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Göttingen will Stadtmarketingkonzept neu aufstellen

„Nach außen besser verkaufen“ Göttingen will Stadtmarketingkonzept neu aufstellen

Wie lässt die Stadt Göttingen in Zukunft positiver nach außen darstellen? Wo liegen die Stärken der Stadt? Wie soll sie für sich werben? Antworten auf diese und andere Fragen haben rund 80 Vertreter aus Verwaltung, Handel, Universität, Wirtschaft und Politik seit dem Frühjahr in Workshops diskutiert.

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Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. „Göttingen muss sich nach außen besser verkaufen“, sagte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) am Donnerstag bei der Präsentation der ersten Ergebnisses eines von ihm zu Beginn des Jahres angestoßenen Prozess zur Erneuerung des Stadtmarketings. Göttingen müsse selbstbewusster werden, sagte Köhler. Nicht im Sinne von arrogant. Die Stadt müsse sich ihrer Stärken bewusst werden und diese nach vorne bringen.

Und diese Stärken sind durchaus vorhanden, wie Regina Schroeder von der CIMA Beratung und Management GmbH bei der Vorstellung der Ergebnisse deutlich machte. Dazu gehörten etwa „die attraktive Innenstadt, die Wirtschaftskraft, die Weltoffenheit sowie die guten Lebensbedingungen“. Diese aber würden gerade von außen zu wenig wahrgenommen. Daher müssten diese stärker präsentiert werden, um damit die Marke Göttingen zu etablieren - auch international. Und das Thema Wissenschaft müsse sich wie ein „roter Faden“ durch das Marketing ziehen.

Schroeder formulierte als Ergebnis der Workshops und ihrer Analyse drei Ziele des Göttinger Stadtmarketings:

  • So müsse Potenzial als „Transitstadt“ und Ziel für Tages- und Städtereisende genutzt werden. Für diese habe Göttingen durch die zentrale Lage innerhalb Deutschlands und einer günstigen Verkehrslage großes Potenzial. Dieses gelte es im Rahmen des Tourismusmarketings zu nutzen. Positiv sei auch Veranstaltungsangebot und Stadtführungen sowie die attraktive, lebendige Innenstadt mit vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten.
  • Studierende sollen in Göttingen gehalten werden. Ihnen sollen Arbeitsplätze und berufliche Perspektiven in und um Göttingen aufgezeigt werden, „um jene zu binden, die bei gegebener Berufsperspektive ihre weitere Karriere- und Lebensplanung vor Ort erfolgreich fortsetzen können“, heißt es in einer CIMA-Präsentation. Göttingen biete außer Studienangeboten und der Studierendenszene vor allem auch wirtschaftliche Stärke und viele Angebote, welche die Work-Life-Balance unterstützen, darunter Freizeit- und Erholungsangebote, aber auch ein qualitativ gutes und differenziertes Kulturangebot sowie ein sicheres und ruhiges Umfeld.
  • Göttingen muss selbstbewusst sein und eine Identität als bedeutsames Oberzentrum entwickeln. „Göttingen sollte sich zudem als Stadt im Wettbewerb und Oberzentrum begreifen und dementsprechend selbstbewusst auftreten.

Als Inhalte des Stadtmarketings nennt CIMA die folgenden drei:

  • Die Wissenschaft soll eingebunden und erlebbar gemacht werden. Göttingen sei eine renommierte Wissenschaftsstadt mit mehreren Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie Lebens- und Wirkungsort von 44 Nobelpreisträgern und einer Nobelpreisträgerin. Für die Stadtmarketingaktivitäten sei dadurch eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten gegeben. „Das Thema Wissenschaft sollte an vielen Orten, bei Veranstaltungen et cetera erlebbar sein und auch gelebt werden, da es die Stadt in großem Maße auszeichnet“, empfiehlt Schroeder.
  • Während der Expertenrunden und des Ziele-Workshops sei immer wieder deutlich geworden, dass Göttingen über viele Geschichten verfüge, etwa die „Kussgeschichte“ des Gänseliesels. „Das Stadtmarketing sollte diese Geschichten aufgreifen und für sich nutzbar machen, um Fakten interessant zu verpacken und mit Hintergründen zu füttern.“
  • In den Expertenrunden sei erwähnt worden, dass Göttingen von außen teilweise als klein oder sogar provinziell wahrgenommen würde, gleichzeitig aber auch von einer großen Weltoffenheit und einem breiten kulturellen Angebot geprägt sei. Die Stadt sei zugleich groß - etwa weltoffen, wachsend, international, weltweit bekannt, vielfältig - und klein - etwa gemütlich, mitmenschlich, zusammenhaltend, Skepsis gegenüber Wachstum. „Im Rahmen der Profilierungsstrategie gilt es hier, eine ausgewogene Positionierung zu erarbeiten“, empfiehlt die CIMA.

Als zukünftige Organisationsform des Stadtmarketings empfiehlt Schroeder eine neue GmbH, die das Stadtmarketing übernehmen und die erforderlichen Kompetenzen bündeln und ausbauen soll. Dadurch werde die Außendarstellung vereinheitlicht, und es könne ein neues Leitbild unter einem neuen Dach verfolgt werden. „Die Integration des Göttingen Tourismus und Pro City in eine neue Stadtmarketing GmbH wird als notwendig angesehen“, heißt es in der Präsentation. Mit dem bei der Stadtverwaltung angesiedelten Arbeitskreis Wissenschaft/Hochschulen sollte eine enge Kooperation erfolgen. Gleiches gelte für das Studierendenmarketing der Hochschulen.

Die CIMA-Empfehlung: „Um die Akzeptanz der neuen Stadtmarketingorganisation von Anfang an herzustellen, muss über die Planungen von Anfang an aktiv informiert werden.“

2018, so Köhler, müsse es nun darum gehen, diese Ideen auch umzusetzen. Bereits am Mittwoch hatte die Verwaltungsspitze die Fraktionen im Rat über die Analyseergebnisse informiert.

Von Michael Brakemeier

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