalen und entschieden demokratischen Haltung ein Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft sowie der kommunistischen Diktatur in der Sowjetischen Besatzungszone und der frühen DDR geworden, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Natonek habe als kompromissloser Verfechter der Ideale von akademischer und politischer Freiheit gerade gegenüber totalitären Systemen gegolten. Auch wenn er selbst von der langjährigen politischen Haft in Bautzen und Torgau kein Aufheben gemacht habe, so habe er nach Angaben von ehemaligen Schülern, „seinen Unterricht aus seiner Biographie heraus“ gelebt. Natonek unterrichtete Geschichte, Gemeinschaftskunde und Deutsch.

 
Natonek wird zum Staatenlosen erklärt

 
Natonek wurde am 3. Oktober 1919 in Leipzig als Sohn des jüdischen Schriftstellers und Journalisten Hans Natonek geboren, der während der NS-Zeit in die USA emigrierte. Natonek wurde deshalb zum Staatenlosen erklärt und konnte 1938 nur unter Schwierigkeiten das Abitur ablegen. Nach Kriegsende immatrikulierte sich Natonek an der Universität Leipzig und studierte Zeitungswissenschaften, Germanistik und Englisch. Er brachte sich vielfach in das politische Leben ein, wurde Mitglied der LDPD und 1947 Vorsitzender des Studentenrates in Leipzig. Am 11. November 1948 wurde er verhaftet, 1949 durch ein sowjetisches Militärtribunal zu einer langjährigen politischen Haft in Bautzen und Torgau verurteilt und 1956 vorzeitig entlassen. Im selben Jahr verließ Natonek mit seiner Frau Christa die DDR und beendete in Göttingen sein Studium der Philologie. Von 1963 bis 1985 wirkte er als Lehrer am Max-Planck-Gymnasium Natonek starb am 21. Januar 1994 in Göttingen.

 
Titularprofessor und Preise

 
Der Freistaat Sachsen ernannte ihn 1992 für „seinen großen Einsatz für die akademische und politische Freiheit“ zum Titularprofessor. Seit 1996 wird an der Universität Leipzig der „Wolfgang-Natonek-Preis“ für herausragende Studienleistungen und besonderes Engagement für die Interessen der Universität verliehen.

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