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„Chapeau Göttingen“

Neujahrsempfang vom Dekanatspastoralrat „Chapeau Göttingen“

Am Neujahrsempfang des Dekanatspastoralrates in Göttingen warb Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler für die Pflege des europäischen Gedankens. Die Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Eva Tichauer Moritz fand lobende Worte für Göttingens Haltung gegenüber faschistischen Strömungen.

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Als Vertreterinnen der beiden jüdischen Gemeinden Göttingens sprach Eva Tichauer Moritz.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Wigbert Schwarze, Dechant und Pfarrer der Gemeinde St. Godehard in Göttingen, war am Sonntag Gastgeber für eine ganze Reihe von prominenten Gästen. Neben Vertretern aus Politik und Wirtschaft waren Eva Tichauer Moritz, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen, Göttingens Superintendent Friedrich Selter sowie Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler zu Gast am Neujahrsempfang des Dekanatspastoralrates in der Kirche St. Heinrich und Kunigunde.

„500 Jahre Reformation ist auch ein Thema für die katholischen Gläubigen und hat deshalb auch seinen Platz beim diesem Neujahrsempfang“, sagte Corinna Morys-Wortmann, Vorsitzende Dekanatspastoralrates. Gelebte Ökumene sei aber nicht auf die katholische und evangelische Kirche beschränkt. Aus diesem Grund freute sich Morys-Wortmann über die Anwesenheit von Frau Eva Tichauer Moritz als Vertreterin der jüdischen Gemeinden. Leider fehlten der Vertreter der islamischen Gemeinde, die sich für den Anlass eigentlich angemeldet hatten.

Optimistisch und dennoch nachdenklich zeigte sich Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler in seiner Ansprache „Weder im Blick zurück oder nach vorne muss man die Entwicklung Göttingens negativ sehen“, so Köhler. Man könne vielmehr auf dem Optimismus des vergangen Jahres aufbauen. „Diese Stadt hat allen faschistischen und neofaschistischen und Umtrieben eindrucksvoll Einhalt geboten und auch 2016 gezeigt wie bunt, wie vielfältig, wie offen und international Göttingen ist“, sagte Köhler.

Selbst unter dem Eindruck schrecklicher Terrorakte verfalle die Stadt nicht in Hass und Hysterie. „Wir stehen aus voller Überzeugung zu den Grundwerten unserer freien, liberalen und demokratischen Gesellschaft“, sagte Köhler. Die Hilfsbereitschaft gegenüber den wegen Krieg und Verfolgung geflüchteten Menschen sei ungebrochen. Nachdenkliche Worte fand Köhler jedoch zu politischen den Entwicklungen in Europa. Wo Gemeinschaft und Solidarität gefragt seien, machten sich nationalstaatliche Egoismen breit. „Dieses Europa macht es schwer sich wie ein Europäer zu fühlen“, so Köhler. Immerhin sei Europa eines der größten Friedensprojekt in Zentraleuropa, welches heute leichtfertig in Frage gestellt werde. Köhler rief daher auf, die Verantwortung für den europäischen Gedanken wieder zu leben und den Glauben daran erneut bei den Menschen zu verankern.

Lobende aber auch mahnende Worte fand die Vertreterin beider Jüdischen Gemeinden Göttingens Eva Tichauer Moritz. „Wir leben in einer besorgniserregenden Zeit, in der Populismus und Antisemitismus wieder salonfähig werden“, sagte sie. Alle Hemmungen verschwinden markant. Eine positive Seite, die man nicht unerwähnt lasse dürfe sei die Reaktion der Bürger der Stadt Göttingen gegenüber dem immer wiederkehrenden Besuchen von Mitglieder des rechtsradikalen Freundeskreises Thüringen-Niedersachen (FKTN). „Da kann man nur sagen Chapeau, Hut ab“, sagte Tichauer Moritz. Sie riet den Anwesenden in Zukunft wachsam zu sein, gegenüber den künftigen Entwicklungen, damit sich Geschichte nicht wiederhole. „Achten Sie auf das was kommt“, so Tichauer Moritz.

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