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Göttinger Abiturienten feiern Mottopartys

Spaß vor dem Ernst Göttinger Abiturienten feiern Mottopartys

Theodor-Heuss-Gymnasium, Dienstag, 9.20 Uhr: Pünktlich zum Pausenklingeln drehen die Schüler die Musik auf und tanzen ausgelassen durch den Raum. Auch Hannah Kruse ist dabei: „Das Motto heute ist Zwanziger Jahre, das passt auch zum Great Gatsby, den wir im Unterricht behandelt haben.“

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. An den Gymnasien in Niedersachsen legen die Abiturienten ab Montag, 20. April, ihre Prüfungen ab. Vorher aber verkleiden sie sich noch bis Donnerstag jeden Tag nach einem anderen Motto.

Die Schüler nehmen die Tradition unterschiedlich auf. Nico Herbig vom Otto-Hahn-Gymnasium sagt: „Das ist ein ziemlich guter Ausgleich zum Lernen und stärkt ungemein den Zusammenhalt.“ Und Hannah Kruse meint: „Das gehört halt dazu, aber es macht ja auch Spaß“. Aber es gibt auch deutliche Ablehnung und Boykott der Verkleidung. Die meisten Abiturienten machen aber mit.

Die Themen wählt entweder der gesamte Jahrgang oder ein kleines Komitee. Am Dienstag im Otto-Hahn-Gymnasium lautete es zum Beispiel „Zuhälter und Nutten“. Beliebt sind auch „Helden der Kindheit“, „1. Schultag“ oder „Zeitreise“. „Die Mottos sind immer wieder dieselben, da müsste man mal was anderes machen“, findet eine Elftklässlerin. Trotzdem sagt sie: „Ich finde die Mottowoche cool, ich freue mich darauf, seit ich in der fünften Klasse war.“

Seit wann es diese Tradition gibt, ist nicht ganz klar. „Als meine Mutter Abitur gemacht hat, gab‘s das auch schon“, sagt ein Schüler. „Zu meiner Zeit gab es sowas nicht“, erklärt hingegen ein Lehrer. Die Lehrer äußern sich vorsichtig zum Spaß ihrer Schüler. „Ich bin da so im Mittelfeld. Einige Kollegen mögen das gar nicht, aber ich find es ganz lustig. Ich glaube nur, wenn sie es mit dem Feiern übertreiben, tun sie sich selber keinen Gefallen“, sagt Musiklehrer Andreas Göbel (42) vom Otto-Hahn-Gymnasium.

Foto: Hinzmann

Mottotage der Abiturienten am Theodor-Heuss-Gymnasium und am Max-Planck-Gymnasium Göttingen.

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Auch Matthias Könen, Koordinator für die Abiturprüfungen und Lehrer für Chemie und Biologie am Otto-Hahn-Gymnasium, hat bisher keine Klagen von anderen Lehrern gehört. „Die machen ihren Dreck selbst weg. Und wenn sie feiern, finde ich das in Ordnung. Auch wenn mir schleierhaft ist, was sie da eigentlich feiern, schließlich haben sie ihr Abitur noch nicht.“ Alkohol gehe gar nicht, was von Seiten der Schulleiterin Frau Engels klar kommuniziert wurde. „Dieses Jahr gab es aber keine Probleme, die Schüler sind da auch sehr moderat. Sie haben auch die schulweite Polonaise am Mittwoch auf die 5. Stunde verschoben, als sie erfahren haben, dass eine 10. Klasse in der 3. Stunde Klausur schreibt.“                    

„Wir haben ein Komitee, das für Musik, Deko und Motto zuständig ist. Das Komitee hat Vorschläge ausgesucht und der Jahrgang hat darüber abgestimmt“, sagt Hannah Kruse. Am Mittwoch ist es „Moulin Rouge“, am Montag war es „Der wilde Westen“.

Diese Mottos haben eine gewisse Tradition, sie werden jedes Jahr wieder aufgegriffen und ähneln sich auch über die Schulgrenzen, queren auch Landesgrenzen hinweg, zum Beispiel nach Sachsen-Anhalt, wo es die „Helden der Kindheit“ schon seit mindestens 10 Jahren gibt.

9.35 Uhr: Eine Polonaise aus verkleideten und unverkleideten Schülern tanzt unter fröhlichem Gekicher zwei-, dreimal im Kreis. Dann verschwindet sie in einem der Schulflure.

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