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Göttingen regelt Urnen-Transport per Satzung

E-Mobil oder Handkarren? Göttingen regelt Urnen-Transport per Satzung

Vor dem Gesetz sind alle gleich, heißt es. Vor Gott und allem was sonst nach den Tod kommt, erst Recht. Im letzten Geleit allerdings nicht. In manchen Dörfern tragen noch immer Nachbarn oder Verwandte die schwere Last. Immer häufiger organisieren Bestatter diese Dienste. Auf großen Friedhöfen aber ist genau geregelt, wer Sarg und Urne bewegen darf.

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Marcus Büttner mit E-Mobil und der Urne.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. In Göttingen sind das ausschließlich Mitarbeiter der städtischen Friedhofverwaltung – und der Transport mit einem Elektromobil ist Pflicht, auch für eine Urne.

Petra Tschirner (Name von der Redaktion geändert) wollte es zunächst gar nicht glauben, als sie die Beerdigung ihres gestorbenen Ehemannes mit einem Bestatter organisierte. Die Friedhofsverwaltung bestand darauf, die Urne von der Kapelle zur Grabstätte über den Friedhof Junkerberg auf ihrem E-Mobil zu transportieren.

Tschirner empfand das als würdelos und zu technisch. Sie wollte ihrem Geliebten im letzten Geleit nahe sein und die Urne von Menschenhand tragen lassen.

Auf beiden kommunalen Friedhöfen der Stadt ist der Transport von Sarg und Urne allerdings alleine Aufgabe der Friedhofsverwaltung und ihrer Mitarbeiter. Das ist in ihrer Friedhofssatzung festgeschrieben – „aus gutem Grund“, sagt Fachdienstleiter Wolfgang Gieße.

Die Stadt wolle sicher stellen, dass Beerdigungen in einem bestimmten Rahmen und würdevoll ablaufen. Zu groß sei die Gefahr, dass Trauernde sich und ihre Kraft überschätzen und auf dem Weg oder am Grab „etwas schief geht“.

„Weil der Weg zur Grabstelle recht kurz war“

Das gelte auch für Urnenbeisetzungen – von Ausnahmen abgesehen. Urne und zusätzliche Schmuckurne könnten bis zu zehn Kilogramm wiegen – „das trägt man nicht einfach so und dann noch würdevoll 100 Meter und mehr“, so Gieße.

Solche Strecken gebe es auf den Stadtfriedhöfen häufig. Dafür habe die Stadt vor neun Jahren für etwa 15 000 Euro ein lautloses Elektromobil mit Urnenplatz am Heck gekauft. Für Särge und Kränze werde ein Wagen angehängt. Joachim Noll, Rechtsreferent für die Friedhöfe in Hannover, hat volles Verständnis für die Göttinger Vorgaben: „600 bis 800 Meter Strecke mit Sarg oder Urne – das tragen Trauernde nicht mal eben so.“

In Hannover dürften nur Mitarbeiter der Bestatter den Sarg tragen. Für Urnen sei der Konduktführer – ein Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung – zuständig. Aber: Wenn die Angehörigen selber tragen wollen, „akzeptieren wir das“, wir lassen uns aber schriftlich von rechtlichen Ansprüchen befreien.“

Auch auf den Friedhöfen in Kassel stelle die Verwaltung einen Träger für die Urne und sechs mit Handwagen für den Sarg, erklärt der stellvertretende Dienststellenleiter Jürgen Werner. Private Träger seien aus versicherungsrechtlichen Gründen ausgeschlossen. Schwere Urnen würden von zwei Mitarbeitern getragen: in einem besonderen Gestell, „das ist pietätvoller“. Für Kränze gebe es ein Elektromobil – mit Sitzplätzen für gehbehinderte Trauernde.

Für Familie Tschirner hat die Göttinger Friedhofsverwaltung schließlich doch eine Ausnahmen gemacht und die Urne per Hand getragen. „Weil der Weg zur Grabstelle recht kurz war“, bestätigt Gieße.

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