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Gefahrgut-Unfall bei Göttingen: Fahrstreifen auf A7 wieder freigegeben

Wieder dreispurig Gefahrgut-Unfall bei Göttingen: Fahrstreifen auf A7 wieder freigegeben

Am Nachmittag hat die Autobahnmeisterei sämtliche Fahrstreifen auf der A 7 bei Göttingen wieder für den Verkehr freigegeben. Seit wenigen Minuten läuft somit auch der Verkehr in Richtung Süden wieder dreispurig.

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Arbeiten abgeschlossen: Fahrstreifen auf A7 wieder freigegeben

Quelle: Heller

Göttingen . Bereits eine Stunde zuvor waren die zwei noch gesperrten Fahrstreifen in Richtung Norden wieder freigegeben worden.

Seitdem entspannt sich die Verkehrssituation im Stadtgebiet Göttingen spürbar und dürfte sich gegen Abend normalisiert haben. Die Staus auf der Autobahn haben sich ebenfalls nahezu abgebaut.

Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn 7 bei Göttingen ist ein Autofahrer getötet worden. Mehrere weitere Unfallbeteiligte wurden schwer verletzt.

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Schwerer Unfall mit Gefahrgut auf der A7 bei Göttingen

Bei einem schweren Unfall am Freitagmorgen auf der A 7 ist ein 28 Jahre alter Autofahrer aus Thüringen getötet worden. Ein 45-jähriger Lastwagenfahrer  wurden schwer, eine Beifahrerin (25) leicht verletzt.  Bis in den Nachmittag brannte ein Gefahrgut-Laster mit einer Ladung Rattengift immer wieder aufs Neue.

Zahlreiche  Fahrzeuge waren in die Unfallserie verwickelt. Etliche Pkw wurden beschädigt, weil sie über Trümmer fuhren. Bei einem der Folgeunfälle bei Hedemünden wurde ein Fahrer schwer verletzt.

Der erste Unfall mit zunächst zwei Personenwagen ereignete sich kurz nach 7.30 Uhr in Fahrtrichtung Norden. In der Gegenrichtung krachte wenig später ein mit Gefahrgut beladener Lastwagen in die Mittelleitplanke.  Bei der Ladung handelt es sich um etwa 22 Tonnen  Wühlmaus- und Rattengift.

Der Laster war zwischen Anschlussstelle Göttingen und Rastanlage gleich hinter der ICE-Brücke auf die Gegenfahrbahn gekippt.  Zwei Fahrzeuge rasten in die Unfallstelle. Dabei wurde ein Autofahrer in den Trümmern seines Fahrzeugs eingeklemmt und so schwer verletzt, dass er nur noch tot geborgen werden konnte. 

Seine Beifahrerin erlitt leichte, der Lasterfahrer schwere Verletzungen. Glück hatte ein 60-Jähriger aus Fulda, der in die Unfallstelle raste, aber unverletzt blieb.

Immer neue Giftwolken

Lastwagen und Rattengift gerieten in Brand. Das Feuer flammte den ganzen Tag immer wieder auf und es bildeten sich dabei giftige Gase. Bei der Chemikalie handelt es sich um Aluminiumphosphid, das mit Wasser reagiert und giftige Dämpfe bildet.

Allein durch den Regen entstanden immer wieder neue Giftwolken oder die Fässer entflammten. Einzig große Mengen Pulverlöschmittel halfen. Den ganzen Tag über versuchten die Fachleute, Fass für Fass die gefährliche Fracht zu bergen.

Die Polizei veranlasste, dass rund um die Unfallstelle alle Haushalte gewarnt wurden. Türen und Fenster sollten geschlossen bleiben. Auch der ICE-Verkehr auf der Schnellbahnstrecke wurde vorübergehend eingestellt. Die Unfallstelle  bleibt vermutlich das ganze Wochenende über weiträumig gesperrt. Vermutlich muss auch der Flüsterasphalt großflächig erneuert werden.

Die Feuerwehren Rosdorf und die Berufswehr Göttingen sowie auch die Gefahrgutzüge von Stadt und Landkreis wurden alarmiert.  Ebenso die Kreisbereitschaft. Als Helfer wurden die Technischen Hilfswerke aus Northeim und Hann. Münden an den Unfallort gerufen. Die Autobahn  wurde in beide Richtungen voll gesperrt, der Verkehr weiträumig umgeleitet.

Gift wird brennend zu giftigem Gas

Bei den 22 Tonnen Ladung auf dem verunglückten Lastwagen handelt es sich um das als Ratten- oder Wühlmausgift eingesetzte Aluminiumphosphid, das bei Kontakt mit Wasser sofort reagiert und das hochgiftige Phosphan (Phosphorwasserstoff) freisetzt. Entweder wird eine Gaswolke ausgestoßen, oder der Stoff entflammt.

Laut Ladeliste sollte der Lkw 80 Fässer geladen haben. Offenbar waren es aber weniger. Dennoch dauerte es Stunden, um unter schwerer Schutzausrüstung nur eines der Fässer zu bergen, wobei bei zeitweise strömendem Regen mühsam versucht wurde, die Fässer vor Wasser zu schützen.

Dennoch geriet der Stoff wegen der Feuchtigkeit immer wieder in Brand, so dass von allen Wehren der Region alle verfügbaren Mengen Löschpulver benötigt wurden. Geborgene Fässer kamen in Container und wurden mit Sand überdeckt.
Wegen des andauernden Austritts des hochgiftigen Gases wurden in allen Kindertagesstätten und Schulen der Gemeinde Rosdorf Fenster und Türen geschlossen.

Auch im Kaufpark und in Firmen im Umkreis von mehreren Kilometern wurde die Lüftung ausgestellt. Dennoch mussten sich einige Menschen in ärztliche Behandlung begeben. Auch die Einsatzkräfte wurden medizinisch betreut.

Wann die Autobahn wieder freigegeben werden kann, steht noch nicht fest. Weil die Bergung andauert und erst dann entschieden werden kann, ob Feuer und ausgelaufenes Öl den offenporigen Asphalt ruiniert haben, könne wohl erst am Sonnabend entschieden werden, ob die Unfallstelle großflächig abgefräst wird.

Das sagt der Leiter der Autobahnmeisterei, Martin Rohloff. Sollte eine Neuasphaltierung nötig sein, dürften die Arbeiten bis in die Weihnachtswoche andauern. So lange bliebe die A 7 voll gesperrt.

Entsetzen im Stau

Der Gefahrgutunfall auf der A 7 am Freitagmorgen hat nicht nur die Autobahn, sondern auch das Stadtgebiet und den Süden und Westen des Landkreises Göttingen ins Chaos gestürzt. Unzählige Pendler kamen mit stundenlanger Verspätung zur Arbeit, Hauptverkehrs- wie auch Nebenstraßen waren zeitweise blockiert.

Um die 30 Einsatz- und Rettungswagen fuhren direkt an die Unfallstelle. Polizei und Feuerwehr waren hochnervös – wussten sie doch anfangs nicht, welche Chemikalie der Gefahrguttransporter geladen hatte. Die Polizei sperrte kleine Wege und Brücken in der unmittelbaren Umgebung der Unfallstelle ab: Niemand sollte durch giftige Dämpfe gefährdet werden.

Auf den Straßen südlich und westlich von Göttingen waren Polizei- und Rettungswagen im Dauereinsatz. Unter den Autofahrern im Stau direkt hinter der Unfallstelle machte sich Entsetzen breit, als sie nach und nach vom Ausmaß des Unfalls erfuhren. Sie saßen stundenlang fest, bis der Stau allmählich von der Polizei von hinten abgebaut wurde, indem die Fahrer am Ende wendeten und in Gegenrichtung nach Mengershausen zurückfuhren.

Ein weiteres Problem: keine Toilette weit und breit. Mancher war froh, in der Nähe eine Unterführung oder einen Busch finden zu können.

Chaos aber nicht nur auf der Autobahn, sondern auch in der weiteren Umgebung, obwohl der Verkehr weiträumig von Hannover über Bielefeld nach Kassel umgeleitet wurde. Sämtliche größere Straßen im Göttinger Süden und Westen waren hochbelastet oder komplett dicht, Busse hatten Verspätung.

In den Dörfern nahe der Unfallstelle herrschte Verunsicherung wegen der vielen Warnungen im Radio vor giftigen Dämpfen, die hauptsächlich in Richtung Norden und nach Westen zogen. In Grone setzte die Feuerwehr Messwagen ein. Auch in Hann. Münden gab es laut Polizei ein Verkehrschaos. Zudem ereigneten sich zwischen Meensen und Jühnde sowie Dransfeld und Jühnde zwei weitere Unfälle.

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So etwas haben die mehr als 500 Einsatzkräfte in den letzten Jahren noch nicht erlebt. Mehr als 50 Stunden haben die Folgen des Gefahrgutunfalls am frühen Freitagmorgen Feuerwehren, Polizei, Technisches Hilfswerk und Autobahnmeisterei in Atem gehalten. Und eine zweieinhalb Tage andauernde Vollsperrung der Autobahn 7 mit den damit verbundenen Behinderungen auf den Umleitungsstrecken ist auch nicht gerade alltäglich.

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