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Geismaraner erinnern sich an ihre Kindheit

„Der Hunger trieb’s rein“ Geismaraner erinnern sich an ihre Kindheit

Sie wurden zwischen 1933 und 1939 geboren und wuchsen in der Geismar Landstraße auf. Ihre Lebenswege haben sich nach der Jugendzeit getrennt, aber sie sind bis heute befreundet. Zweimal im Jahr treffen sie sich im Restaurant Onkel Toms Hütte, tauschen Erinnerungen aus und berichten einander, was es Neues gibt: die ehemaligen Kinder der Geismar Landstraße, die heute zwischen 75 und 82 Jahre alt sind.

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Treffen bei Onkel Tom:  Klaus Kümmel, Rolf Gödecke, Helga Schmidt, Erna Thielert (von links).

Quelle: Hinzmann

Geismar. Ein großes Thema schwebt über all ihren Gesprächen: die Kameradschaft. „Gemeinsam im Luftschutzbunker zu sitzen, schweißt eben zusammen“, betont Helga Schmidt. „Wir haben uns mit den Elbertälern oder den Geismaranern geprügelt“, erzählt Erich Köhler, „manchmal haben die gewonnen, manchmal wir“. Spielsachen hätten sie nicht viele gehabt, berichtet Margarete Hilker, aber das sei nicht schlimm gewesen: „Wir haben im Hof gespielt, wo große Feuerholzstapel standen. Auf die sind wir rauf geklettert, haben Decken drüber gelegt und so getan, als ob das unsere Wohnungen seien.“

Natürlich erlebten sie nicht nur Schönes. „In der schlechten Zeit hielten wir Kaninchen“, erzählt Bärbel Hartmann. „Und eines Tages sagte mein Vater: heute ist deins dran.“ Erst habe sie sich standhaft geweigert, schließlich aber doch mitgegessen: „Der Hunger trieb’s rein.“  

Otto Aue berichtet unterdessen, wie die Kinder im Winter mit dem Bollerwagen im  Wald bei Klein Lengden Feuerholz holen mussten. „Hin und zurück waren das 14 Kilometer, die sind wir bei eisiger Kälte zu Fuß gelaufen“. Auch Helga Schmidt wollte etwas besorgen, aber kein Holz, sondern Kartoffeln. Als sie die gegen die Raucherkarte ihrer Mutter eintauschen wollte, habe der Bauer sie jedoch mit der Drohung, den Hund loszulassen, vom Hof gejagt. Sie weiß auch noch, wie die Familien sich freuten, wenn nach langer Zeit die Männer und Väter wieder aus dem Krieg zurückkehrten: „Auch meine Mutter, meine Geschwister und ich warteten lange – jedoch vergeblich.“

Auch wenn ihre Kindheit nicht immer leicht war – mit den Kindern heute möchten sie nicht tauschen. Sie seien zwar strenger erzogen worden, betont Erna Thielert, aber kindgerechter aufgewachsen als die Jungen und Mädchen heute. Vor allem hätten sie den Erwachsenen viel mehr Streiche gespielt, erzählt Eberhard Ziess lachend. Er sei zwar ein solider Beamter geworden, habe es aber als Junge faustdick hinter den Ohren gehabt.

Von Hauke Rudolph

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