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Göttingen: Sexueller Übergriff nach elf Jahren endgültig aufgeklärt

Falscher und echter Täter Göttingen: Sexueller Übergriff nach elf Jahren endgültig aufgeklärt

Elf Jahre nach der Tat hat jetzt das Landgericht einen 34-jährigen Mann wegen versuchter sexueller Nötigung schuldig gesprochen. Zuvor war ein anderer, ein gänzlich Unschuldiger, für den Überfall im August 2003 auf dem Göttinger Campus verurteilt worden.

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Quelle: dpa

Göttingen. Die endgültige Aufklärung der Tat ist einer anderen Straftat zu verdanken.

Der damals zunächst in zwei Instanzen Verurteilte, später aber Freigesprochene hatte im Juni 2013 seinem damaligen Ankläger beleidigende und bedrohende E-Mails geschickt. Daraufhin nahm sich die Polizei den Fall noch einmal vor. Denn der Urheber der Mails erklärte, den wahren Täter zu kennen – ein früherer Mithäftling habe ihm berichtet, dass ein anderer Mann in einer iranischen Gemeinde in Göttingen sich zu der Tat bekannt habe.

Der neue Verdächtige, der die Tat zunächst bestritt, gab eine DNA-Probe ab – ob in der Hoffnung, nach so langer Zeit werde sich nichts mehr nachweisen lassen, oder aus Unwissenheit über das DNA-Verfahren, ist ungewiss. Aber: Ein Vergleich mit Spuren auf Hemd und Hose des Opfers ergab Übereinstimmung. Die Folge: eine Anklage gegen den im Irak geborenen Kurden, der dem falschen Täter sehr ähnlich sah.

„Lust auf diese Frau“

Für August-Wilhelm Mahrahrens, Vorsitzender Richter in der Verhandlung am Mittwoch, „ein höchst ungewöhnlicher Fall“. Der 34-Jährige legte ein volles Geständnis ab. Ja, er habe am frühen Morgen des 14. August 2003 nach einem Discobesuch die damals 23-jährige Radfahrerin verfolgt, ihr am Zentralen Hörsaalgebäude in den Lenker gegriffen, sie gegen eine Wand gedrückt und ihr Hose und Slip heruntergezogen.

Von einer Vergewaltigung habe er nur abgelassen, weil die Frau laut um Hilfe schrie und ein Mann herbeieilte. Danach sei er geflüchtet, erklärte der Angeklagte. Er habe einfach „Lust auf diese Frau“ gehabt. Sein Anwalt argumentierte kulturrelativistisch: In der „sehr archaischen Welt“ der Heimat des Mannes gälten nur Frauen mit Kopftuch und Schleier als ehrbar.

Ungleich schwerer wiegt der Überfall in der Sicht des Opfers. „Diese Tat wird mich für immer begleiten“, heißt es in einer Erklärung der Frau, die ihre Anwältin verlas. Sie habe Todesangst gehabt und leide heute noch unter dem Übergriff.
21 Monate Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung, lautete das Urteil.

Milde auch deswegen, weil weitere Straftaten wie sexueller Missbrauch von Kindern und Freiheitsberaubung erst später begangen wurden und der Mann zum Tatzeitpunkt damit unbelastet war.

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