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Eine gespaltene Nation

Cheltenham nach dem Brexit-Votum Eine gespaltene Nation

Jessika Wichner ist mit einer Gruppe von Göttinger Schülern am Tag des Brexit-Referendums in Cheltenham eingetroffen. Die Mitarbeiterin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ist seit 2001 Jugendleiterin des Göttinger Partnerschaftsverins beim Sport- und Sprachaustausch mit Cheltenham. Im Tageblatt-Interview schildert sie die Situation vor Ort.

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„Alle waren gespannt auf das Ergebnis“: Jessica Wichner.

Quelle: „Alle waren gespannt auf das Ergebnis“: Jessica Wichner.

Sie sind Donnerstag-Abend angekommen - wie haben sie da die Stimmung angesichts des Referendums erlebt?

Alle waren gespannt auf das Ergebnis. Meine Gasteltern haben einen Teil der Nacht vor dem Fernseher verbracht, um die Ergebnisse mitzubekommen, die nach und nach eingetröpfelt sind. Wir sind am nächsten Morgen aufgewacht und haben zwei sehr betrübte Gesichter beim Frühstück vorgefunden, die sagten: "Wir sind draussen." Sie hatten gehofft, in der EU bleiben zu können.

Wie haben Sie denn jetzt am Wochenende die Stimmung in Cheltenham erlebt?

Das bewegt die Leute sehr, gerade weil Cheltenham sehr für den Verbleib in der EU war. Die Menschen sind verunsichert, weil keiner weiß wie es weitergeht. Viele Politiker treten zurück und man hat schon den Eindruck, dass man es gerade mit einer sehr gespaltenen Nation zu tun hat. Denn man kann feststellen, dass die älteren Menschen für den Austritt waren. Die jüngeren hingegen sind wirklich fassungslos, die fühlen sich ihrer Perspektiven beraubt.

In was für Momenten haben sie gemerkt, dass das den Menschen nahegeht?

Wir hatten gestern eine Party bei uns. Eine Dame kam rein, die ich lange nicht gesehen habe. Sie nahm mich in den Arm und sagte: "Es tut uns so, so leid, die Briten sind so dumm". Diese Gefühlsausbrüche bekommt man auf der Straße nicht mit, die Engländer sind relativ verschlossen. Aber wenn man mit den Leuten redet, merkt man schon, dass sie sich fragen, was der jeweilige Gegenüber gewählt hat.

Was bekommen die Schüler davon mit?

Das Erste, was die Schüler am Freitag beim Unterricht gefragt haben, war, was da passiert sei und ob wir ihnen das erklären können. In den Schulen in Deutschland ist das wohl nicht so richtig besprochen worden: Die jüngeren Kinder verstehen das nicht, die älteren hingegen schon. Auch in den Gastfamilien ist das Thema, teilweise haben Gasteltern die Kinder gefragt, ob sie das gut oder schlecht finden, dass die Engländer austreten.

Es gibt Berichte über Anfeindungen gegen Ausländer in Großbritannien - haben Sie oder die Schüler etwas davon mitbekommen?

Nein, wir haben nur über die Medien gehört, dass jemand in Schulen Parolen wie "polnische Schüler raus, wir wollen unser Land zurück" an die Wände geschrieben hat. Aber das ist uns persönlich im kleinen Cheltenham nicht untergekommen.

Interview: Christoph Höland

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