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„Ein wirklich großartiger Erfolg“

Göttinger Zeitung Durchblick informiert in Einfacher Sprache „Ein wirklich großartiger Erfolg“

Längere Texte sind oft das Problem: Millionen Menschen können nicht richtig lesen. Deshalb bleiben ihnen Informationen verwehrt. Dem wirkt der  Durchblick entgegen. Der Vier-Seiter erscheint monatlich im Blick und kam beim Innovationspreis 2016 des Landkreises Göttingen unter die besten Fünf.

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Dezember 2015: Die erste Ausgabe des Durchblicks.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. In Deutschland gelten etwa 7,5 Millionen Erwachsene als funktionale Analphabeten. Sie können Buchstaben, Wörter und einzelne Sätze lesen und schreiben. Jedoch haben sie Mühe, einen längeren und zusammenhängenden Text zu verstehen. Mit einer Auflage von knapp 64000 Exemplaren bereitet der Durchblick lokale und auch überregionale Nachrichten auf. „Bei Einfacher Sprache geht es vor allem um Verständlichkeit“, erklärt Julia Pfrötschner. Grundsätzlich handle es sich dabei „um eine vereinfachte Form des Deutschen.“ Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Göttingen leitet den Kurs „Leichtes Lesen“ an der Zentralen Einrichtung für Lehrerbildung (Zelb). Hier schreiben Studierende Texte unter Anleitung für den Durchblick. Darüber hinaus setze sich die Autorenschaft „aus qualifizierten Pädagogen, ausgebildeten Redakteuren und externen Fachleuten zusammen. So werden wir beispielsweise von den örtlichen Lea-Leseklubs und von den Schülerlesetagen unterstützt“, sagt Blick-Chefredakteur Markus Riese.

Neben dem Zelb beteiligen sich die Volkshochschule Göttingen Osterode (VHS) – auf dessen Initiative der Durchblick entwickelt wurde – die Göttinger Werkstätten sowie die Göttinger Tageblatt Mediengruppe an dem Projekt, sagt Gundula Laudin. „Der Durchblick ist ein barrierefreies regionales Informationsangebot“, fasst die Fachbereichsleiterin Sprachen und Grundbildung an der VHS zusammen. „Menschen mit eingeschränkter Lesekompetenz wie zum Beispiel Migranten, funktionale Analphabeten, Menschen mit Behinderung, Menschen mit beginnender demenzieller Erkrankung oder Problemen mit der Sehfähigkeit“ gehören zur Zielgruppe, sagt Laudin.

Form nimmt der Durchblick in den Redaktionssitzungen an, beschreibt Markus Riese: „Die Redaktion besteht aus unterschiedlichsten Charakteren verschiedener Einrichtungen und Institutionen, die allesamt sehr engagiert ihre Expertise in das Produkt einbringen, sagt der Blick-Chefredakteur. „Der kreative Prozess wird von Redakteuren aus der Tageblatt-Gruppe gesteuert, hier laufen letztlich auch alle Fäden zusammen. Artikel aus dem Tageblatt dienen oftmals als Basis für die Beiträge im Durchblick – oder zumindest als Ideenquelle. Die Praxis hat allerdings gezeigt, dass es meist einfacher ist, einen Text in Leichter Sprache neu zu schreiben, statt ihn aus einem normalen Zeitungstext quasi zu übersetzen.“ „Einige der Texte werden vor Veröffentlichung von Menschen der Zielgruppen gegengelesen und auf Verständlichkeit geprüft“, ergänzt Laudin. Darüber hinaus arbeitet der Durchblick crossmedial. In der Zeitung sind Links abgedruckt, die zu den Original-Artikeln des Tageblatts führen.

„Besonders beeindruckt hat mich im ersten Jahr, dass der Durchblick eine fast schon spektakuläre Eigendynamik entwickelt hat. Er wird beispielsweise inzwischen ganz selbstverständlich als Unterrichtsmaterial in verschiedensten Bildungseinrichtungen verwendet“, sagt Riese. „Das ist eine großartige Entwicklung, auf die alle Beteiligten stolz sein dürfen, denn auf diese Weise hilft der Durchblick mittlerweile vielen Menschen mit Leseschwächen, mangelnden Sprachkenntnissen oder Lernschwierigkeiten dabei, Zugang zu aktuellen Informationen aus Göttingen und Umgebung zu erhalten.“

Für die Idee und das Engagement wurde der Durchblick für den Innovationspreis 2016 des Landkreises Göttingen nominiert. „Dass der Durchblick zu den Top Fünf in seiner Kategorie gehört, ist ein wirklich großartiger Erfolg – auch ohne Urkunde. Denn schon die Nominierung darf als Auszeichnung für all jene verstanden werden, die an diesem in Göttingen erdachten und deutschlandweit wohl einmaligen Projekt Monat für Monat so engagiert mitarbeiten“, sagt Riese. „Eine regionale Zeitung in Einfacher Sprache. Eine Zeitung, die den Menschen in der Region barrierefrei zugänglich ist, indem sie als Beilage mit einer kostenlosen Zeitung verteilt wird. Eine Zeitung, die Themen behandelt, die Menschen vor Ort interessieren“, sagt Laudin abschließend.

Die vergangenen Ausgaben des Durchblicks finden Sie hier.

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Für Menschen mit Leseschwäche in Göttingen und der Region

Seit Dezember 2015 liegt fast 64.000 Exemplaren der Anzeigenzeitung Blick (Gesamtauflage 103.000) einmal im Monat der innovative Vierseiter „Durchblick“ bei.

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