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Göttingen, Northeim und Osterode bei Ärzteversorgung gut aufgestellt

„Der Landkreis ist gut versorgt“ Göttingen, Northeim und Osterode bei Ärzteversorgung gut aufgestellt

Als erste niedersächsische Großstadt befürchtet Wolfsburg einen Mangel an Fachärzten. Für Südniedersachsen gibt Harald Jeschonnek, Geschäftsführer der Bezirksstelle Göttingen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Entwarnung: „Der Landkreis ist gut versorgt.“

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Quelle: GT

Göttingen. Dies belegen Daten, die die KVN für das vergangene Jahr erhoben hat. Demnach liegt die Hausarztversorgung in Duderstadt bei 110 Prozent, in der Samtgemeinde Radolfshausen bei 160 Prozent. Allein in der Samtgemeinde Gieboldehausen ist der Versorgungsgrad, also die Anzahl der Ärzte pro Einwohner, nicht zu 100 Prozent erreicht. Sie liegt bei 96 Prozent. Grund zur Sorge gebe es deshalb nicht: Erst bei 75 Prozent sei von einer Unterversorgung die Rede.

Auch hinsichtlich der Nachbesetzungen frei werdender Praxen sei Südniedersachsen weit von Wolfsburger Verhältnissen entfernt. In den kommenden fünf Jahren würden neun Ärzte im Bereich des Untereichsfeldes gesucht, etwa ebenso viele für die Stadt Göttingen. Dort liege der aktuelle Versorgungsgrad bei 130 Prozent.  Im Göttinger Umland sei die Versorgung ähnlich wie im Eichsfeld gewährleistet, wobei es in Friedland und Bovenden eine etwas geringere Versorgung gebe, die aber durch die Nähe zu Göttingen abgefedert werde, so Jeschonnek. Auch zukünftig erwarte er, dass es wegen der engen Verbindung zwischen dem ländlichen Raum und der Großstadt weiterhin angenehme Arbeitsbedingungen für Ärzte gebe.

In den stadtnahen Gemeinden freilich fühlt man sich keineswegs unterversorgt. Lutz Kiefer, Erster Gemeinderat in Bovenden, sagt: „Wir fühlen uns eigentlich gut versorgt, auch wegen der Nähe zu Göttingen.“ Fünf Allgemeinmediziner bei knapp 14 000 Einwohnern sind aktiv in Bovenden. „Was uns fehlt, ist ein Augenarzt, aber da werden wir mit Göttingen zusammengerechnet“, so Kiefer. In Rosdorf würde sich Bürgermeister Sören Steinberg (SPD) noch einen Orthopäden wünschen. Mit fünf Allgemeinmedizinern, drei Augenärzten, Zahnärzten, zwei Kinder- und einer Frauenärztin sei die Mediziner-Dichte sogar sehr hoch.

In Friedland, so rechnet Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) vor, dürften fünf Allgemeinmediziner „ja wohl reichen“. Die Gemeinde hat gut 7600 Einwohner. Davon muss man die Bewohner des Grenzdurchgangslagers, die ihre eigene ärztliche Versorgung haben, noch abziehen. „Danach sind wir in Friedland also gut versorgt“, sagt Friedrichs.

„Wir sind mit Hausärzten gut ausgestattet“, sagt Gerald Wucherpfennig, Kämmerer und stellvertretender Bürgermeister des Fleckens Adelebsen. Kritik von Bürgern an einer vermeintlichen Unterversorgung habe es zumindest in der jüngsten Zeit nicht gegeben.  „Wir sind derzeit mit Hausärzten ganz gut versorgt. Wir können zufrieden sein“, sagt auch Gleichens Bürgermeister Manfred Kuhlmann (SPD). Fünf Hausärzte gebe es derzeit in der Gemeinde.

Die aktuelle Versorgung mit Hausärzten in der Samtgemeinde Dransfeld bezeichnet deren Bürgermeister Mathias Eilers (SPD) derzeit als gut. Käme es in zehn bis 15 Jahren zu Nachfolgeproblemen, so Eilers, „wäre dies in der Tat ein großes Problem für unsere Region“. Dann müssten alternative Modelle in der Ärzteversorgung gesucht werden. Von derzeit vier niedergelassenen Hausärzten gebe es in Staufenberg voraussichtlich in den nächsten zwei bis vier Jahren bei zwei Praxen Nachfolgeprobleme. „Dies betrifft zwei Ortsteile“, sagt Staufenbergs Bürgermeister Bernd Grebenstein (parteilos). Hier müsse nach Lösungsmöglichkeiten gesucht werden. Die medizinische Versorgung in Landwehrhagen als Grundzentrum sei durch eine moderne Gemeinschaftspraxis auf Dauer sichergestellt.

Der Bedarf an Hausärzten steige bei zunehmend älterer Bevölkerung – „auch Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen möchten ihren Hausarzt“, so Harald Wegener (BFMü), Bürgermeister der Stadt Hann. Münden. „Es kommen kontinuierlich junge Ärzte in die Krankenhäuser in Hann. Münden, um hier eine Aus- oder Weiterbildung zu machen und hier zu arbeiten,“ sagt er. Diesen könne die Stadt durch entsprechende Rahmenbedingungen den Wohn- und Arbeitsort auch für eine spätere Niederlassung schmackhaft machen, meint er. Als „befriedigend“ bezeichnet Manfred Eilts, Sprecher der Kreisstelle Osterode der Kassenärztlichen Vereinigung, die ärztliche Versorgung im Kreis Osterode. Eine „ausgeprägte Mangelversorgung“ sieht er nicht. Osterodes Erster Kreisrat, Gero Geißlreiter (CDU), sieht aber Handlungsbedarf: „Eine Frage, die wir angehen müssen.“ Hoffnung setzt er in den Südniedersachsenplan, der eine Stärkung des ländlichen Raumes vorsehe. Bislang sei es gelungen, so Eilts, bis auf zwei Ausnahmen, alle frei werdenden Praxen wieder zu besetzen. Die Bildung von Gemeinschaftspraxen,  Praxisgemeinschaften oder medizinischen Versorgungszentren habe dazu beigetragen. Im Kreis Osterode, so erläutert Eilts, sind rund 40 Prozent der Ärzte älter als 50 Jahre. Daher könnte es in zwölf bis 15 Jahren mit der ärztlichen Versorgung „schwierig“ werden. Eine „interessante Konstellation“ sei es, wenn junge Ärzte in eine Praxis einsteigen und diese mit den älteren Kollegen führten. Junge Kollegen würden heute das finanzielle Risiko einer Praxisübernahme scheuen. Nach der Bedarfsplanung in der vertragsärztlichen Versorgung weist der Planungsbereich Osterode bei Hausärzten einen Versorgungsgrad von 105 Prozent auf. Eine Zulassungsbeschränkung besteht derzeit nicht.Anders im Planungsbereich Northeim: Hier besteht bei einem Versorgungsgrad von 126,7 Prozent bei Hausärzten eine Zulassungsbeschränkung.

Von Nadine Eckermann, Jürgen Gückel, Andreas Fuhrmann, Michael Brakemeier und Britta Eichner-Ramm

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