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Gegner verhindern Abschiebung von Roma-Familie aus Göttingen

Blockade bleibt friedlich Gegner verhindern Abschiebung von Roma-Familie aus Göttingen

Rund 80 Abschiebungsgegner haben am Donnerstagmorgen die Abschiebung einer sechsköpfigen Roma-Familie verhindert. Gegen 6 Uhr versammelten sich die Demonstranten im Garten und auf dem Bürgersteig des Hauses im Königsstieg.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Das Ehepaar, das ursprünglich aus Serbien und Montenegro stammt, und die vier Kinder sollten nach Auskunft der Abschiebungsgegner nach Frankreich entsprechend der Dublinverordnungen 
abgeschoben werden. Dort stünde der Familie erneut ein Leben auf der Straße bevor, fürchten die Aktivisten. Seit Mittwochabend hatten Gegner vor dem Haus gewacht.

Mitarbeiter der Landesaufnahmebehörde Braunschweig (LABNI) waren vor Ort, sagten die Abschiebung wegen der Blockade aber ab. Die Göttinger Polizei war am Morgen zunächst mit zivilen Wagen vor Ort, später mit einem Streifenwagen. Sie griff nicht ein, hielt sich im Hintergrund und beschränkte sich auf die Regelung des Verkehrs.

Teilnehmer beschreiben den Verlauf der Blockade friedlich. Mit Transparenten forderten sie Bleiberecht für alle und sprachen sich für eine flüchtlingsfreundliche Asylpolitik aus. Eine Aktivistin sagte: „Es ist richtig, dass die Familie hier bleibt. Wir werden uns auch weiterhin für ihren Aufenthalt einsetzen. Entgegen der menschenverachtenden Politik von Regierung und Behörden, die rassistische Gesetze verschärfen, verabschieden und ausführen,  fordern wir einabschiebefreies Göttingen!“

Auch die Grüne Jugend wertet die knapp dreistündige Blockade als "Erfolg der Zivilgesellschaft". Solange es Versuche gebe, "Menschen durch Abschiebungen aus der Mitte der Gesellschaft zu reißen, solange wird diese Form der Gegenwehr notwendig bleiben", sagte ein GJ-Mitglied.

Der Familienvater befindet sich zur Zeit wegen einer psychischen Erkrankung in Behandlung in einem Göttinger Krankenhaus. Nach Auskunft eines Vertreters des Arbeitskreises läuft die Duldung der Familie Ende Mai aus. Eine Verlängerung soll nun bei der Göttinger Ausländerbehörde beantragt werden, sagt der Sprecher.

Aus Sicht des Göttinger Kreisverbandes der Alternative für Deutschland (AfD) hätten die "linken Aktivisten den Rechtsstaat ausgehebelt". Gesetze müssten geachtet und notfalls auch zwangsweise durchgesetzt werden. Es sei "notwendig ausreisepflichtige Ausländer in die entsprechenden Länder zurückzuführen", sagte der stellvertretende Kreisvorsitzende Jens Kaup und forderte die strafrechtliche Verfolgung derer, die eine solche Umsetzung blockierten.

Dieser Artikel wurde aktualisiert

Foto: Hinzmann

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