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Jesiden berichten über ihre Flucht vor dem IS

Gedenkveranstaltung Jesiden berichten über ihre Flucht vor dem IS

Sie haben Hab und Gut verloren, auf der Flucht unter Hunger und Durst gelitten, Angehörige und Freunde bei Angriffen des Islamischen Staats verloren. Vier Augenzeugen berichteten am Mittwoch bei einer Gedenkveranstaltung in Göttingen über den Völkermord an Jesiden vor zwei Jahren im Nordirak.

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Qolo Sido

Quelle: mic

Göttingen. Die Mienen waren ernst. Viele trugen dunkle Kleidung. Mehr als 70 Menschen versammelten sich in den Räumen der Gesellschaft für bedrohte Völker in der Geiststraße 7. 300.000 bis 400.000 Menschen seien Anfang August 2014 aus der Sindschar-Region vertrieben worden, dem letzten Gebiet, im dem die kurdische Glaubensgemeinschaft der Jesiden noch die Mehrheit bildeten, berichtete Kamal Sido, der Nahost-Referent der Gesellschaft. Er richtete die Veranstaltung gemeinsam mit dem Göttinger Verein Zentrum der Eziden aus.

Flucht mit dem Auto Richtung Gebirge

Das Ehepaar Khaled und Schirin Omar lebte in Kocho südlich des Sindschar-Gebirges. In der Nacht vom 2. auf den 3. August, so der Ehemann, hätten sich die Soldaten der kurdischen Autonomieregion angesichts der vorrückenden Truppen des Islamischen Staats (IS) kampflos zurückgezogen. Er und seine Familie seien wie viele andere auch mit dem Auto Richtung Gebirge geflohen. Der IS habe versucht, den Flüchtenden den Weg abzuschneiden. Es habe Tote gegeben.

„Drei Tage harrten wir am Fuße des Berges in der brütenden Augustsonne ohne Wasser aus“, erzählte Omar. Als der IS näher gekommen sei, hätten sie sich ins Gebirge zurückgezogen. Tagelang seien sie unter schlimmen Strapazen unterwegs gewesen und schließlich über Syrien in den von Kurden kontrollierten Nordirak gelangt. Seit September 2015 lebten sie in Deutschland.

Anklage gegen die Autonomiebehörde

Anklage gegen die Autonomiebehörde erhob Qolo Sido aus der Stadt Zorava. Statt Waffen aus einem Regierungsdepot unter Jesiden zu verteilen, hätten die Soldaten sogar noch in Privatbesitz befindliche Waffen eingesammelt. Der Polizist lobte dagegen die kurdischen Milizen in Syrien, die der umstrittenen PKK nahestehen. Sie hätten den Korridor geschaffen, über den er am Ende mit seiner Familie vor dem IS hätte fliehen können.

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