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„Geht nicht, gibt es nicht“

Lernen von Behinderten „Geht nicht, gibt es nicht“

Er hat verkürzte Arme und gehört zu den erfolgreichsten deutschen Olympiasportlern. „Geht nicht, gib es bei mir nicht“, sagt Biathlet Josef Giesen. Für die Aktion „Von Behindertensportlern lernen“ berichtete der 54-Jährige Göttinger Schülern über sein Leben. Die konnten zugleich Rollstuhlbasketball ausprobieren.

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Überraschend schnell kommen die GSG-Schüler beim Basketball mit den Sportrollstühlen zurecht.

Quelle: CH

Göttingen. Die Scheu ist schnell verschwunden, nach wenigen Minuten fragen die Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG) schonungslos: Wie machen Sie ihre Hose zu? Wie duschen Sie? Wurden Sie als Kind gemobbt? Können Sie Auto fahren? Und Giesen antwortet ebenso schonungslos, und entwaffnend. Gemobbt wurde er nie, „ich hatte ein ganz normale Kindheit“. Für Knopf und Reißverschluss der Hose hat er eine Spezialhaken, den er mit den Zähnen hält, für seine Gartenarbeit hat er sich Harke und Haken an die Schuhe schweißen lassen, und natürlich fährt er Auto. Dessen Steuerung ist ebenso eine Spezialanfertigung wie sein Gewehr, mit dem Giesen bis 2010 als Biathlet mehrfach Medaillen bei den Paralympics und anderen Wettbewerben holte.

„Der ist echt cool“, schwärmte Mustafa nach der Diskussionsrunde mit dem Ausnahmesportler, NDR-Moderator Andreas Kuhnt und dem ungewöhnlichen Gewehr als Schauobjekt. „Ich habe nicht gedacht, dass das alles so normal geht“, ergänzte Mustafas Freund.

Genau das ist es, was der contergangeschädigte Geisen den Schülern vermitteln will: „Ich komme trotz meines Handicaps gut klar und kann viel erreichen, wenn ich nur will und nicht so schnell aufgebe.“ Und er will sie ermuntern, keine Berührungsängste zu haben und auf Menschen mit Handicap zuzugehen.

Seit fast einem Jahr tourt Geisen mit Kuhnt und dem Bundesliga-Basketballer Eike Gößling von United Hannover durch Schulen. „Von Behindertensportlern lernen“ heißt die Aktion des Behinderten-Sportverbandes Niedersachsen (BSV). Nach wie vor gebe es Vereine und Meisterschaften für Behinderte und nicht Behinderte, bedauerte BSV-Vizepräsident Karl-Heinz Mull, „dass soll sich irgendwann einmal ändern“.

Wie schnell sich das ändern kann, erlebten Schüler aus mehreren GSG-Jahrgängen beim Training mit Gößling. Schnell sausten sie in Sport-Rollstühlen durch die Halle. „Fahren und drehe geht viel leichter als ich dachte“, versicherte die 12-Jährige Anabell Stainic. „Man wirft genauso wie beim richtigen Basketball“, wunderte sich ihre Mitschülerin Lilly Querfurth. Und Larissa Apel (13) „wusste gar nicht, dass es Basketball für Rollifahrer gibt“: „Das wir das jetzt mal gemacht haben, ist echt cool.“

Rollstuhlbasketball sei besonders geeignet, um nicht Behinderten Behindertensport nahezubringen, erklärte der 21-Jährige Profi Gößling. Mit den Rollis lasse sich ohne viel technischen Aufwand eine Behinderung simulieren, alle würden auf dem gleichen Niveau spielen „und Spaß macht es sowieso“.

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