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Geschichte der Zwangsarbeit in Südniedersachsen: Dauerausstellung feierlich eröffnet

„Wir dürfen nicht vergessen“ Geschichte der Zwangsarbeit in Südniedersachsen: Dauerausstellung feierlich eröffnet

Die Ausstellung zur  Zwangsarbeit in Südniedersachsen während der Zeit des Nationalsozialismus hat in Göttingen einen festen Standort gefunden.  Am Freitagabend wurde die Schau in Anwesenheit von zwei ehemaligen Zwangsarbeiterinnen in den Berufsbildenden Schulen II feierlich eröffnet.

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Lesung, Musik, Tanz: Bei der Eröffnung wird die Leidengeschichte der Zwangsarbeiterin Wiktoria Delimat dargestellt.

Quelle: Heller

Göttingen. Der Landkreis Göttingen habe ein bemerkenswert kontinuierliches Engagement zur Aufarbeitung des Themas Zwangsarbeit gezeigt, sagte Günther Siedbürger von der Geschichtswerkstatt Duderstadt bei der Eröffnung. Die Geschichtswerkstätten Göttingen und Duderstadt hatten die Ausstellung vor einigen Jahren zunächst als Wanderausstellung erstellt.

Die Ausstellung zeigt in Texten, Bildern, Dokumenten und Filminterviews das Ausmaß der Zwangsarbeit in Südniedersachsen. Im Mittelpunkt stehen die Biografien von Menschen aus mehreren europäischen Ländern, die während der NS-Zeit in Südniedersachsen Zwangsarbeit leisten musten.

Es sei eine Ausstellung wider das Vergessen, sagte Landrat Bernhard Reuter (SPD). Wohin Geschichtsvergessenheit führe, könne man aktuell an den Ereignissen in Tröglitz sehen. „Wir wissen, wozu es führt, wenn Fremde nicht als Bereicherung, sondern Bedrohung der eigenen Lebensweise gesehen werden“, so der Landrat. Aktuellen Fehlentwicklungen müsse mit Aufklärung und allen Mitteln des Rechtsstaates entgegengewirkt werden. Die Ausstellung sei der richtige Weg, um die Erinnerung in der jungen Generation wachzuhalten. Es sei eine bewegende Schau, die den Opfern ein Gesicht gebe.

Die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen Wiktoria Delimat aus Göttingen und Bronisława Burek waren mit Familienangehörigen zur Ausstellungseröffnung gekommen. Beide waren als Jugendliche aus Polen nach Deutschland verschleppt worden. Der 93-jährige Ivo Piaserico aus Italien sandte eine Videobotschaft. Seine wichtigste Mahnung: Die damaligen Fehler dürften sich niemals wiederholen.

Delimats Leidensgeschichte wurde in einer Aufführung mit Lesung (Ute Delimat), Tanz (Marie Theres Zechiel) und Harfenmusik (Daiva Schumann) dargestellt. „Wir dürfen nicht vergessen“, sagt Judith Kara, Leiterin der Ballettschule Art la danse. Für feierliche Musik sorgten darüber hinaus Sabine Gottschalk (Geige) und Johan Meijer (Gesang und Gitarre)

Lange sei die Geschichte der Zwangsarbeit verdrängt worden, sagte Dagmar Schlapeit-Beck, Kulturdezernentin der Stadt Göttingen. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) lobte die Schau als Bereicherung für die Bildungslandschaft in Südniedersachsen. Die Ausstellung könne junge Menschen dazu befähigen, sich für eine inklusive und solidarische Gesellschaft einzusetzen.

Die Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939-1945“ ist in der BBS II, Godehardstraße 11, mittwochs und freitags von 10 bis 16 Uhr sowie jeden ersten Sonntag im Monat von 14-17 Uhr zu sehen. Für Schulklassen und Gruppen können Termine vereinbart werden. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. Internet: www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu; E-Mail: info@zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu.

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