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Göttingen ist Hochburg der Modedroge Flex

Drogenberater besorgt Göttingen ist Hochburg der Modedroge Flex

Warum gerade Göttingen? Darüber rätseln Drogenfahnder und Drogenberater. Nirgendwo sonst in Niedersachsen ist die Modedroge Methylendioxypyrovaleron (MDPV) so stark verbreitet wie in der Universitätsstadt. Selbst das Bundeskriminalamt kann auf Anhieb keine anderen Hochburgen der auch als Cloud Nine, Monkey Dust, MTV, Magic, Super Coke und Peevee bekannten Designerdroge nennen.

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Drogenberater besorgt: Elisabeth Mickler-Kirchhelle und Markus Lingemann sehen gefährliche Entwicklung bei Droge Flex.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Diese hat in Göttingen gar einen eigenen, nirgendwo sonst gebräuchlichen Namen: Flex. Jetzt warnt die Drogenberatung in einem am Mittwoch herausgekommenen Flugblatt erstmals vor den teuflischen Folgen von Flex.

Eine These zum Siegeszug der ebenso heimtückischen wie billigen Substanz: Ausgerechnet die erfolgreiche Arbeit der Polizei könnte dazu beigetragen haben, dass Flex sich in Göttingen stark verbreitet hat. Denn 2012 hatten die Fahnder einen Drogenring gesprengt, der unter anderem mit Heroin handelte. Der Haupttäter nannte in seiner Lebensbeichte viele seiner Abnehmer und Kleindealer, und der Markt für Heroin brach prompt zusammen.

Offenbar haben ehemalige Heroin-Konsumenten, so mutmaßt Sozialarbeiter Markus Lingemann von der Drogenberatung Drobz, alternativ zum damals noch nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterliegenden Badesalz gegriffen. Der verharmlosende Begriff für das gefährliche MDPV war damals quasi Handelsname im Internet, wo der Stoff frei zu bestellen war.

Zynischerweise wurde im Beipackzettel vor Missbrauch gewarnt – quasi als Gebrauchsanweisung zum Missbrauch.

Extrem billiger Rausch

Als zweiten Grund für die rasche Verbreitung der Droge sehen Lingemann und seine Kollegin Elisabeth Mickler-Kirchhelle den Preis und die hohe Wirksamkeit des Stoffs. Aus einem Gramm, das man für zehn Euro erwerben kann, werden fünf Konsumeinheiten gewonnen. Extrem billiger Ersatz für Abhängige auf Heroin-Entzug.

Aber auch extrem gefährlich: Das Flugblatt weist Verfolgungswahn, Psychosen und Depressionen, Panikattacken, Schlaflosigkeit und Herzrasen,  Aggressivität und in Kombination mit anderen Drogen gar Lebensgefahr durch Kreislaufversagen als Folgen des Konsums aus. Und dennoch, so die Drogenberater, gebe es Klienten, die heute schwören, es nie mehr zu nehmen und die sich morgen den billigen Rausch wieder gönnen.

Und das Problem nehme zu. 2012 wurde noch keine Statistik geführt, 2013 kamen 50 Abhängige mit MDPV-Problemen zur Beratung, 2014 waren es schon 70. Tendenz steigend. Gleichzeitig sind Flex-Opfer – oft abgemagert, fahrig, desorientiert, aggressiv – viel schlechter zu erreichen als andere Konsumenten. Gar zur Gefahr für offene Angebote wie den Kontaktladen könnten die häufig verwirrten Flex-Konsumenten werden.

Hilfe und Beratungbei der Göttinger Suchtberatung
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