Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Göttinger Christian Römer lehrt Geschichten zu lesen

Mit Büchern wachsen Göttinger Christian Römer lehrt Geschichten zu lesen

Immer wenn Christian Römer zur Rezitation ansetzt, schließt er kurz die Augen. Wenn er sie wieder öffnet, ist er jemand anderes. Römer ist staatlich geprüfter Atem-, Sprech- und Stimmtrainer. Zu seinem Beruf kam er durch seine beiden Kinder, für die die tägliche Lesestunde zum Ritual wurde, bis sie 15 waren. Römer sagt: “Die Bücher sind mit meinen Kindern gewachsen.” – und umgekehrt.

Voriger Artikel
4500 Euro für Frauen in Not von Zonta-Club Göttingen
Nächster Artikel
Lange Nacht der Mathematik in Göttingen

Mama Muh liest von Mujja Wielander und Sven Nordqvist

Quelle: EF

Göttingen. Für ihn ist das Vorlesen eine intensive Art, Geschichten erfahrbar zu machen: “Kinder lassen sich total gerne mitreißen. Zumindest, wenn ich zulasse, dass der Text mich als Leser auch berührt.”

Römer zeigt auf seinen Kopf. “Wir können die meisten Texte schon nach dem ersten Lesen verstehen. Aber eben nur hier oben.” Um einem Text wirkliche Sinnhaftigkeit zu verleihen, müsse man mit ihm arbeiten, ihn auf sich wirken lassen. Das gelte für Goethes Werke ebenso wie für Sven Nordqvists Mama Muh.

Man muss kein Profi sein

Vieles, was Römer in Seminaren für Erwachsene lehrt, ist also auch auf Lesesituationen mit Kindern übertragbar. Viele Menschen haben beispielsweise Hemmungen, einem Text mit ihrer Stimme Charakter und Form zu geben. “Dabei honorieren Kinder es total, wenn ich als Vorleser viel reinstecke.”

Als er danach für einige Sätze in die Rolle der neugierigen Kuh Mama Muh schlüpft, trieft seine Stimme vor wiederkäuerischer Gelassenheit – ohne dabei lächerlich zu wirken. Manche Menschen im Café drehen sich um und lächeln ihm zu. Römer möchte Eltern ermutigen, es ihm gleich zu tun. Dafür muss man kein Profi sein. “Es geht nicht darum, wie eine Kuh zu klingen. Es geht darum, ihrem Charakter Gewicht zu verleihen.“

Damit das Vorlesen zu Hause klappt

Ritual : Nicht lesen, wenn gerade Zeit ist. Feste Zeiten lassen die Leserunde schnell zur angenehmen Gewohnheit werden.
Atmosphäre: Der Leseplatz sollte nicht oft wechseln, ruhig und frei von Ablenkungen sein.
Austausch: Eltern und Kinder können sich gegenseitig Bücher vorschlagen, die sie gemeinsam lesen möchten.
Theater : Vorleser sollten sich trauen, den Charakteren mit ihrer Stimme Leben einzuhauchen – wie Schauspieler in eine Rolle schlüpfen

Der Bundesweite Vorlesetag wird am Freitag, 21. November, zum zehnten Mal von Die Zeit, Stiftung Lesen und der Deutsche-Bahn-Stiftung organisiert. Informationen und Veranstaltungsübersicht auch für Göttingen unter vorlesetag.de

Von Jonas Rohde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“