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Deutschkurs, Praktikum, Ausbildungsplatz

Geflohene kommt Zielen näher Deutschkurs, Praktikum, Ausbildungsplatz

Schon in Syrien wollte Salwa Shih Ahmed Medizin studieren. Dann kamen Krieg und Flucht - doch nach einem knappen Jahr in Göttingen ist die 20-jährige angehende Krankenschwester ihrem Ziel deutlich näher gekommen.

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Salwa Shih Ahmed

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Noch macht sie hier eine Ausbildung beim evangelischen Krankenhaus Weende - „das Medizinstudium kommt vielleicht später“ erzählt Shih Ahmed grübelnd. Denn eigentlich ist sie mit dem Erreichten zufrieden: „Drei Monate Deutsch-Unterricht, dann drei Monate Praktikum und dann direkt die Ausbildung“, erzählt die junge Frau - in nahezu fließendem Deutsch.

Dabei hat sie eine lange Flucht aus dem syrischen Aleppo hinter sich - über deren Details sie nicht sprechen will. 2012 sei sie aufgebrochen, es folgte ein Aufenthalt in Russland, wo sie ihr Abitur machte. Bleiben konnte sie dort nicht, also zurück in die Türkei. Aber dort gab es keine Ausbildungsmöglichkeiten, niemand brachte ihr die türkische Sprache bei. „In Deutschland habe ich viele Möglichkeiten - die habe ich dort nicht gesehen“, versucht sie zu beschreiben, warum sie mit Mutter, Vater und Bruder aufbrach.

„Die ersten Wochen hier waren sehr schwer“

„Die ersten Wochen hier waren sehr schwer“, erzählt sie. Aber schon ihr Deutschlehrer habe früh ihre Talente gesehen, anschließend vermittelte ihr eine ehrenamtliche Flüchtlingshelferin den Praktikumsplatz im Krankenhaus. Mit rudimentären Deutschkenntnissen seien die ersten Monate „eine Katastrophe“ gewesen: „Ich konnte nichts verstehen und die Anderen konnten das nicht verstehen“, beschreibt sie die damalige Zeit. Shih Ahmed blieb, angetrieben von ihrer Mutter, am Ball, machte sich eifrig Notizen, wenn Kollegen miteinander sprachen.

Am Ende bot ihr das Krankenhaus einen Ausbildungsplatz an - Shih Ahmed nahm an und genießt seitdem das Leben als Ausbildende samt Fitnessstudio, Besuchen in Cafés und Ausflügen zu Freunden in anderen Städten. Auch die Noten in der Berufsschule stimmen, was für Shih Ahmed aber kein neues Gefühl ist: „Schon in Syrien hatte ich immer die besten Noten - das muss eine Ärztin werden“, hätten damals schon viele gesagt.

Syrien immer noch präsent

Überhaupt ist Syrien für sie immer noch präsent, auch wenn es in Deutschland „sehr gut“ sei: „Im Facebook gucke ich jeden Tag, was dort passiert - manchmal muss ich weinen“, erzählt die 20-Jährige, deren elterliches Haus in der Heimat „nicht mehr steht“.

Von Christoph Höland

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