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Für eine "gepflegte 45-Stunden-Woche"

Restaurant Gauss schließt Ende November Für eine "gepflegte 45-Stunden-Woche"

Es war eines der ersten Gourmetrestaurants in der Stadt Göttingen, eines, das bereits kurz nach dem Start im Guide Michelin und Gault Millau geführt wurde: das Gauss. Ende des Jahres ist damit Schluss. Jacqueline Amirfallah und ihr Mann Wolfgang Nisch schließen ihr Kellerrestaurant Ende November - nach 20 Jahren.

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Jacqueline Amirfallah

Quelle: Archiv

Göttingen. "Eine gepflegte 45-Stunden Woche", wünscht sich die Fernsehköchin. Dazu passt der Restaurantbetrieb nicht. Aber das Ende des Gauss' bedeutet nicht das Ende ihrer Arbeit in Göttingen. Seit einigen Jahren betreibt das Ehepaar auch die Gastronomie des Apex und das wird auch so bleiben. Auch ihre Arbeit als TV-Köchin setzt Amirfallah fort. "Es war schon sehr, sehr viel Arbeit", sagt Amirfallah. Fast jeden Abend, an dem das Gauss geöffnet hatte, stand sie selbst in der Küche. Die über all die Jahre stets mit 16 Gault Millau Punkten ausgezeichnete Küche ist aufwändig. Das Niveau zu halten ebenso.

Am 5. Januar 1998 bewirtete das Paar zum ersten Mal Gäste an der Theaterstraße. "Am 3. Januar stand ich noch in Düsseldorf im Schiffchen am Herd", erinnert sich Amirfallah. Das Kochen dort und auf drei-Sterne-Niveau hat ihre Küche im Gauss beeinflusst. Dennoch sagt sie, dass es nicht Sterne und Punkte sind, die ihr etwas bedeuten. "Die Gäste vor allem die Stammgäste, die immer wieder Freude an unserem Restaurant haben, die sind es, die zählen." Als Beispiel nennt sie eine Seniorin, die nahezu von Anbeginn an einmal in der Woche in ihrem Restaurant isst.

Das Restaurant zu schließen, das sei natürlich traurig. "Ich werde am letzten Abend heulen wie ein Schlosshund". Viele schöne Erinnerungen hängen an dem Keller. "Beispielsweise an den Abend, als Manfred Eigen und Erwin Neher mit einigen anderen Herren zu Gast waren", sagt Amirfallah. Was sie dann erfuhr: Es saßen gleich sechs Nobelpreisträger an diesem Tisch.

Dennoch: "Ich freue mich auch auf das Neue", sagt Gauss-Gastgeber Nisch, als echter Norddeutscher etwas weniger emotional veranlagt als seine Frau, die iranische Wurzeln hat. Der Pachtvertrag des Gauss-Kellers läuft Ende November aus und eine neue, jahrelange Verlängerung wollte das Paar nicht mehr eingehen. Beide sind 57 Jahre alt und hoffen, jetzt vielleicht auch einmal Freizeit und nicht nur Arbeitszeit miteinander - oder auch mal ohne einander - verbringen zu können. Das Personal aus dem Gauss zieht komplett ins Apex um, "alle unsere Mitarbeiter bleiben an Bord", sagt Amirfallah. Amirfallah und Nisch lieben es, auch in der Freizeit bei Kollegen einzukehren.. Und auch gemeinsam mit dem Personal wird die Trinkgeldkasse in Gourmetrestaurants ausgegeben.

Die Leidenschaft für gutes Essen, hochwertige, regionale Produkte und den kreativen, verantwortungsvollen Umgang damit prägt die Küche das Gauss. "Vielleicht können wir ja im Apex auch etwas mehr machen", sagt Nisch, ein paar neue Weine, vielleicht mal ein Menü-Abend. Und Amirfallah fügt hinzu: "Uns Köchen juckt es  natürlich schon in den Fingern". Am Kneipen-Konzept werde sich aber nichts ändern.

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