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Ghost-Bikes in Göttingen werden respektiert

Mahnende Räder erinnern seit eineinhalb Jahren an tödlich verunglückte Fahrradfahrer Ghost-Bikes in Göttingen werden respektiert

Ein Fahrrad, abgestellt an ungewöhnlicher Stelle – da fehlt schnell Mal der Sattel, oder die Speichen sind eingetreten. Nicht so an den so genannten Ghost-Bikes. Seit eineinhalb Jahren erinnern die weiß lackierten Räder mahnend an tödlich verunglückte Fahrradfahrer.

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Eine von neun Unfallstellen: Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke am Ghost-Bike am Groner Tor.   

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. „Sie werden respektiert“, sagt Jörg Arnecke, der Verkehrsicherheitsberater der Polizeiinspektion Göttingen. Der Hauptkommissar ist einer der Väter der Idee, mit sichtbar aufgestellten Rädern mehr Umsicht im Straßenverkehr und mehr Rücksicht auf Radfahrer einzufordern. Und er werde immer wieder angesprochen, sagt Arnecke, teils von Angehörigen der verunglückten Radfahrer, teils von zufälligen Passanten, die die Idee mit den Weißen Rädern gut finden. Damit werde der Verkehrsteilnehmer für die Gefahren, denen vor allem Radfahrer ausgesetzt sind, sensibilisiert.

Eigentlich stammen die Ghost-Bikes aus den USA. In St. Louis wurden 2003 die ersten aufgestellt. In Deutschland wurden in Berlin die ersten weißen Räder an Straßenlaternen und Schilder montiert. Göttingen sei, sagt Arnecke, seines Wissens nach die zweite deutsche Stadt, die die Idee im Netzwerk Fahrrad diskutierte und im Mai 2013 auch umsetzte. Inzwischen haben andere Sädte wie Bremen, Hamburg oder Hildesheim sich in Göttingen kundig gemacht und ihrerseits an Unfallstellen weiß lackierte Räder aufgestellt.

Arnecke konnte das Projekt empfehlen – Probleme habe es nicht gegeben. Am 22. Mai 2013 hatte er die ersten beiden Räder mit Hilfe des städtischen Bauhofes aufgestellt. Die Standorte sind so gewählt, dass die Räder in der Nähe der Unfallstelle, aber verkehrssicher stehen. Anfangs hat Arnecke die Drahtesel noch mit der Hand lackiert, später half der Bauhof und schraubte die Felgen auch an den Pflasterplatten fest, damit Dummköpfe sie nicht bewegen können. Für zwei Wochen hat die Polizei auch einmal ein rot lackiertes Rad an einer Unfallstelle mit einem schwer verletzten Radfahrer aufgestellt. In Absprache mit dem Landkreis soll das Projekt 2016 sogar auf den Kreis ausgedehnt werden.
Zehn tödliche Fahrrad-Unfälle gab es in den vergangenen 13 Jahren, der letzte im Herbst 2015 am Steinsgraben, wo eine 84 Jahre alte Radfahrerin stürzte und starb. Diese Stelle soll demnächst markiert werden. So gut die Idee auch ankomme, sagt Arnecke, lieber wäre ihm, wenn er keine weiteren Räder mehr aufstellen müsse. Dabei helfen  könnte vor allem dies: Fahrradhelme, intakte Beleuchtung an den Rädern, helle Kleidung der Radler, mehr Rücksicht von Autofahrern, aber auch ein verkehrsgerechtes Verhalten der Radfahrer selbst.

Acht weiße Räder stehen

Göttingen. Derzeit stehen acht weiße Räder, so genannte Ghost-Bikes, an acht Stellen, an denen Radfahrer zwischen 2003 und 2013  im Straßenverkehr ihr Leben verloren. Es sind dies die Bahnunterführung in der Jheringstraße, eine Unfallstelle in der Holtenser Landstraße 41, die Kasseler Landstraße in Höhe Edeka-Markt, die Einmündung Schulstraße in die Kiesseestraße, die Ecke Obere-Masch-Straße und Berliner Straße, die Reinhäuser Landstraße in Höhe Reinshof, das Groner Tor und die Kreuzung Danziger Straße und Reinhäuser Landstraße. Ein neuntes Ghost-Bike wird Ende Januar am Steinsgraben, Ecke Beethovenstraße aufgestellt. Insgesamt starben seit 2003 sogar zehn Radfahrer im Straßenverkehr allein in Göttingen. In einem Fall (Unfallstelle am Roringer Berg) wurde darauf verzichtet, das mahnende weiße Fahrrad am Unfallort aufzustellen. Es habe dort die Gefahr bestanden, dass das Rad Verkehrsteilnehmer ablenken könnte.

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