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"Diebstahl hat in Polen besonderen Makel"

Vor Gericht "Diebstahl hat in Polen besonderen Makel"

Es sollte eigentlich ein Geständnis werden. Doch Beute gemacht zu haben, bestreitet der Angeklagte. Es geht immerhin um Raub im Drogenmilieu. Erst sein Anwalt kann ihn überzeugen, dass ein erlogenes Geständnis keines ist. Danach erst ist der Weg frei für eine milde Bewährungsstrafe.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Der 39 Jahre alte Angeklagte ist Pole und spricht kein Deutsch. Mit seiner Staatsangehörigkeit lässt er die Dolmetscherin dann auch erklären, warum er sich geziert habe, den ganzen Tatvorwurf zuzugeben. "Diebstahl hat in Polen einen besonderen Makel", übersetzt die Dolmetscherin. Deshalb habe der Angeklagte wohl als Schläger und Körperverletzer, nicht aber als Dieb dastehen wollen.

 

Doch um Diebstahl geht es gar nicht, sondern um Raub, ein Verbrechen, Mindeststrafe ein Jahr. Mit Gewalt hat sich der Angeklagte zusammen mit einem unbekannten Mittäter am 6. April gegen 23 Uhr aus einer Wohnung am Hagenweg eine Tasche mit Geldbörse, EC-Karte und 80 Euro, eine Zigarettendrehmaschine und Tabak sowie ein Überraschungs-Ei mit Heroin darin genommen. Dazu hatte er zuvor dem Bewohner des Apartments mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihn mit dem Kopf gegen einen Schrank geknallt, so dass dessen Spiegel zersplitterte.

 

Das alles gibt der gelernte Diätkoch, der in Göttingen auf die schiefe Bahn geriet und drogenabhängig wurde, schließlich zu. Vorher hatte er noch gejammert, er könne "nicht verstehen, dass ich als Dieb dargestellt werde". Geschlagen habe er den Bewohner, das ja. Auch einen anderen, der zuhilfe gekommen sei. Aber Diebstahl…

 

Nach dem intensiven Gespräch mit Verteidiger Dietrich Homann dann die Wende: Ja, er habe was mitgenommen. Das zuzugeben, habe er sich geschämt. Seinen Mittäter will er aber nicht nennen. Er habe damals unter Alkohol (1,5 Promille) und Heroin gestanden und oft auch die Horrordroge Flix (MDPV) genommen. Heute sei er froh, dass die Polizei ihn damals erwischt und er seitdem fünf Monate in Untersuchunghaft gesessen habe. Das habe ihm das Leben gerettet. Sonst hätten ihn Wodka und Drogen längst aus genau diesem befördert.

 

Als er gefragt wird, ob er auch einer Drogentherapie zustimme, sagt er sofort "gern!". Der Staatsanwalt plädiert auf eine milde Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Der Verteidiger verweist auf den "Schlussstrich, den er spät, aber nicht zu spät gezogen" habe. Tatsächlich gibt es 15 Monate, ausgesetzt zur Bewährung. Er kommt sofort frei, denn er stimmt dem Schuldspruch gleich zu. Aber er muss als Auflage eine ambulante Therapie nachweisen.

 

Dass die Tat im Milieu und zur Beschaffung von Drogen stattfand, so Richter Christian Queisner, und dass die Folgen für das Opfer gering waren, könne strafmildernd angerechnet werden. Und außerdem: Der Pole war zuvor noch nie mit dem Gesetz im Konflikt.

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