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Gefahrgut-Unfall A7 bei Göttingen: Mehr als 500 Einsatzkräfte im Einsatz

Mammut-Einsatz mit Tücken Gefahrgut-Unfall A7 bei Göttingen: Mehr als 500 Einsatzkräfte im Einsatz

So etwas haben die mehr als 500 Einsatzkräfte in den letzten Jahren noch nicht erlebt. Mehr als 50 Stunden haben die Folgen des Gefahrgutunfalls am frühen Freitagmorgen Feuerwehren, Polizei, Technisches Hilfswerk und Autobahnmeisterei in Atem gehalten. Und eine zweieinhalb Tage andauernde Vollsperrung der Autobahn 7 mit den damit verbundenen Behinderungen auf den Umleitungsstrecken ist auch nicht gerade alltäglich.

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Reparaturarbeiten laufen bis Sonntagmittag auf Hochtouren: Autobahn 7 bei Göttingen ist nach dem Unfall für drei Tage gesperrt.

Quelle: Heller

Göttingen / Rosdorf. Grund für den Mammut-Einsatz und das Verkehrschaos war die hochgiftige, leicht entzündliche Ladung aus Rattengift, die der Unfall-Lastwagen geladen hatte.

Selbst das Auto, das am Freitagmorgen in den quer über die A 7 liegenden Lastwagen gerast war, konnte mit der Leiche des Autofahrers aus Erfurt erst in der Nacht zum Sonnabend und unter Vollschutz der Einsatzkräfte geborgen werden. Und auch die Bergung der 80 Fässer, die zum Teil beschädigt waren, zog sich bis Sonnabendnachmittag hin. Weil es am Wochenende dauerhaft regnete, entzündete sich die Chemikalie – Aluminiumphosphit – immer wieder.

Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn 7 bei Göttingen ist ein Autofahrer getötet worden. Mehrere weitere Unfallbeteiligte wurden schwer verletzt.

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Selbst das Löschpulver, das die Feuerwehrleute auf die Giftfässer brachte, wurde knapp. Als am Sonnabend im gesamten Landkreis Göttingen alle Reserven aufgebraucht waren, halfen die Kasseler Nachbarn aus. Ähnlich die Situation bei den Schutzanzügen, die zum Umladen der Fässer und zum Dekontaminieren verwendet wurden.

Hier schaffte der Gefahrgutzug der Kreisfeuerwehrbereitschaft aus Osterode Nachschub herbei. Deren Kräfte lösten dann auch gleich die Einsatzkräfte aus dem Landkreis Northeim ab, die bereits wie die Feuerwehrleute aus dem Landkreis Göttingen die ganze Nacht an der Unfallstelle gearbeitet hatten.

Neuer Asphalt auf 1330 Quadratmetern

Selbst als dann in der Nacht zum Sonntag der Sattelzug vom Abschleppunternehmen geborgen werden sollte, rieselten noch kleine Mengen Rattengiftkörnchen aus den Ritzen und entzündeten sich. Da hatten die Feuerwehrleute ihren Einsatz nach mehr als 44 Stunden eigentlich bereits abgeschlossen, sagt Einsatzleiter Martin Willing von der Rosdorfer Feuerwehr.

Sie mussten erneut anrücken. Der Chemie-Experte gab schließlich grünes Licht, so dass der Gutachter der Dekra den Lkw untersuchen konnte. Davon erhofft sich die Polizei Erkenntnisse über die Unfallursache.

Als schließlich die Container mit den Giftfässern und am Ende auch der verunglückte Sattelzug von der Autobahn entfernt waren, rückten die Männer der Autobahnmeisterei an. Sie versuchten so schnell wie möglich die Hauptverkehrsader wieder herzurichten.

Die Nordfahrspur musste lediglich gereinigt werden, auf der Südspur indes musste der beschädigte Asphalt auf einer Fläche von 1330 Quadratmetern abgefräst und erneuert werden. Hier rollte der Verkehr erst am frühen Sonntagabend wieder.

„Eine enorme Herausforderung“

Die Bewältigung des Gefahrguteinsatzes ist für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung gewesen. Das resümierte Gesamteinsatzleiter Martin Willing von der Rosdorfer Feuerwehr am Sonntag. Aber unterm Strich habe alles gut geklappt. Vor allem, betont er, sei die Zusammenarbeit aller Hilfsgruppen „sensationell“ gewesen.

Allein die Logistik: Mehr als 500 Einsatzkräfte kümmerten sich fast drei Tage lang um die Unfallfolgen samt Verkehrsregelung und Beleuchtung: Polizei, Feuerwehren und Technisches Hilfswerk. Dazu die Autobahnmeisterei, die am Ende für eine zügige Reparatur der A 7 sorgte. Immer mehr Hilfskräfte rückten an. Sie sammelten sich in der Raststätte, von wo aus sie abgerufen und zur Unfallstelle gebracht wurden.

Die Raststätte, sagt Willing, habe die sanitären Einrichtungen zur Verfügung gestellt, Pächter und ein kleines Mitarbeiter-Team der beiden Rastanlagen sorgten laut Tank&Rast-Sprecherin Bettina Schaper für ein „reduziertes gastronomisches Angebot“. In unmittelbarer Nähe der Unfallstelle hatte das Technische Hilfswerk ein Zelt aufgebaut, wo die Verpflegungseinheiten von DRK und Johanniter Unfallhilfe den müden Feuerwehrmännern und Polizisten unter anderem Gulasch und heiße Getränke servierten.

Zum Teil waren die Einsatzkräfte bis zu 18 Stunden auf den Beinen, um nach wenigen Stunden Schlaf, erneut anzutreten, so Willing.Als die Göttinger Vorräte erschöpft waren, sei sogar Nachschub vom ASB aus Markoldendorf herbeigeschafft worden.

Von Britta Eichner-Ramm und Jürgen Gückel

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