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Göttingen: Kosmetikseminar für Krebspatientinnen

Make-up für die Seele Göttingen: Kosmetikseminar für Krebspatientinnen

Eine Krebstherapie hat oft Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Patienten. Bei vielen fallen die Haare aus, die Haut verändert sich, das Gesicht wirkt fremd. Diese Veränderungen belasten die Patienten. Der Göttinger Verein Horizonte will betroffene Frauen mit einem Kosmetikseminar unterstützen.

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Quelle: Wenzel

Göttingen. Tuben, Tiegelchen und Cremes  türmen sich auf dem großen Tisch im Seminarraum des Gesundheitsamts. Und natürlich jede Menge Schminkutensilien: Makeup, Kajal, Wimperntusche liegen bunt gemischt zwischen Lidschatten und Lippenstiften. Und zwischendurch wird immer wieder mit Thermalwasser gesprüht. Das erfrische nicht nur, sondern befestige auch das Make-up, erklärt Kursleiterin Iris Schmidt von DKMS Life, Tochtergesellschaft der Deutschen Knochenmarkspenderdatei.

Die Frauen, die sich an diesem Nachmittag Schminktipps geben lassen, haben Krebs. Die Chemo-Therapien haben ihnen zugesetzt, die Haut hat sich bei vielen verändert. Sie ist schuppiger und trockener geworden, ist teilweise gerötet. Auch die Gesichtsfarbe wirkt bei vielen blasser und fahler.

160426-goe-kosmetik-HW; Seminar in kosmetischer Behandlung für Krebspatientinnen im gesundheitsamt Göttingen; HW

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In dieser Situation komme es darauf an, sich einfach mal etwas Gutes zu tun, erklärt Andrea Schmidt-Schweda vom Verein Horizonte. Der Verein unterstützt Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind. Bei dem Angbaot des Vereins geht es auch darum, „dass man sich einfach wieder schön findet“, ergänzt Iris Schmidt. Dann gebe es auch Komplimente und die Frauen würden wieder ausgehen wollen. Das alles sei eine Massage für die Seele.

Viele Frauen müssten auch damit umgehen, plötzlich keine Augenbrauen und Wimpern mehr zu haben. Dadurch fehlten Konturen im Gesicht.  Wimpern und Brauen fallen oft mit den Haaren aus. Fast alle Teilnehmerinnen tragen bereits bunte Kopftücher. Schmidt zeigt, wie sich die Augenbrauen mit einer Dreipunkttechnik aufmalen lassen und gibt Tipps für den Gebrauch von Augenbrauenschablonen.  

Doch statt Trübsal zu blasen, wird getupft, gepudert, gemalt und vor allem viel gelacht. An diesem Nachmittag verschwinden Schlupflider, und der Teint wirkt frisch. Ein Effekt soll laut Schmidt noch lange nachwirken: Das leichte Tages-Make-up lässt die Frauen nicht nur von außen, sondern auch von innen wieder strahlen.

„Ich lass nicht zu, dass es mich runterzieht“: Gabriele Meyer und Renata Hahnke kämpfen gegen den Krebs

Die Diagnose kam vollkommen unerwartet. Als Gabriele Meyer aus Göttingen zufällig erfuhr, dass sie an Krebs erkrankt ist, brach für sie eine Welt zusammen. Das war am 18. März. Nach kurzer Zeit berappelte sich die 63-Jährige. Sie gab dem Krebs einen Namen und kämpft seitdem energisch gegen „das Biest“, wie sie ihn bezeichnet.

Meyer ist voller Energie und Optimismus. Sie lobt bei ihren Sitznachbarinnen gelungene Lidstriche und passende Lippenstiftfarben und erzählt von ihrer neuen Kurzhaarperücke. Die hat sie sich am Vortag gekauft. Ein gepflegtes Äußeres ist ihr wichtig: „Für mich gehört Schminken dazu wie Zähneputzen“, erklärt sie lachend.

Die Krebstherapie verträgt sie gut. Nach der ersten Chemo fühlte sie sich gleich wohler, auch die Leberwerte haben sich seitdem verbessert. „Am 12. Mai wollen wir mit dem Wohnwagen an den Rhein fahren“, erzählt Meyer. Wir, das sind sie und ihr Mann, der sie bei allem unterstützt und den sie nach 40 Jahren Ehe vor zwei Jahren einfach noch einmal geheiratet hat. Dem Krebs hat sie den Kampf angesagt. „Ich lass nicht zu, dass es mich runterzieht“, sagt Meyer.

Renata Hahnke war schon einmal in einem Kosmetikseminar für Krebspatientinnen. Das war vor drei Jahren. Jetzt ist der Krebs wieder bei ihr ausgebrochen. Der 38-jährigen Adelebserin ist der Umgang mit Make-up durchaus vertraut, trotzdem werfen die Folgen der Chemotherapie immer wieder neue Fragen auf.

„Die Haut ist trockener als sonst, und nach der Chemo bekomme ich Ausschläge“, erzählt Hahnke. Außerdem seien ein paar Tipps von der Expertin immer zu gebrauchen. Die erste Diagnose war für sie ein Schock, erst mit der Zeit wurde sie gelassener. „Man muss das so hinnehmen und abwarten“, sagt Hahnke, und ist sich sicher: „Irgendwann geht es wieder.“  

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