Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Gefahrlos schwarzarbeiten am Wochenende

Private Fahnder im Einsatz Gefahrlos schwarzarbeiten am Wochenende

Gern rühmt sich der Zoll seiner Erfolge beim Aufspüren von Schwarzarbeitern. Doch das System hat Lücken. Wer am Wochenende schwarz schraubt, geht kaum ein Risiko ein: Dann nämlich sind auch die Fahnder außer Dienst.

Voriger Artikel
Die Fusion „hätte ich gerne noch geschafft“
Nächster Artikel
Video zum Polizei-Prozess

Auf illegale Schrauber nicht gut zu sprechen: Werkstattinhaber Klaus Behrens und Torsten Stahr (v.l.).

Quelle: Pförtner

Das jedenfalls habe ein Zollfahnder ihnen gegenüber eingeräumt, sagen Torsten Stahr und Klaus Behrens. Die beiden Chefs des Autohauses Behrens & Stahr in Rosdorf hatten kürzlich eine Kontrolle über sich ergehen lassen. Zwar ohne Beanstandungen, aber ein paar Fragen hatten die beiden Kfz-Meister dann doch. Warum nur reguläre Betriebe unter die Lupe genommen und nicht am Wochenende und am Abend kontrolliert werde? Weil Schwarz-Schrauber meist einen regulären Job hätten, werde dann am meisten schwarz gearbeitet, wissen Behrens und Stahr aus ihrem Gewerbe.

Kontrollen nach Feierabend und am Wochenende? Das gehe nicht, weil sie dann selbst dienstfrei hätten, hätten die Fahnder vom Zoll geantwortet, erinnert sich Stahr. Und zudem sei kaum nachzuweisen, dass eine Autoreparatur kein legaler Freundschaftsdienst sei.

Sein Kollege Behrens will das nicht gelten lassen: „Dann muss vielleicht mal ein bisschen kreativer kontrolliert werden. Wenn der Zoll mal mitkriegen würde, wie ein Schwarz-Schrauber massenweise Autoteile aus dem Zubehörhandel schleppt, kann der Nachweis doch nicht so schwer zu führen sein. Solche Leute haben manchmal gutausgerüstete Werkstätten. Nur gemeldete Betriebe zu kontrollieren, ist doch reine Augenwischerei.“

Er selbst, erklärt Behrens, habe den Zoll auf eine illegale Werkstatt im Landkreis aufmerksam gemacht. Passiert sei so gut wie nichts: „Die Beamten haben mir gesagt, sie seien ein paarmal morgens um 9 und nachmittags um 15 Uhr vorbeigefahren. Da sei nichts gewesen. Ist doch kein Wunder: Da waren die Leute doch alle noch bei ihrer regulären Arbeit.“

Kaum überraschend: Das Problem betrifft nicht nur Göttingen. Anderswo, beispielsweise in Süddeutschland, spüren private Fahnder im Auftrag von Handwerksverbänden und Betrieben, die sich gegen die illegale Konkurrenz anders nicht zu helfen wissen, Schwarzarbeitern nach. Die Detektive kontrollieren vor allem am Wochenende, wenn die staatlichen Fahnder vom Zoll dienstfrei haben, berichtete einer der Detektive kürzlich im ZDF-Fernsehmagazin „Frontal 21“.
Das Bundesfinanzministerium, dem der Zoll zugeordnet sind, weist die Vorwürfe zurück. Es werde „auch am Wochenende in unregelmäßgen Abständen“ kontrolliert, sagt Sprecher Tobias Romeis. Der Einsatz privater Fahnder sei nicht sinnvoll, weil die Zöllner weitergehende Kompetenzen hätten. Glaubhaften Hinweisen auf Schwarzarbeit gehe der Zoll nach.

Etwa zehn Millionen Menschen sollen neben oder statt eines regulären Jobs schwarz arbeiten, was einen Ausfall von jährlich 35 bis 70 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben bedeutet, so Experten. Dem flächendeckenden Phänomen setzt der Staat bundesweit gerade 6500 Fahnder entgegen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Martin Sonneborn in Göttingen

Martin Sonneborn in Göttingen - Antrag zur Namensänderung von Göttingen