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"Ach, und sie sind die Frau vom Catering?"

Filmvorführung "Afro.Deutschland" "Ach, und sie sind die Frau vom Catering?"

"Ich will Barrieren einreißen", sagt die deutsche Journalistin Jana Pareigis. "Damit es nachfolgende Genrationen leichter haben." Der Film "Afro.Deutschland", den die afrodeutsche Journalistin gedreht hat, soll dazu beitragen. Am Sonnabend war der Film in Göttingen zu sehen.

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Die Journalistin Jana Pareigis.

Quelle: R

Göttingen. "Als Kind wollte ich immer weiß sein", sagt Pareigis, die in Hamburg aufgewachsen ist. Es sei immer anstrengend gewesen, wegen ihrer Hautfarbe »immer anders« zu sein. Oft sei sie Ziel von rassistischen Beleidigungen gewesen. "Auch heute noch werde ich gefragt, wo ich her komme. Als ob man nicht schwarz und deutsch zugleich sein kann", schildert Pareigis. 

"Rassismus ist viel mehr als rechte Gewalt", sagt sie und erzählt, wie sie etwa als Journalistin der Deutschen Welle zu einem Pressetermin erschien und dort mit den Worten begrüßt wurde: "Ach, und sie sind die Frau vom Catering?". Alltagsrassismus in Deutschland. Rassismus, der ihr auch in den sozialen Medien entgegenschlägt. "Verroht und hasserfüllt" seien viele Kommentare dort.

"Man muss darüber sprechen", sagt die Moderatorin des ZDF-Morgenmagazins. Das sei das wirksamste Mittel gegen Rassismus und Hass. Zum anderen spiegelten viele Berufsfelder nicht die deutsche Gesellschaft wider. Noch immer gebe es etwa viel zu wenig Lehrer oder auch Journalisten mit Migrationshintergrund.

Für Pareigis ist es erschreckend, dass in Deutschland heute wieder Diskussionen über Migration, Flüchtlinge und Ausländer geführt werden, von denen sie gedacht hatte, dass diese längst erledigt seien. »Deutschland ist ein Einwanderungsland. Migration gab und gibt es immer«, sagt sie. Dass Deutsche "weiß, blond und blauäugig" sind, habe nie gestimmt und sei ein Mythos. 

In ihrem Film lässt Pareigis Schwarze erzählen: Sie berichten, wie es ist, in Deutschland als Schwarzer zu leben. Pareigis lässt unter anderem den Rapper Samy Deluxe oder den Fußballer Gerald Asamoah zu Wort kommen.  Oder den 92-jährigen Autor und Schauspieler Theodor Wonja Michael, der viele Arten des Rassismus kennengelernt hat. In den 20er Jahren musste er im Baströckchen auf Völkerschauen auftreten, während des Nationalsozialismus war er dann Komparse für Filme, die die Kolonialzeit verherrlichten.

Pareigis zeigte dem Film während eines interkulturellen Festes, das der Verein Zukunfts-Werkstatt im Haus der Kulturen am Sonnabend unter dem Motto "Miteinander statt gegeneinander" organisiert hatte. Es war Teil der bundesweiten internationalen Wochen gegen Rassismus vom 13. bis 26. März. "Wir als Veranstalter sind froh, dass Jana Pareigis uns unterstützt und dass wir den Film zeigen durften", sagte Jawed Yazdani vom Verein Zukunfts-Werkstatt. 

Außer Speisen aus verschiedenen Ländern gab es am Sonnabend Musik und Kultur - etwa aus Syrien, Russland, Westafrika oder Lateinamerika. Die rund 50 Gäste hatten auch die Gelegenheit, zusammen mit der Aktionskünstlerin Carola Kühler einen Kulturstuhl zu gestalten.

Der Film »Afro.Deutschland« ist auf Phoenix zu sehen (So. 02.04.17, 23.15 Uhr, Mi. 05.04.17, 02.15 Uhr, und Sa. 08.04.17, 03.30 Uhr) und am Mittwoch, 5. April, um 12 Uhr auf ZDF Info.  Mehr Infos hier

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