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Islam Thema beim Ökumenischen Gesprächskreis Grone

Muslima Du'A Zeitun zu Gast Islam Thema beim Ökumenischen Gesprächskreis Grone

Von der Koranauslegung der Salafisten hält sie nichts. „Doch bei der Medienarbeit können wir von den Radikalen viel lernen“, meint die Muslima Du'A Zeitun. Die pädagogische Mitarbeiterin einer katholischen Bildungseinrichtung im Bistum Osnabrück versucht junge Menschen vor dem Abrutschen in die Dschihadisten-Szene zu bewahren. Gruppen wie der Islamische Staat erreichten die Jugendlichen dort, wo diese ihre Freizeit verbrächten, in sozialen Netzwerken. Zeitun sprach jetzt bei einer Veranstaltung des Ökumenischen Gesprächskreises Grone im Pfarrheim der katholischen Gemeinde St. Heinrich und Kunigunde.

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Du'A Zeitun

Quelle: Pförtner

Grone. Nicht nur an der deutschen Mehrheitsgesellschaft, auch an den traditionellen Moscheegemeinden laufe diese Entwicklung vorbei, betonte Zeitun vor 40 Zuhörern. Viele islamische Gemeinden erreichten die Einwandererkinder der zweiten, dritten und vierten Generation kaum. Die Imame sprächen vielfach nur schlecht Deutsch. Sie würden den Alltag und die Probleme der Jugendlichen nicht kennen. Wenn die jungen Menschen Fragen zum Islam hätten, suchten sie deshalb auf der Internetplattform Youtube nach Antworten. Dort seien aber fast ausschließlich Extremisten aktiv.

„Die Radikalen geben klare Antworten“, hat Zeitun beobachtet. Sie würden mutig, laut und provozierend auftreten, was jungen Menschen gefalle. Sie sprächen Ungerechtigkeiten an, machten auf Leid aufmerksam, dass Muslimen angetan werde. Ihre Antwort sei Gewalt. Entsprechende Passagen im Koran würden sie nicht im konkreten historischen Kontext verorten, sondern als immer gültige Aufforderungen zum Zuschlagen interpretieren.

„Als Feinde betrachten die Radikalen auch Muslime, die ihre Ansichten nicht teilen“, führt Zeitun aus. Sie würden in der Moschee nicht hinter einem gemäßigten Imam beten. Sie kämen in Privatwohnungen zusammen. Das erschwere staatlichen Organen die Beobachtung.

Dass die Extremisten Zulauf haben, liegt nach Einschätzung von Zeitun auch daran, dass sie die jungen Menschen ernst nehmen, ihnen das Gefühl geben, gebraucht zu werden. Migranten würden oft Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren, sagt sie.

„Wenn wir dem etwas entgegensetzen wollen, müssen wir selbst im Internet aktiv werden“, so die Muslima. Sie hat über Facebook zu 2000 Jugendlichen Kontakt geknüpft. Mit vielen hat sie sich persönlich getroffen. Als Frau habe sie mit den Jugendlichen keine Probleme. Sie sei selbst Tochter eines syrischen Einwanderers, also eine von ihnen.

Von Michael Caspar

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