Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Gericht: „Im Zweifel für die Therapie“

Serien-Autoknacker Gericht: „Im Zweifel für die Therapie“

Im Zweifel für den Angeklagten, heißt ein Grundsatz bei Gericht. „Im Zweifel für die Therapie“, hat Richter Dirk Amthauer ergänzt und einen 45 Jahre alten Drogenabhängigen, der reihenweise Autos aufgebrochen hatte, um seine Sucht zu finanzieren, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Extreme Auflagen sollen verhindern, dass der so milde Verurteilte rückfällig wird.

Der Angeklagte, so das Urteil, habe die Straftaten nicht begangen, „um ein schönes Leben zu haben“. Er knackte Autos – vorwiegend ältere Volkswagen, die er mit Nachschlüssel oder mit Türstich öffnete –, weil er die Beute zu Geld machte und damit seine Sucht finanzierte. Täglich 100 Euro habe der Abhängige benötigt, bestätigte ein Sachverständiger.

Der Suchtexperte bestätigte aber auch, dass der geständige Angeklagte therapiewillig und -fähig sei. Schon einmal hatte er in seiner langen Drogenkarriere eine Entziehung erfolgreich geschafft und war über Jahre abstinent geblieben. Weil er ein gesichertes soziales Umfeld habe, verspreche auch eine ambulante Therapie Erfolg.

Das Gericht hatte schon vor Prozessbeginn die Weichen gestellt, indem es den 45-Jährigen aus der Untersuchungshaft entlassen und den Beginn einer stationären Drogentherapie ermöglicht hatte. Eine Zeit im Gefängnis hätte den Therapieerfolg gefährdet. Für die Allgemeinheit, so Amthauer, sei es aber wertvoller, therapierte Täter zu entlassen, weil die Rückfallquote viel niedriger sei.

Der 45-Jährige wurde wegen 30 Autoaufbrüchen, drei Diebstählen mit Waffe und Computerbetrug zu zwei Jahren verurteilt. Er wird zudem in der Entziehungsanstalt untergebracht. Beides wird zur Bewährung ausgesetzt. Führungsaufsicht, Therapieauflage, Alkoholverbot, regelmäßige Alcotests und Urinkontrollen, 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit sowie ein Verbot, sich an Drogentreffpunkten wie Turmstraße oder Wilhelmsplatz blicken zu lassen, geben der Bewährungszeit ein extrem enges Korsett.

Von Jürgen Gückel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Martin Sonneborn in Göttingen

Martin Sonneborn in Göttingen - Antrag zur Namensänderung von Göttingen