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Göttingen schaltet in Ortsteilen die Lichter aus

Sparmaßnahme Göttingen schaltet in Ortsteilen die Lichter aus

Dunkle Straßen und kein Licht: In einigen Göttinger Ortsteilen werden ab Mitte nächster Woche nachts von 0 bis 4 Uhr die Laternen abgeschaltet. Das teilte die Stadtverwaltung gestern mit. Damit wird umgesetzt, was der Rat im Juni als eine unter vielen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung beschlossen hat.

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Werden bald von 0 bis 4 Uhr abgeschaltet: Laternen wie hier im Ortsteil Groß Ellershausen.

Quelle: CR

Das 75-Punkte-Sparpaket soll angesichts der Etatschieflage bis 2016 Ausgabenkürzungen und Mehreinnahmen von 62 Millionen Euro bringen. Mit dem Ausschalten der Straßenbeleuchtung ab der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sollen jährlich Strom- und Wartungskosten in Höhe von 70 000 Euro eingespart werden. Betroffen sind die Ortsteile Groß Ellershausen, Hetjershausen, Knutbühren, Esebeck, Elliehausen, Holtensen, Nikolausberg, Roringen und Herberhausen. In allen anderen Ortsteilen und der Innenstadt werden die Lampen auch weiterhin nachts angeschaltet bleiben.

Mittlerweile seien alle organisatorischen und technischen Verfahren abgeschlossen, sagte Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Daher könne man die Maßnahme nun umsetzen. Leuchten, die künftig nachts ausgeschaltet werden, sind mit einem rot-weißen Ring markiert worden. Ausgenommen von der Maßnahme sind die Beleuchtungen der Fußgängerüberwege in den Ortsteilen.

Einen Appell richtet die Stadtverwaltung an Autofahrer: „Fahrzeughalter müssen dafür sorgen, dass ihre im öffentlichen Raum abgestellten Fahrzeuge ausreichend beleuchtet werden.“ Das sei natürlich eine Selbstverständlichkeit, sagte Johannson. Man habe wegen der neuen Situation aber noch einmal explizit darauf hinweisen wollen. Gemeint sei zum Beispiel, das Parklicht anzuschalten oder das Fahrzeug vor einem „beleuchteten Schaufenster“ abzustellen.

In der Debatte um das Sparpaket hatten die meisten Ortsräte die Nachtabschaltung abgelehnt. Holtensens Bürgermeister Karl Wille (SPD) hatte sich vehement dagegen ausgesprochen, dass nur den kleinen Dörfern das Licht abgestellt wird. Er sei noch nicht informiert worden, beklagte er sich gestern. Es sei eine „dicke Sauerei“, wie mit Politikern und Ehrenamtlichen umgegangen werde. Die Herberhäuser sähen das entspannt, sagte hingegen Ortsbürgermeisterin Ingrid Möhring (SPD). Wer spät aus der Kneipe komme, könne eine Leuchte mitnehmen. „Es wird duster“, erklärte Elliehausens Ortsbürgermeister Fritz-Wilhelm Neumann (SPD), „hoffentlich nicht mit bösen Auswirkungen“. Bei der Kirmes in einer Woche könnten Fackelträger die „letzten Kämpfer“ ja nach Hause geleiten.

Der Nikolausberger Ortsrat hatte erst zugestimmt. Ortsbürgermeister Jörg Rudolph (CDU) änderte aber seine Meinung. Es gebe viel Unruhe, sagte er. Wenn man sich ansehe, was in Northeim passiert sei, sei er nun skeptisch. Auch die Stadt Northeim hatte jüngst mit dem Abschalten von Straßenlaternen versucht, Kosten zu sparen, die Aktion aber nach kurzer Zeit wieder abgeblasen. Grund war der nächtliche Überfall auf eine 66-jährige Zeitungsausträgerin. Die Stadt Göttingen gehe nicht von einem „unmittelbaren Zusammenhang“ zwischen dem nächtlichen Abschalten der Laternen und derartigen Übergriffen aus, sagte Johannson. Das könne auch um 23 Uhr oder um 4.10 Uhr passieren, wenn das Licht an sei.

Von Andreas Fuhrmann
und Gerald Kräft

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