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Geldstrafe für Lehrer

Chemieunfall Geldstrafe für Lehrer

Für den Chemieunfall am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium vor knapp einem Jahr ist – juristisch gesehen – allein der Fachlehrer verantwortlich. Er hatte Behälter mit Flüssigkeiten nicht beschriftet und muss wegen fahrlässiger Körperverletzung eine Geldstrafe zahlen. Das bestätigte gestern die Staatsanwaltschaft. Bei dem Unfall wurden mindestens zwölf Schüler zum Teil schwer verletzt. 

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Chemie-Alarm vor einem Jahr: Das FKG wird evakuiert.

Quelle: PH

Der Fall hatte bundesweit Aufsehen erregt: Gegen Ende der Chemiestunde einer elften Klasse war im Chemieraum eine Flasche mit Salpetersäure explodiert.  Zwölf Schüler und der Lehrer erlitten teilweise schwerste Verletzungen der Haut und der Atemwege – einige wurden später in einer Hamburger Hautklinik behandelt. 1100 Schüler wurden nach dem Säurealarm in einem Großeinsatz evakuiert und vorzeitig nach Hause geschickt. 

Die Ermittlungen zogen sich lange hin, inzwischen aber sei der Unfallhergang aufgeklärt, sagte gestern der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Buick. Danach habe der Chemielehrer für einen Versuch verschiedene Flüssigkeiten in Becher abgefüllt, diese aber nicht beschriftet. Gegen Ende der Stunde durfte eine Schülerin die Stoffe in ihre Ursprungsbehälter zurückgießen. Dabei habe sie irrtümlich Spiritus in die Vorratsflasche für Salpetersäure gegossen und diese dann verschlossen auf einen Wagen am Lehrerpult gestellt. „Eine tickende Zeitbombe“, sagt Buick. Spiritus und Salpeter hätten chemisch reagiert, einen Überdruck erzeugt und die Zweieinhalb-Liter-Flasche zum Bersten gebracht.

Beschwerde zurückgezogen 

Das Verhalten des Lehrers werten Staatsanwalt und Amtsgericht als fahrlässige Körperverletzung. Den Strafbefehl in Höhe von 4800 Euro (zwei Netto-Monatsgehälter) habe der 65-jährige Pädagoge bereits akzeptiert. Das Verfahren gegen den damaligen Schulleiter des Gymnasiums sei eingestellt worden, so Buick. Dagegen habe es eine Beschwerde gegeben, die inzwischen aber zurückgezogen worden sei.

Zivilrechtliche Forderungen gegen den Lehrer gibt es nach bisherigen Informationen nicht. Auch ein automatisch eingeleitetes Disziplinarverfahren gegen den Landesbeamten sei eingestellt, so der jetzige Schulleiter Klaus Juraschek. Der Chemielehrer wollte sich nicht weiter äußern. 

Von Ulrich Schubert

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