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Göttingen: Wie man den Führerschein riskiert

Medizinisch-psychologischer Test Göttingen: Wie man den Führerschein riskiert

Die Facebook-Freunde des 22-Jährigen halten zu ihm: „Ganz ehrlich: Hätte genau so gehandelt“, schreibt die eine, „und noch krasser“, ergänzt der andere. Die Mehrheit der Diskutanten in einer langen Debatte in dem sozialen Netzwerk um einen Unfallbericht des Tageblattes vom 4. Dezember sieht nichts Verwerfliches daran, dass ein aufgebrachter Autofahrer einen anderen, den er für schuldig an dem Unfall hält, einfach zu Boden schubst.

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Zwei von vielen Möglichkeiten, den Führerschein zu riskieren: Drängeln (Nötigung) mit Stinkefinger (Beleidigung) im Straßenverkehr.

Göttingen. Doch die Führerscheinbehörde schert die Debatte bei Facebook nicht. Dem aggressiven Unfallfahrer droht nun der Führerscheinentzug.

Das ist nur einer von etlichen Fällen, in denen die Behörden aggressivem Verhalten im Straßenverkehr nachgehen und einen möglichen Entzug der Fahrerlaubnis überprüfen. Bei Bekanntwerden von häufigen und schweren Aggressionsdelikten, so Landkreissprecher Ulrich Lottmann, habe die Fahrerlaubnisbehörde die Möglichkeit, die Kraftfahrteignung durch die Anordnung einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) überprüfen zu lassen.  Ist das Ergebnis negativ, werde der Führerschein entzogen.

Der Volksmund nennt diese MPU „Idiotentest“. Im Fall des 22-Jährigen, der am 3. Dezember von einem anderen Autofahrer auf dem Zubringer (B 27) bei Weende erst abgedrängt wurde und dann bei einer Vollbremsung in die Leitplanke geschleudert ist, wird es zu dieser Überprüfung jetzt wohl kommen. Die Polizei hat den Fall an den Landkreis abgegeben.

Da es in der Vergangenheit mehrere Aggressionsdelikte im Straßenverkehr mit diesem Fahrer gegeben habe, so die Polizei, wurden diese aufgelistet und mitgeteilt. Dazu ist die Polizei verpflichtet. Sie habe, heißt es in Paragraf 2 der Fahrerlaubnisverordnung, „Tatsachen, die auf nicht nur vorübergehende Mängel hinsichtlich der Eignung (...) zum Führen von Kraftfahrzeugen schließen lassen“, zu übermitteln.

Beschwerde per Facebook

Nun also zusätzlich zu dem durch einen anderen Fahrer verursachten Unfall der „Idiotentest“ und dessen mögliche Folgen. Dabei hatte sich der junge Mann  via Facebook schon beschwert, dass „es mir auf den Zwirn geht, dass ich jetzt der Idiot bin“. In seiner Unfallschilderung, mit der er sich von aller Schuld rein waschen wollte, hatte er online und jedermann zugänglich wörtlich geschrieben:

„In all den stress der um mich war und seinen ausserungen habe ich den herrn wohl leider geschubst wobei er hinfiel. ..doch bei dem sturz wäre nichts passiert, wenn der herr danach nicht nochmal (übrigens sehr schlecht geschauspielert) seinen kopf mit wucht auf den boden schlug und danach rum schrie als wäre er jetzt das opfer der ganzen aktion.“

Wer Opfer, wer Verursacher des Unfalls war – das alles wird wohl erst eine Gerichtsverhandlung erbringen. Die steht noch aus. Sie wird auch der Landkreis als zuständige Verkehrsbehörde abwarten müssen. Denn Straftaten wie Nötigung (Drängeln), Beleidigung (Stinkefinger) oder Rohheitsdelikte (körperlicher Angriff auf Verkehrsteilnehmer) hat das Amtsgericht auszuurteilen. Und nur rechtskräftige Verurteilungen kann die Behörde zur Grundlage eines Führerscheinentzugs machen.

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