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Göttinger Anteilnahme an der Situation der Kurden in Nordsyrien

Protestcamp am Gänseliesel Göttinger Anteilnahme an der Situation der Kurden in Nordsyrien

Seit Wochen wird die syrische Stadt Kobane von Kämpfern des „Islamischen Staates“ (IS) belagert. Sollte der IS die Stadt an der syrisch-türkischen Grenze einnehmen, ist mit Gräueltaten an der mehrheitlich kurdischen Bevölkerung zu rechnen. Um darauf aufmerksam zu machen, gibt es seit Dienstag ein Soldaritätscamp am Gänseliesel.

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Es geht um Aufmerksamkeit: Seit Dienstag informiert das Protestcamp in der Innenstadt über die Situation in Nordsyrien.

Quelle: Köster

Göttingen. Dramatisch sei die Situation in Kobane, erklärt eine Sprecherin des Camps. „Und die Weltöffentlichkeit schaut einfach weg.“ Aus Angst vor Übergriffen will sie, wie viele andere im Camp, ihren Namen nicht nennen.

Im Camp, das von verschiedenen kurdischen und linken Gruppierungen organisiert wird, harren seit Tagen mehrere Protestler aus, mal mehr, mal weniger. Fünf Zelte zum Übernachten sowie ein Gemeinschaftszelt stehen momentan am Gänseliesel. Hier werden Kundgebungen geplant, Diskussionen geführt oder Busse für die Anreise zu einer bundesweiten Solidaritätsdemonstration in Düsseldorf organisiert.

Aber vor allem geht es den Beteiligten darum zu informieren. Und tatsächlich bleiben immer wieder Passanten stehen und nehmen sich Flyer mit, lesen Berichte an der großen Info-Tafel oder kommen mit den Unterstützern ins Gespräch. „Schrecklich, dass dort so viele Menschen erschossen werden – und niemand tut etwas dagegen“, sagt eine Passantin.

„Ich finde das echt gut, was die hier machen“

„Das Camp wird schon positiv aufgenommen“, erzählt die Camp-Sprecherin. „Viele Leute sind interessiert an der Lage vor Ort und wollen etwas tun“, ergänzt ihr Kollege.

„Ich finde das echt gut, was die hier machen“, sagt Annette Hilker-Lahmann. Sie hatte von dem Solidaritätscamp im Tageblatt gelesen und wollte sich jetzt selbst ein Bild machen. „Die Situation in Kobane beschäftigt mich schon lange. Es muss einfach mehr Aufmerksamkeit auf die Lage der Flüchtlinge dort gelegt werden.“

Die Campbewohner freut die Unterstützung natürlich. „Neulich hat sogar jemand Kuchen vorbeigebracht“, sagt die Sprecherin. „Wir sind selbst manchmal überrascht, wie viele Leute uns helfen wollen.“

„Das Camp bleibt, solange es sein muss“

Pläne, das Camp zu räumen, gibt es derzeit nicht. Die Bewohner haben sich am Gänseliesel arrangiert. Um den Marktständen nicht im Weg zu sein, zog das Camp extra auf die andere Seite des Platzes um, als es eine Beschwerde gab, dass die Rundbank zu sehr in Beschlag genommen wurde, wurde diese freigeräumt und sogar noch gewischt. „Negative Reaktionen gibt es so gut wie gar nicht“, sagt die Sprecherin.

Wie lange sie hier noch campieren werden, wissen die Campbewohner noch nicht. „Das Camp bleibt, solange es sein muss. Bis die Regierungen entschlossen handeln und den Kurden in Kobane endlich zur Hilfe kommen“, heißt es im Camp.

Studentin Meike findet das Protestcamp notwendig. „Es gibt Menschen, die sagen, warum steht das hier in Deutschland? Was bringt das? Aber es geht eben darum aufmerksam zu machen, zu informieren. Damit bekannt wird, was da passiert und dass etwas getan werden muss.“ Damit bringt sie die Meinung vieler Menschen in der Göttinger Innenstadt auf den Punkt.

Von Benjamin Köster

Solidarität der Politik
Von Michael Brakemeier

Unterstützung bekommen die Campbewohner für ihre Anliegen auch von der Göttinger Politik. Vertreter von SPD, Grünen und CDU haben sich vor Ort ein Bild gemacht.

„Wir unterstützen die Forderung nach einem entschlosseneren Vorgehen der Weltgemeinschaft gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS)“, sagte Marie Kollenrott, Kreisvorstandssprecherin der Grünen, nach ihrem Gespräch mit den Aktivisten. Es sei ein Gebot der Menschlichkeit, „deutlich mehr Flüchtlinge aus Syrien“ aufzunehmen.

Die Grünen fordern die Bundesregierung auf, Rüstungsexporte an Staaten, die den Terrorismus unterstützten, abzulehnen. Die aktuelle Situation rechtfertige es, die Debatte zu führen, ob die PPK weiter als Terrororganisation einzustufen sei. Auch Christoph Lehmann, Stadtverbandsvorsitzender der SPD, meint, dass es Zeit sei, über die Aufhebung des PKK-Verbots nachzudenken.

Genozid durch den IS verhindern

Im Gespräch im Camp habe er „grundsätzliches Verständnis“ für die Anliegen geäußert. Die Göttinger SPD sei der Meinung, dass die Türkei die Grenzen öffnen müsse, um Flüchtlinge herein und kurdische Kämpfer nach Kobane zu lassen.  Zudem könne durch die Bewaffnung der Kämpfer ein Genozid durch den IS verhindert werden.

Auch der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Ludwig Theuvsen war im Camp. Er unterstützt die Anliegen der Bewohner. Bei seinem Besuch in Berlin habe er ihre Wünsche an den Göttinger Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler herangetragen. Theuvsen hofft, dass es in Kobane nicht zu einer „humanitären Katastrophe“ kommt.

Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) will „voraussichtlich“ heute das Camp besuchen, wie Stadtsprecher Detlef Johannson auf Anfrage mitteilt. Sein Terminkalender habe einen früheren Besuch nicht zugelassen.

Meyer halte die Anliegen „für absolut richtig“, auch die Göttinger Öffentlichkeit wegen der „dramatischen Situation“ der kurdischen Bevölkerung und „des mörderische Treibens der IS-Truppen“ zu informieren und zu mobilisieren.

 
Demo: Deutschlands Mitschuld
Von Michael Brakemeier

Knapp 300 Demonstranten sind am Freitag erneut in der Göttinger Innenstadt auf die Straße gegangen, um auf die Situation in der nordsyrischen Stadt Kobane aufmerksam zu machen. In der von Kurden bewohnten Stadt an der Grenze zur Türkei war es den ganzen Tag über zu schweren Gefechten zwischen kurdischen Kräften und der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gekommen.

Bei einer Auftaktkundgebung am Gänseliesel prangerte Matihs Kapell an, dass die Weltöffentlichkeit derzeit tatenlos zu schaut, was in Kobane passiert. „Nur Lippenbekenntnisse. Aber es passiert nichts zur Rettung der Menschen dort“, sagte er. Inzwischen seien in der Stadt erste Zivilisten vom IS getötet worden. „Wenn Kobane fällt“, so Kapell, „trägt Deutschland Mitschuld.“

Deutsche Waffen, geliefert an Länder wie Katar, Saudi Arabien oder die Türkei, befänden sich nun in den Händen der IS-Kämpfer. Weiterhin würden Wirtschaftsinteressen wichtiger sein als Menschenleben. Meinhart Ramaswamy forderte den neu gewählten Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) auf, Stellung zu beziehen. „Wo ist er“, fragte Ramaswamy.

An die Göttinger Politiker appellierte er, sich zu solidarisieren. „Solidarität kann eine Waffe sein.“ Unter den Teilnehmern der Kundgebung befanden sich Kurden und Mitglieder linker Gruppen. Mit dabei waren auch Vertreter der Göttinger Linken, der Piraten und der Grünen sowie Tilman Zülch, Präsident der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Nach den Redebeiträgen und einer Schweigeminute für die „gefallenen Revolutionäre“ setzte sich ein Demozug durch die Innenstadt in Bewegung, zunächst angeführt von kurdischen Frauen.

 

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