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"Das Abendmahl funktioniert trotzdem"

Glutenfreie Hostien "Das Abendmahl funktioniert trotzdem"

Was tun, wenn das Abendmahl gefeiert wird und der Kirchgänger an einer Lebensmittelunverträglichkeit leidet? Wenn der Verzehr einer einzigen Hostie bereits allergische Reaktionen verursacht? Die Kirchengemeinden in der Region geben sich in solchen Fällen nicht allzu streng.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Duderstadt. Anlass für die Diskussion war ein Schreiben des Vatikans an die Bischöfe der gesamten Welt, "über die Qualität des für die Eucharistie bestimmten Brotes und Weines sowie auch über jene, die mit der Zubereitung befasst sind, zu wachen". Dem vorangegangen war ein Facebook-Aufruf eines Priesters im italienischen Umbrien, in dem er mit der Ankündigung  "nach der Messe um 11 Uhr Aperitif mit Prosecco und Hostien und Chips" warb. Außerdem ärgerte es den Papst, dass Hostien und Messwein, als Symbol für Blut und Leib Christi, mittlerweile in Supermärkten und Online-Shops gekauft werden könnten.

"Hostien bestehen aus Weizenmehl und Sauerbrotteig", erklärt Marie Kleine, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Katholischen Kirche in der Region Hannover. Im Bistum Hildesheim werden Hostien demnach vor allem aus Hostienbäckereien bezogen, die in der Regel von Orden betrieben werden. Dort seien auch glutenfreie Hostien im Angebot. "Jede Gemeinde entscheidet selbst, wo sie ihre Hostien kauft", sagt Kleine.

Einen Gläubigen mit Lebensmittelunverträglichkeit vom Abendmahl auszuschließen, kommt für Propst Bernd Galluschke, Dechant und Bischöflicher Kommisar des Untereichsfelds, nicht in Frage. "Wenn jemand eine Allergie hat, bekommt er eine glutenfreiue Hostie."
 
Das ereigne sich allerdings äußerst selten: Im vergangenen Jahr sei das bei einem Kommunionskind der Fall gewesen, da kam die glutenfreie Variante einfach in ein anderes Behältnis. Das sei einer von insgesamt zwei Fällen in Duderstadt gewesen, erinnert sich Galluschke. Richtlinien seien zwar gut, doch sie müssten bei Bedarf auch den Anforderungen des alltäglichen Lebens angepasst werden.  Denn: "Das Abendmahl funktioniert trotzdem", sagt Galluschke. Die Duderstädter beziehen ihre Hostien von den Benediktinerinnen der Abtei Varensell bei Rietberg in der Erzdiözese Paderborn.

Die evangelische Kirche scheint den Umgang mit dem Abendmahl etwas lockerer zu handhaben: "Es wird sich schon an die Maxime Brot und Wein gehalten", erklärt Andreas Overdick vom evangelisch-lutherischen Kichenkreis Göttingen. "In welcher Form, entscheiden allerdings die Gemeinden vor Ort."

Normales Weißbrot, Oblaten, glutenfreies Brot, Traubensaft und Wein - was es in den evangelischen Kirchen in der Region zum Abendmahl gibt, bestimmen die Kirchenvorstände. "Wir richten regelmäßig Gottesdienste ein, bei denen es auch Traubensaft gibt", sagt Overdick. Dabei spiele inzwischen auch die Hygiene-Diskussion eine Rolle: Einige reichten zum Abendmahl einen Becher, andere bevorzugten Einzelgefäße. Die Möglichkeiten, das Abendmahl zu feiern, seien vielfältig.
Doch nicht alles, was gefällt, passt auch zu einem Gottesdienst: Als Overdick vor zehn Jahren die Partnergemeinde in Südafrika besuchte, gab es dort zum Abendmahl Cola als Flüssigkeit. Das sei sogar ihm weit gegangen, sagt Overdick.

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