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Göttinger Breast-Care-Nurse steht Tumorpatientinnen zur Seite

Kämpferinnen gegen den Krebs Göttinger Breast-Care-Nurse steht Tumorpatientinnen zur Seite

Krebs: Eine Diagnose, die das Leben verändert. Für die Begleitung von Brustkrebs-Patientinnen durch die schwere Zeit nach dem stationären Aufenthalt gibt es in Göttingen das Angebot der Breast-Care-Nurse. Diese BCN hilft und berät. Ihre Stelle gibt es seit dem Jahr 2013 – finanziert durch Spenden, die beim ersten Benefiz-Lauf fürs Leben gesammelt wurden. Am Sonnabend, 4. Juli, starten die Läufer erneut für den guten Zweck.

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Für einen offenen Umgang mit Krebs: Tatjana Wieland (l.) und Breast-Care-Nurse Andrea Schmidt-Schweda.

Quelle: Heller

Göttingen. Vor zwei Jahren, beim ersten Laufen fürs Leben, ist Tatjana Wieland 15 Runden für den guten Zweck gerannt. „Ich habe die meisten Kollegen in den Sack gesteckt“, sagt die 46-Jährige und lacht. Damals wusste sie noch nicht, dass sie gut ein Jahr später selbst zur Krebspatientin wird. Im September 2014 ertastet die Mutter zweier Kinder einen Knoten. Diagnose: Brustkrebs.

Wieland ist heute eine von den Patientinnen, die Andrea Schmidt-Schweda unterstützt. Sie arbeitet als ambulante Breast-Care-Nurse (BCN) und betreut Krebspatientinnen über die medizinische Behandlung hinaus. Die 20-Stunden-Stelle der Brustkrebs-Krankenschwester ist aus den Spenden des ersten Laufs fürs Leben finanziert worden. Schmidt-Schweda hat ihr Büro im Krebszentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Der Verein Horizonte, der die Spenden des Laufs erhält, finanzierte das Angebot zunächst, die UMG unterstützt das Projekt. Bis 2018 sei ihre Stelle nun gesichert, sagt Schmidt-Schweda.

Dass die Spenden des Laufs also eins zu eins Krebspatientinnen aus der Region zugutekommen, liegt auf der Hand. Aber welche Aufgaben hat eine BCN? „Vor allem leisten wir eine unabhängige Beratung für alle Patientinnen, sei es aus der UMG, aus anderen Kliniken oder aus Praxen“, sagt die gelernte Krankenschwester.

Zwischen stationärer Versorgung und Alltag

„Diese Beratung gibt einem ein Gefühl der Sicherheit“, sagt Wieland. Sie hat ihre letzte Chemotherapie gerade hinter sich gebracht, noch unterzieht sich die Sparkassenkauffrau einer Strahlentherapie in der UMG.  Sie habe bereits auf Station von dem Verein Horizonte erfahren. Schmidt-Schweda kam anschließend auf sie zu. Die BCN, die schließe eine Lücke zwischen der stationären klinischen Versorgung und dem anschließenden Alltag zu Hause.

Nicht alle Patientinnen gehen so mutig und selbstbewusst mit ihrer Diagnose um wie Wieland. „Ich wollte nicht, dass die Krankheit mein Leben kontrolliert und meinen Tagesablauf bestimmt“, sagt die 46-Jährige. Bevor sie in ein paar Wochen wieder mit ihrer Arbeit beginnt, hat sie, statt in ein mentales Loch zu fallen, zuhause renoviert. Einige Patientinnen brauchen im Angesicht einer Krebsdiagnose aber auch psychosoziale Unterstützung. Manche sind alt, alleinstehend, freuen sich beispielsweise über einen Besuchsdienst. Auch hier vermittelt Schmidt-Schweda ehrenamtliche Angebote.

„Schauen Sie mal, wie meine Finger- und Fußnägel aussehen“, sagt Weiland. Die schlanke, fröhliche Frau mit der selbstgefertigten Mütze will den Krebs nicht tabuisieren. Sie geht offen mit der Erkrankung um. Noch schlimmer als die Verfärbungen und Verformungen der Nägel sei, „dass durch die Chemotherapie das Gefühl darin nachlässt, Füße und Hände sich wie taub anfühlen“, beschreibt sie. Schmidt-Schweda hat der Patientin eine Ergotherapie empfohlen und vermittelt. „Das tat richtig gut“, sagt Weiland. Genau für solche Fälle ist die BCN da.

Offener Umgang mit dem Brustkrebs

„Diese Bürokratie hat mich völlig erschlagen“, seufzt Weiland. Um eine Reha und passende Anschlussbehandlungen an eine kräftezehrende Chemotherapie zu erhalten, muss man viel wissen. Wie beantrage ich etwas, was steht mir zu, wo finde ich die passenden Angebote: Fragen wie diese kann die BCN beantworten – eine hilfreiche Entlastung für die Krebspatientinnen.

Ob Schminkseminar, Themenabende, Sportangebote, Kochkurse oder auch die spezielle Beratung von Migrantinnen: Hilfe erteilt Schmidt-Schweda an vielen Stellen. „Wenn man selbst betroffen ist, merkt man erst einmal, wie viele Frauen im direkten Umfeld ebenfalls Krebs haben oder hatten“, sagt Weiland. Jetzt trägt sie mit ihrem offenen Umgang mit dem Brustkrebs selbst dazu bei, dass die Angebote von Horizonte und der BCN besser bekannt werden. Und natürlich läuft sie – wenn auch langsamer – in diesem Jahr beim Lauf fürs Leben mit.

Horizonte Göttingen

Für das Modell der ambulanten Breast-Care-Nurse (BCN) wird der „Verein zur Unterstützung brustkrebskranker Frauen – Horizonte Göttingen“ mit dem Förderpreis der Niedersächsischen Krebsgesellschaft ausgezeichnet.

Sie vergibt jedes Jahr einen Förderpreis für innovative, patientenbezogene Modelle, die sich auf die Versorgung von Menschen mit einer Krebserkrankung beziehen. Er ist mit 2500 Euro dotiert.

 

Laufen fürs Leben 2015: Jeder kann mitmachen

Göttingen. Zum zweiten Mal startet am Sonnabend, 4. Juli,  von 11 bis 16 Uhr, die Benefizveranstaltung Laufen fürs Leben. Beim ersten Mal, im Jahr 2013, liefen mehr als 3000 Menschen gegen den Krebs. So kamen Spenden in Höhe von mehr als 17 000 Euro zusammen. Damit hat der Verein Horizonte die Stelle von Breast-Care-Nurse Andrea Schmidt-Schweda finanziert.

Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein konkretes Ziel: „Den Ausbau eines Begegnungsraumes“, so Helge Schumacher, Geschäftsführer des Krebszentrums der Universitätsmedizin Göttingen. Der Raum soll in der ehemaligen Hautklinik in der von-Sieboldstraße entstehen und für Selbsthilfegruppen und Treffen von Krebspatienten zur Verfügung stehen. „Es soll ein übergreifendes Begegnungszentrum werden, auch die Psychoonkologie ist beispielsweise mit dabei“, sagt Schumacher. „Es gibt schon viele Ideen.“

Für den Begegnungsraum sollen beim Lauf möglichst viele Runden auf dem Sportgelände der Universität von den Startern gedreht werden. Schumacher und der Verein Horizonte sind bereits seit einiger Zeit dabei, Sponsoren zu werben. Auch Läufer, Besucher und alle anderen Bürger können sich mit Spenden an dem Lauf beteiligen. „Mitmachen können alle“, so Margitta Degener, Vorsitzende des Selbsthilfevereins Horizonte. Die Idee: Die Läufer werden gesponsert, jede gelaufene Runde bringt einen Euro für den guten Zweck.

Nach den 17 480 Runden des Lebens-Laufes im Jahr 2013 haben die Organisatoren für 2015 das Ziel auf 25 000 Runden gesteckt. Startgebühren werden nicht erhoben. Organisiert und initiiert wird die Veranstaltung von Horizonte, dem Universität-Krebszentrum und Studierenden der Medizin sowie der Sportwissenschaft. Die Spenden, versichert Schumacher, kommen Projekten für Krebserkrankte zugute. Viele Firmen der Region unterstützen Laufen fürs Leben.

 
Jede achte Frau mit Brustkrebs

Jedes Jahr werden nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft bundesweit etwa 500 000 Menschen mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Am häufigsten bei den Frauen ist der Brustkrebs mit mehr als 70 000 Neuerkrankungen. Derzeit erkrankt eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens daran.

Dabei steigt laut Krebsgesellschaft das Risiko mit zunehmendem Alter. Jüngere Frauen sind nur selten betroffen, erst ab dem 40. und besonders ab dem 50. Lebensjahr erhöht sich das Risiko, um ab etwa 70 Jahren wieder abzusinken. Mit großem Abstand zum Brustkrebs folgen Darmkrebs (knapp 29 000) und Lungenkrebs (rund 17 000).

Bei den Männern ist die häufigste Tumorerkrankung der Prostatakrebs (knapp 66 000) gefolgt von Lungenkrebs (rund 35 000) und  Darmkrebs (knapp 34 000). Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2010. Damals hat der Lungenkrebs bei Männern den Darmkrebs als zweithäufigsten Krebs abgelöst.

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Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis