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Göttingen: Stadt der Radfahrer

Anteil von 28 Prozent Göttingen: Stadt der Radfahrer

Göttingen festigt seinen Ruf als Fahrrad-Stadt. Die Fahrradfahrer haben in der Universitätsstadt einen Anteil von 28 Prozent am Verkehrsaufkommen, so eine vorläufige Auswertung der Haushaltsbefragung von 2008 zum Mobilitätsverhalten. Zum Vergleich: Bundesweit werden rund neun Prozent der Wege mit dem Rad zurückgelegt.

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Kaum Bedarf an Leihfarrädern in der Leinestadt: Die meisten Göttinger haben ein eigenes Fahrrad.

Quelle: Heller

Kristin Lorenz vom Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung stellte die vorläufigen Hochrechnungen aus der Haushaltsbefragung unlängst im Bauausschuss vor. Die Gesamtauswertung erfolge erst in den nächsten Wochen.

Der Fahrradanteil in Deutschland beträgt neun Prozent (die Daten stammen aus dem Jahr 2002). Aktuelle Statistiken aus der Erhebung im Jahr 2008 sollen in Kürze vorliegen. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat indes beim ersten nationalen Radverkehrskongress in Berlin im Mai bereits festgestellt: „Die Zahl der Fahrradfahrten ist seit 2002 um zehn Prozent auf rund 28 Millionen täglich angestiegen.“ Der Fahrradanteil am Verkehrsaufkommen beträgt in Dänemark sogar 18 und in den Niederlanden 27 Prozent.
Auch in Göttingen spielt der Radverkehr eine wichtige Rolle. Im Durchschnitt besitze jeder Haushalt zwei Räder, so Lorenz. Oder anders ausgedrückt: „jede Person ab sechs Jahren besitzt durchschnittlich 0,95 Räder.“ Allerdings besitze nicht jeder Göttinger Haushalt ein oder mehrere Räder, betont Lorenz. Auf Bundesebene besitzen 80 Prozent der Menschen ein Fahrrad. Das sind etwa 73 Millionen Räder, so ist einer Information des Bundesverkehrsministeriums zu entnehmen.

Hoher Standard

Als Grund für den hohen Radverkehrsanteil in Göttingen führt Lorenz den „überproportional hohen Anteil junger Menschen“ und den „relativ hohen Standard unserer Radverkehrsanlagen“ an. Die kostenlose Fahrradmitnahme in Stadtbussen komme beispielsweise gut an: Die Nachfrage stieg von 11000 Fahrradmitnahmen im Jahr 2006 auf 32400 im vergangenen Jahr.
Die hohe Fahrraddichte in Göttingen ist denn auch eines der Argumente, die gegen hohe Investitionen in ein öffentliches Fahrradleihsystem sprechen. „Das ist für Pendler oder Studenten keine Alternative, sondern nur etwas für Gelegenheitsnutzer“, hieß es im Ausschuss, als dort der Antrag der CDU-Ratsfraktion zur Einführung eines Fahrradleihsystems beraten wurde. Modelle wie etwa „Next Bike“ – zurzeit in 20 deutschen Städten – oder „Call a bike“ der Bahn-Tochter DB Rent – unter anderem in Berlin, Frankfurt oder München – seien für Göttingen nicht geeignet.

Hoher Aufwand

Auf eine Beteiligung Göttingens am Modellversuch „innovative öffentliche Fahrradleihsysteme“ des Bundesverkehrsministeriums zielte ein Antrag der SPD-Fraktion. Doch auch hier bremste die Verwaltungsmitarbeiterin. Der Aufwand für eine Beteiligung sei viel zu hoch, zumal es keine Aussagen über mögliche Finanzierung oder Effekte gebe. Somit waren beide Anträge vom Tisch. Einstimmigkeit herrschte im Ausschuss schließlich darüber, dass die Verwaltung die sogenannte „Fahrrad-Charta von Brüssel“ unterzeichnen soll. Damit gehen die Unterzeichnerstädte eine Selbstverpflichtung unter anderem zur Steigerung des Radverkehrsanteils bis zum Jahr 2020 auf mindestens 15 Prozent ein. Einige Punkte, die auf der Charta genannt werden, würden in Göttingen bereits verfolgt.

Von Britta Eichner-Ramm

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