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Jahrgang 1946: Seit 25 Jahren jeden Monat Klassentreffen

Schülerinnen der Herbertschule Jahrgang 1946: Seit 25 Jahren jeden Monat Klassentreffen

Es herrschte Ordnung: die Mädchen links, die Jungen rechts, das sogar auf dem Schulhof. Wer nicht parierte, bekam das Lineal auf die Finger oder gleich eine Ohrfeige, für die es, wenn man es wie Ursel Emme-Weiß zu Hause erzählte, noch elterlichen Nachschlag gab.

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Die „Kriegskinder“ aus der Göttinger Herbert-Volksschule.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Das Fräulein Handarbeitslehrerin hat ihnen das Handarbeiten so verleidet, dass sie es bis heute nicht mögen. Aber Englisch haben sie in der Herbertschule gelernt – damals, als die Besatzer englisch sprachen.

Das ist 60 bis 70 Jahre her. Aber die Schülerinnen der 1b des Jahrganges 1946, die nach der 8b von der Volksschule in die Lehre wechselten, erinnern sich noch gut. 60 Jahre später sitzen sie im Restaurant Onkel Toms Hütte und schauen nicht nur auf ihre Schulzeit im Nachkriegsdeutschland, sondern auch auf 25 Jahre Klassentreffen zurück. Das sind 300 Zusammenkünfte, denn die Herbertschülerinnen des Geburtsjahrgangs 39 treffen sich monatlich.

Sonst sind Klassentreffen oft Zusammenkünfte von Leuten, die einander nach zehn Jahren kaum wiedererkennen. Hier freuen sich die Frauen allmonatlich auf Treffen zum Kaffee, auch mal zum Essen, zum Musical- oder zum Weihnachtsmarktbesuch. Über Schule wird da nur noch gelegentlich gesprochen. Auch über Krankheit und Enkel ist die Redezeit nach leidigen Erfahrungen limitiert: höchstens zehn Minuten. Aber gefrotzelt wird schon mal: „Mein Mann freut sich, wenn ich wieder zum Klassentreffen gehe.“ „Der ist froh, wenn Du weg bist.“

Als sie eingeschult wurden, waren sie 39 Kinder. Die zwölf Mädchen von damals, die noch leben und in Göttingen geblieben sind, treffen sich alle noch. Eine lebt im Heim – da trifft man sich einmal im Jahr bei ihr. Wer mal fehlt, wird angerufen. Sogar ins Schularchiv der Bonifatiusschule II – der früheren Herbertschule – haben die „Kriegskinder“, wie sie sich nennen, es geschafft: 50 Jahre nach der Einschulung kamen sie mit selbstgebastelten Zuckertüten zum Tag der offenen Tür ihrer alten Volksschule.

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