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Jugendliche klagen über Wahlprogramme

Bereits 16-Jährige dürfen bei den Kommunalwahlen mitstimmen Jugendliche klagen über Wahlprogramme

Jugendräume, Internetzugang und Freizeitangebote, Busanbindung und Ausstattung der Schulen, aber auch die Integration von Flüchtlingen gehören zu den kommunalpolitischen Themen, die Jugendliche beschäftigen. Wer am Sonntag, 11. September, 16 Jahre und älter ist, darf mitwählen.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Göttingen. „Junge Menschen haben ihren eigenen Blick auf die Welt, in einer alternden Gesellschaft müssen ihre Stimme Gewicht bekommen“, betont Regina Meyer, die Demografie-Beauftragte des Landkreises Göttingen. „Jugendliche in Adelebsen und Güntersen klagen über schlechte Busverbindungen“, berichtet etwa Daniela Brill vom Adelebser Kinder- und Jugendbüro. Die Angst vor einem Erstarken der Rechten sei ein anderes Thema im Flecken.

Damit Protestwähler nicht so einen großen Einfluss bekommen, will der Göttinger Gymnasiast Mike Axmann (16) zur Wahl gehen. „Ich habe einen Vortrag in der Schule gehalten, bei dem ich die Kandidaten vorgestellt habe“, berichtet er dem Tageblatt vor dem Einkaufszentrum Carré. Er bevorzuge Parteien, „die nicht so konservativ und offen für neue Sachen“ seien.

„Treffpunkte und Freizeitangebote sind Dinge, die Jugendliche fordern“, berichtet der Dransfelder Jugendpfleger Rochus Winkler. In Dransfeld seien die Jugendlichen an der Gestaltung des Skaterplatzes im Kestenmühlenweg beteiligt worden und hätten dort selbst mit angefasst. Um den 200 Erstwählern der Samtgemeinde die Möglichkeit zu geben, sich über die Positionen der Parteien ein Bild zu machen und die Kandidaten kennenzulernen, richte er zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten Bettina Aue eine Infoveranstaltung aus.

In Hann. Münden gibt es am Donnerstag, 1. September, um 18 Uhr im Geschwister-Scholl-Haus, Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 2, eine solche Veranstaltung. Auf ein Eis, das der Landesjugendring spendiert, können sich die Erstwähler mit den Kommunalpolitikern austauschen, kündigt Martina Görtler vom Stadtjugendring an.

Es sei gar nicht so einfach, sich zu orientieren, klagt die Göttinger Realschülerin Julia Hagemann (17). Die Wahlprogramme finde sie „langweilig und verwirrend“. Sie habe „keine Ahnung, welche Parteien es gibt“. Auch Mitschüler Jonathan Grohs (16) empfindet es schwierig, da „durchzusteigen“. In der Schule würden die Kommunalwahlen zwar thematisiert, „aber zu wenig“.

Die Adelebser Jugendpflegerin Brill weiß aus Gesprächen, dass sich Jugendliche mit ihren Eltern und Freunden in der Schule über die Wahlen austauschen. Einige fragten an den Infoständen der Parteien nach. „Die Jugendlichen sind über das Internet und soziale Medien oft sehr gut über Themen informiert, die sie interessieren“, betont Marcus Lauter vom Landesjugendring in Hannover.

Wählen schon mit 14

„Wir fordern, dass Jugendliche bereits mit 14 Jahren wählen können“, sagt Marcus Lauter vom niedersächsischen Landesjugendring. In diesem Alter würden sie strafmündig. Niedersachsen sei 1996 das erste Bundesland gewesen, dass 16-Jährige zur Kommunalwahl zugelassen habe. Die rot-grüne Landesregierung wolle das nun auf die Landtagswahlen ausweiten.

Das manche Jugendliche Probleme haben, Wahlprogramme zu verstehen, akzeptiert Lauter nicht als Einwand. Auch Erwachsene täten sich mit den oft „sehr allgemein gehaltenen Ausführungen“ schwer. Einen Grund für die Politikverdrossenheit sieht Lauter darin, dass oft nicht klar sei, wofür eine Partei eigentlich stehe.

Die Demografiebeauftragte des Landkreises Göttingen, Regina Meyer, wünscht sich, dass bereits Kinder ein Mitspracherecht, etwa bei der Gestaltung von Spielplätzen, erhalten. Im Landkreis werde das oft bereits gemacht. Von Angeboten des Kinder- und Jugendbüros zur Partizipations- und Demokratieförderung berichtet Landkreissprecher Ulrich Lottmann. In der Stadt Göttingen gibt es 2016 rund 5500 Erstwähler. Der Landkreis kann die Zahl nicht nennen.

Caspar/Höppner

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