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Göttingen ehrt Forschungsreisende Niebuhr und Forsskål

Aufenthalt Göttingen ehrt Forschungsreisende Niebuhr und Forsskål

Zur Erinnerung an ihren Aufenthalt in Göttingen ehrt die Stadt Göttingen zwei Forschungsreisende am Freitag, 6. November, durch die Enthüllung von Gedenktafeln. Die Ehrung gilt Carsten Niebuhr (17 Uhr, Groner Straße 1) und Peter Forsskål (18 Uhr, Obere Maschstraße 5).

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Quelle: Pförtner/Archiv (Symbolbild)

Göttingen. Die Laudatio auf Niebuhr hält Prof. Jürgen Schlumbohm (Georg-August-Universität), die auf Forsskål der Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften, Prof. Kurt Schönhammer. Das teilt die Stadtverwaltung mit.

Carsten Niebuhr wurde demnach am 17. März 1733 in Lüdingworth/Elbe als Sohn einer alteingesessenen Bauernfamilie geboren. Nach dem Tod seines Vaters verließ er die Lateinschule in Altenbruch, zog 1755 nach Hamburg und beendete dort seine Schulausbildung. Niebuhr studierte von 1757 bis 1760 in Göttingen Mathematik und Astronomie, vor allem bei Abraham Gotthelf Kaestner und Tobias Mayer; daneben hörte er auch bei dem Orientalisten Johann David Michaelis und lernte Arabisch. Anschließend trat er als Ingenieurleutnant in dänische Dienste und nahm 1761 als Kartograph an der vom dänischen König Frederik V. finanzierten Expedition nach Arabien teil, die er als Einziger überlebte. 1767 kehrte Niebuhr nach Kopenhagen zurück, wurde 1778 „Wirklicher Justizrat“ und Landschreiber in Meldorf und starb dort am 26. April 1815.

Neben seinem Freund und Studienkollegen Peter Forsskål war Niebuhr wissenschaftliches Mitglied der großen Arabien-Exkursion, die König Frederik V. von Dänemark finanzierte und zu deren Initiatoren Johann David Michaelis zählte. Während Forsskål für die erstmalige systematische Beschreibung der arabischen Tier- und Pflanzenwelt zuständig war, hatte Niebuhr die Aufgabe der geographisch-astronomischen Ortsbestimmung und deren Umsetzung in verlässliches Kartenmaterial sowie der ethnologischen Landesbeschreibung.

 

Carsten Niebuhr überlebte als Einziger der sechs Teilnehmer die von Krankheit und Todesfällen überschattete Expedition und sicherte durch seinen persönlichen Einsatz die zu Recht weltweit Aufsehen erregenden Ergebnisse dieser Forschungsreise, heißt es in der Mitteilung weiter. Seine 1772 in Kopenhagen veröffentlichte „Beschreibung von Arabien aus eigenen Beobachtungen und im Lande selbst gesammelten Nachrichten“ blieb für lange Zeit die wichtigste geograpisch-ethnologische Publikation zur Landeskunde der arabischen Welt. Wie Peter Forsskål gilt auch der Mathematiker, Geograph und Astronom Carsten Niebuhr als Protagonist der insbesondere auf die empirische Naturforschung ausgerichteten Göttinger Aufklärung.

 

Peter Forsskål wurde am 11. Januar 1732 in Helsinki als Sohn eines Pastors geboren. Bereits als Zehnjähriger begann er sein Studium an der Universität von Uppsala, studierte Philosophie, Sprachen und Theologie und erwarb u. a. bei dem berühmten Biologen und Pflanzensystematiker Carl von Linnée seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse. Am 13. Oktober 1753 immatrikulierte er sich dank eines Theologiestipendiums an der Georg-August-Universität in Göttingen als Schüler von Johann David Michaelis. Auf Michaelis ging auch die Anregung zu einer vom dänischen König finanzierten Expedition nach Arabien zurück, die 1761 startete und an der Forsskål neben weiteren Wissenschaftlern teilnahm. Peter Forsskål starb während dieser Forschungsreise am 11. Juli 1763 in Jerim (Arabien) an Malaria.

 

Der Naturkundler und Orientalist Peter Forsskål gehörte in der Mitte des 18. Jahrhunderts zur zweiten Studentengeneration an der Georgia Augusta, wo er vor allem bei Johann David Michaelis hörte. Als Forsskål nach Göttingen kam, hatte er in Schweden bereits eine grundlegende naturwissenschaftliche Ausbildung absolviert. Seine 1756 im Druck erschienene Göttinger philosophische Dissertation bei Michaelis und Samuel Christian Hollmann unternahm eine kritische Revision der Grundlagen des philosophischen Systems von Christian Wolff und war wohl nur in der aufgeklärt‐liberalen Atmosphäre Göttingens möglich. Als nach jahrelangen Planungen durch Johann David Michaelis schließlich der dänische König Friedrich V. eine Arabien‐Exkursion für das Jahr 1760 finanzierte, gehörte Forsskål neben Carsten Niebuhr zum sechsköpfigen Expeditionscorps und war für die Dokumentation der arabischen Tier‐ und Pflanzenwelt zuständig. Infolge von internen Konflikten, Krankheits‐ und Todesfällen scheiterte das Unternehmen – allein Carsten Niebuhr kehrte zurück und konnte die reiche, von Forsskål zusammengetragene Überlieferung retten. Damit wurde die Forschungsleistung von Peter Forsskål über ein Jahrhundert lang maßgeblich für die europäischen Kenntnisse der arabischen Tier‐ und Pflanzenwelt, so die Verwaltung. eb/afu

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