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Trotz Dyskalkulie: 14-Jährige erhält keine Therapie

Nicht rechnen zu können, isoliert Trotz Dyskalkulie: 14-Jährige erhält keine Therapie

Das Mädchen ist 14 und voll in der Pubertät. Es meidet Gesellschaft, bleibt die ganze Woche zu Hause, sieht man mal vom Sport ab. Sie wolle nicht einmal mit auf Klassenfahrt, erzählen die Eltern über die Tochter. Denn sie kann nicht rechnen. Nicht einmal mit Geld könne sie umgehen. Gebe man ihr einen Schein oder Kleingeld, könne sie den Wert einfach nicht einschätzen. Das sei ihr peinlich, es isoliere sie. Deshalb soll das Kind eine Dyskalkulie-Therapie erhalten. Die aber hat der Landkreis Göttingen, Träger der Jugendhilfe, abgelehnt. Zu recht, wie das Verwaltungsgericht entschied.

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Was ist mehr? Wer mit 14 nicht mit Euro rechnen kann, ist blamiert, aber noch nicht isoliert.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Dabei war Hilfe schon einmal bewilligt. Vor sechs Jahren ging das Kind für 60 Stunden zur Therapeutin. Gebracht habe das nichts. Im Gegenteil. Die Eltern glauben, ihre Tochter sei therapiegeschädigt.

Dann lernte die Familie das Zentrum für Therapie der Rechenschwäche (ZTR) in Duderstadt kennen. Bei deren Leiterin, einer Fachtherapeutin aus Magdeburg, machte das Mädchen Fortschritte. Doch die Eltern können sich die Kosten nicht leisten. Sie beantragten die Übernahme aus Jugendhilfemitteln. Ohne Therapie sei die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft gefährdet.  Der Landkreis prüfte den Fall. Die Fachstelle Diagnostik legte einen Test für die Jahrgangsstufen zwei bis sechs vor, bei dem das Mädchen einigermaßen abschnitt. Sie war allerdings bereits in Klasse acht. Es wurde zudem ein Intelligenztest gemacht. Im Ergebnis führte beides zur Ablehnung der Therapie, denn die Rechenleistung lag keineswegs unter dem, was bei der festgestellten Intelligenz zu erwarten gewesen wäre.

Die Eltern klagten. Der Test sei falsch, weil zu einfach. Die Teilhabegefährdung, weil das Kind nicht mit Geld umgehen könne, sei nicht berücksichtigt.  Doch das Gericht fand, zur Diagnose sei der Test aus unteren Klassen nicht zu beanstanden. Die Richter hatten außerdem Berichte der Schule eingeholt. Die weisen aus: Das Mädchen ist integriert, hat Freunde, die helfen. Von einem Rückzug aus Sozialkontakten könne nicht gesprochen werden. Dass sie in der Woche zu Hause bleibe, dürfte sie mit einem Großteil Gleichaltriger gemein haben. Es könne also nicht von einer Teilhabegefährdung im Sinne des Gesetzes ausgegangen werden, heißt es im Urteil. Folglich gibt es für sie keinen Anspruch auf Übernahme der Dyskalkulietherapie. (AZ: 2A1006/13)

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