Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Göttingen: Student beklaut Studentenwerk

Bewährungsstrafe für gewerbsmäßigen Diebstahl Göttingen: Student beklaut Studentenwerk

...drei, zwei, eins – meins! Und das gleich doppelt. Was der Strohmann des Studentenwerkes im September 2013 für 40 Euro auf der Auktionsplattform Ebay ersteigert hat, gehörte dem Studentenwerk schon längst. Es war nur gestohlen und bei Ebay zu Geld gemacht worden. Durch den Zuschlag in der Auktion erfuhr der clevere Wohnheim-Manager, der sich den Rückkauf der Beute hatte einfallen lassen, wer Verkäufer des geklauten W-Lan-Routers war – und damit, wer das Studentenwerk seit Dezember 2012 serienweise bestiehlt.

Voriger Artikel
Trittin begrüßt die Initiative der Freifunker in Göttingen
Nächster Artikel
Parteikonto der Göttinger AfD geplündert

Tatort Studentenwohnheime Rosenbachstraße: Hier verschwanden mehr als 40 W-Lan-Router und Rauchmelder.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Am Donnerstag wurde der Dieb und Ebay-Betrüger dafür verurteilt. Das Amtsgericht maß ihm eine milde Strafe von einem Jahr und drei Monaten zu, die auf Bewährung ausgesetzt wird. 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit muss der 23 Jahre alte Student der Volkswirtschaftslehre in den Semesterferien ableisten. Er hatte ein Geständnis abgelegt und überweist schon jetzt monatlich 50 Euro als Schadenswiedergutmachung. Das wurde ihm positiv ausgelegt.

Das Studentenwerk selbst, behauptete der 23-Jährige, habe ihn auf die Idee gebracht, sich zu seinen knappen 600 Euro von Mutter und Bafög ein Zubrot zu verdienen. Per Mail seien die Bewohner darauf aufmerksam gemacht worden, dass drei gerade beschaffte Fernsehgeräte in den Aufenthaltsräumen der Wohnheime Rosenbachstraße gestohlen waren. Da habe auch er zugegriffen; zunächst stahl er einen Receiver. Als sich wochenlang nichts rührte, habe er diesen bei Ebay versteigert. Als nächstes waren 16 W-Lan-Router im Wert von 1600 Euro dran. Für 35 bis 46 Euro je Stück erging bei Ebay der Zuschlag. Die gefoppten Käufer freilich mussten alle Geräte wieder rausrücken, nachdem der Dieb ermittelt war. Ebenso erging es denen, die Rauchmelder kauften, die der Dieb aus der Wohnheimdecke schraubte. Die Geräte waren nicht einmal vollständig, weil sie zu einer zentralen Rauchmeldeanlage gehörten.

Für sieben Diebstähle und neun Betrugsfälle wurde der Student verurteilt. Die Taten in einem benachbarten Wohnheim im Christophorusweg bestritt er, obwohl eines dieser Geräte nachweislich von ihm verkauft wurde. Ebenso bestritt er den ebenfalls angeklagten Diebstahl der EC-Karte seiner Freundin, der Geldbörse einer Mitstudentin und eines Briefes mit EC-Pin eines Mitbewohners. Diese Taten wurden vorläufig eingestellt.

Beutezug durchs Heim

Längst nicht alle Taten, die zur Diebstahlsserie von 2013 gehörten, sind erwiesen und angeklagt worden. Damals, so ein Zeuge, den das Gericht aber gar nicht hören wollte, seien mehr als 40 frisch installierte W-Lan-Router verschwunden. An manchen Tagen seien in den Wohnheimen mehr demontiert worden, als die Techniker installieren konnten. Die Folgen für die Bewohner wurden bei Gericht gar nicht thematisiert. Ganz abgeschnitten vom Internet waren die Studierenden freilich nicht, weil alle Zimmer damals auch noch Kabelanschluss hatten. Viel schlimmer hätten die Folgen durch gestohlene Rauchmelder sein können, wenn es tatsächlich gebrannt hätte. Darauf machte immerhin ein Schöffe aufmerksam. Die Tatserie des jetzt verurteilten Diebes, so Jens Vinnen, Leiter studentisches Wohnen, sei allerdings ein Einzelfall geblieben. ck

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Weihnachtsdeko in Göttingen und Umgebung