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Gefangene sollen künftig Außenanlagen pflegen

Justizvollzugsanstalt Gefangene sollen künftig Außenanlagen pflegen

An der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf soll angebaut werden. Dies betrifft nicht das Gefängnis selbst, wie das Justizministerium versichert. Vielmehr soll außerhalb der Mauer ein Gebäude mit Garagen für Dienstfahrzeuge, WC und Aufenthaltsräumen entstehen. Wie das Tageblatt erfuhr, sollen in dort auch ausgewählte Gefangene einziehen – tagsüber.

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Siegfried Löprick, Sprecher der JVA Rosdorf, kennt das Problem. Jedes Mal, wenn er einen Außentermin hat, steigt er in sein Dienstfahrzeug, um kurz darauf wieder anzuhalten. Der Grund: Sein Wagen steht innerhalb der Gefängnismauern. Will er mit ihm die JVA verlassen, muss er zuerst die Sicherheitsschleuse passieren. Bei der Rückkehr wiederholt sich die Prozedur. Das kostet Zeit – und Nerven. So wie Löprick geht es einigen JVA-Mitarbeitern. Zudem sind innerhalb der Mauern auch Gefangenentransportfahrzeuge und Großgeräte für die Pflege der Außenanlage geparkt. Die müssen ebenfalls bei jedem Einsatz penibel kontrolliert werden. Im Umkehrschluss bedeuten die vielen Bewegungen zwischen Innen- und Außenbereich ein zusätzliches Sicherheitsrisiko. Daher hält Georg Weßling, Sprecher des niedersächsischen Justizministeriums, diesen Zustand auch für durchaus „verbesserungswürdig“, wie er auf Anfrage mitteilte.

Pläne, diesen Missstand zu beheben, gibt es bereits. So soll laut Weßling außerhalb der Gefängnismauer in der Nähe der Pforte ein Garagenkomplex gebaut werden – inklusive Sanitäranlagen und Aufenthaltsräumen. Diese Räume sollen aber wohl nicht in erster Linie den Bediensteten vorbehalten sein, sondern vielmehr ausgewählten Gefangenen, wie Weßling bestätigt. Die Anstaltsleitung plane „bei vorhandener Lockerungseignung“, erwachsene Häftlinge, die im Gefängnis eine Garten- und Landschaftsbau-Ausbildung absolvieren, außerhalb der Anstaltsmauer zur Pflege der Außenanlagen arbeiten zu lassen. „Wegen der beim Ein- und Ausgang erforderlichen und sehr personalintensiven Kontrollerfordernissen möchte die Anstalt diese Gefangenen während der gesamten Arbeitszeit im Außenbereich belassen.“ Daher seien die Sozialräume erforderlich.

Erwachsene oder Jugendliche?

Dass Weßling explizit von erwachsenen Häftlingen spricht, hat einen guten Grund. Die Gemeinde Rosdorf geht nämlich davon aus, dass die neuen Räume für jugendliche Straftäter aus dem offenen Jugendvollzug auf dem Leineberg vorbehalten sind – „im Rahmen ihrer Ausbildung Garten- und Landschaftsbau“. So habe es das Justizministerium mitgeteilt, sagt Karsten Rindermann vom Bauamt. Weßling aber will davon nichts wissen.

Wer nun auch immer Recht haben mag: Wann die ersten Gefangenen mit Rasenmäher und Gartenschlauch die Außenanlagen der JVA pflegen werden, ist unklar. Man befinde sich mitten in der Planungsphase, sagte Weßling. Über Baubeginn und etwaige Kosten könne er noch keine Auskunft geben.

Der Bauausschuss der Gemeinde Rosdorf hingegen hat eine entsprechende Bebauungsplanänderung jetzt vorsichtshalber schon einmal einstimmig empfohlen. Die Gemeindeverwaltung geht nämlich ferner davon aus, dass das Gebäude bis Ende des Jahres stehen soll. Dies habe das Justizministerium ebenfalls schon  mitgeteilt. Löprick würde es sicherlich freuen.

Von Andreas Fuhrmann

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