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Tierschutzgesetz: „Segensreiche Geschichte“

Thema des Tages Tierschutzgesetz: „Segensreiche Geschichte“

Seit Sommer 2014 ist das neue Tierschutzgesetz in Kraft. Demnach müssen Hundetrainer und andere Menschen, die mit Tieren arbeiten, eine behördliche Erlaubnis haben. 14 zugelassene Hundeprofis gibt es bisher im Landkreis Göttingen. Das sagen Fachleute zu der neuen Regel.

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Hundetrainer seit fast 20 Jahren: Chris Goette aus Göttingen mit seiner Mischlingshündin Sally.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Hundetrainer, Tierheime, Organisationen des Auslandstierschutzes und andere, die mit Tieren umgehen, unterliegen seit dem vergangenen Jahr der sogenannten Erlaubnispflicht: Durch Nachweis ihrer Sachkunde müssen sie sich ihre Tätigkeit vom zuständigen Veterinäramt genehmigen lassen. „Ein großer Vorteil für Hundehalter“, meint Chris Goette,   Hundetrainer aus Göttingen. „Das schiebt der illegalen Einfuhr von Haustieren einen Riegel vor“, glaubt Carola Staege, Vorsitzende des Vereins Aktiv für Hunde in Not.

Goette hatte keine Probleme, gegenüber dem Veterinäramt fachliche Kompetenz nachzuweisen. Zum einen „mache ich das schon seit fast 20 Jahren“, sagt der 48-Jährige. Zum anderen gehörte er vor zwei Jahren zu den ersten Hundetrainern und Tierärzten der Region, die sich einer Prüfung durch die  Tierärztekammer Niedersachsen stellten – um mit diesem Zertifikat wiederum Menschen zu prüfen, die nach dem neuen Niedersächsischen Hundegesetz ihre eigene Sachkunde nachweisen müssen.

Gleich nach Inkrafttreten des veränderten Tierschutzgesetzes legte Goette beim Veterinäramt für Stadt und Landkreis Göttingen Zertifikat, Führungszeugnis und andere erbetene Schriftsätze vor: „Davon hing schließlich meine Existenz und die zweier Mitarbeiterinnen ab.“ Die behördliche Genehmigung sei „sehr schnell vonstatten gegangen“, sagt der Göttinger Hundetrainer, der seine zwei und vierbeinigen Kunden unter anderem auf einem Hundeplatz am Rand von Bovenden unterrichtet.

Im Gespräch mit Trainern aus anderen Regionen Deutschlands habe er jedoch mitbekommen, dass der Sachkundenachweis nicht allerorten problemlos sei, „da soll teilweise ein Wahnsinns-Bürokratieaufwand betrieben werden“, erzählt Goette. Mit der Gesetzgebung selbst ist er mehr als einverstanden: „Vor Inkrafttreten konnte jeder, der schon einmal ein Hundebuch gelesen hat, eine Hundeschule aufmachen.“ So etwas durch die sogenannte Erlaubnispflicht  künftig zu verhindern, sei eine „segensreiche Geschichte“.

Die Erlaubnispflicht gilt auch für Tierheime und Organisationen des Auslandstierschutzes sowie gewerbliche Pflegestellen für Hunde. Vierbeiner aus Kroatien vermittelt etwa der Verein Aktiv für Hunde in Not. Als gute Ergänzung empfindet die Vereinsvorsitzende Carola Staege aus Harste den überarbeiteten Paragraphen 11. Sie hofft, dass die Genehmigungsauflage künftig  die illegale Einfuhr von Haustieren aus dem Ausland stoppt.  Auch ihr Verein hat gegenüber dem Veterinäramt bereits erfolgreich die Sachkunde der Verantwortlichen unter Beweis gestellt. Die für den Verein arbeitenden Pflegestellen sind von der Erlaubnispflicht ausgenommen: „Unsere Pflegestellen vermitteln die Tiere nicht selbst, und sie bekommen auch kein Geld dafür.“ 

Gesetzestext: Genehmigung notwendig

Seit dem 1. August 2014 ist das neue Tierschutzgesetz in Kraft. Demnach müssen Hundetrainer, Hundeschulen und Tierhändler eine behördliche Erlaubnis haben, um ihre Tätigkeit ausüben zu dürfen. Im Gesetz heißt es: „Wer gewerbsmäßig Hunde ausbilden oder die Ausbildung der Hunde durch den Tierhalter anleiten will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde.“ Hintergund ist, dass Hundertrainer eine gewisse Sachkunde vorweisen müssen. Bei der Behörde eingereicht werden müssen beispielsweise  Angaben zur Qualifikation (Seminare, Ausbildungsgänge),  manchmal auch ein  Zuverlässigkeitsnachweis, ein  Gewerbeschein oder eine Tätigkeitsbeschreibung. Die Regelungen sind bundesweit nicht einheitlich. Ein Qualitätssiegel ist die Erlaubnis nicht. Betroffen von der Regelung sind auch Organisationen des Auslandstierschutzes und selbstständig arbeitende Pflegestellen. bib

Tierärtzin zum Tierschutzgesetz: Wichtige Aufgabe

Hundetrainer, sagt Dr. Martina Spangenberg, Tierärztin aus Nörten-Hardenberg, haben keine geschützte Berufsausbildung. „Dementsprechend gibt es gute und weniger gute.“ Die neue Gesetzgebung sieht sie positiv und als Vorstoß „gegen tierschutzwidrige Praktiken in der Hundeausbildung“.

Spangenberg selbst bietet in ihrer Praxis verhaltenskundliche Beratung bei Tieren an. Die Hundeschulen in der Region beurteilt sie als „gut, auch wenn es sicher ein paar gibt, die veraltete Methoden anwenden“. Wichtig sei, dass die Prinzipien der Gewaltfreiheit und der positiven Verstärkung eingehalten würden.

Die Hundeschulen hätten eine wichtige Aufgabe: Sie zeigten Menschen, wie sie ihre Hunde artgerecht so erziehen, dass sie anderen Menschen nicht gefährlich würden. Vor diesem Hintergrund begrüßt sie nicht nur die Erlaubnispflicht für Hundetrainer, sondern auch das Niedersächsische Hundegesetz, das Tierhaltern seit 2013 Sachkunde abverlangt. Die Veterinärmedizinerin selbst ist zertifizierte Prüferin für den sogenannten Hundeführerschein.

Mehr Sicherheit für Hundehalter: Diesen Effekt spricht sie dem überarbeiteten Paragrafen 11 zu. An der Praxis, dass Hunde, vor allem Welpen, aus Massenzuchten zu gewerblichen Zwecken illegal nach Deutschland gebracht werden, werde das Gesetz nicht ändern: „Das sind kriminelle Machenschaften – die wird man so nicht stoppen.“

14 zugelassene Hundeschulen im Landkreis

Seit dem vergangenen Jahr müssen Hundeschulen und Hundetrainer eine behördliche Erlaubnis für den Betrieb ihrer Unternehmen haben. Dafür zuständig ist das Veterinäramt der Stadt und des  Landkreises Göttingen. Verwaltungssprecher Ulrich Lottmann gibt Antworten.
Wie viele offiziell anerkannte Hundeschulen gibt es in ihrem Zuständigkeitsbereich?
Aktuell sind 14 Hundeschulen in Stadt und Landkreis Göttingen zugelassen.

Wie läuft so ein Genehmigungsverfahren ab?
Wenn Anträge gestellt werden, fordert das Veterinäramt die Besitzer der Hundeschule auf, die benötigten Qualifikationsnachweise vorzulegen. Sind die Voraussetzungen erfüllt, wird die Hundeschule genehmigt.

Gab oder gibt es auch Problemfälle?
Dem Veterinäramt ist bekannt, dass Hundeschulen noch keine Erlaubnis haben. Das sind aber Einzelfälle. Ein Grund  dafür ist beispielsweise, dass den Betreibern die Notwendigkeit einer Genehmigung noch gar nicht bekannt ist. 

Was geschieht dann?
Unsere Mitarbeiter gehen direkt  auf diese Hundeschulen zu und sprechen die Besitzer an. Liegen keine Genehmigungen vor, räumen wir in der Regel erst einmal die Möglichkeit ein, noch einen Antrag zu stellen und die entsprechenden Qualifikationen nachzuweisen. Liegen die Nachweise dann vor, kann die Genehmigung erfolgen und dann die Hundeschule weiter betrieben werden.

Und wenn nicht?
Wird ein nicht genehmigter Betrieb festgestellt, wird die entsprechende Hundeschule geschlossen.

Ist das schon einmal nötig geworden?
Nein, bislang noch nicht. Einigen Unternehmen haben wir Fristen gesetzt, die Verfahren laufen noch. Bei anderen ist der Betrieb ausgelaufen.

Gab es schon einmal Ablehnungen?
Es wurden noch keine Anträge abgelehnt. Sollte einmal ein Nachweis fehlen, wird die Bearbeitung zunächst zurückgestellt. Der Kunde hat dann die Möglichkeit, die nötige Qualifikation zu erwerben und nachzureichen. 

 Interview: Britta Bielefeld

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