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Mit der Sonne kam der Wind

Göttinger Drachenfest Mit der Sonne kam der Wind

Es ist 16 Uhr, ein Lächeln geht durch die Gesichter der Organisatoren des diesjährigen Drachenfests. Die Sonne hat sich durch die dichte Wolkendecke gekämpft, ein leichter Wind geht über die Drachenwiese im Süden Göttingens. 

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Quelle: Niklas Richter

Göttingen. Zu diesem Zeitpunkt haben die Hartgesottenen bereits mehrere Stunden ausgeharrt bei Regen und recht konstanter Windstille. Ein paar einsame Leichtbau-Drachen hingen am Himmel. Doch jetzt sind sie plötzlich alle da, die Eddies, Raukakus und Deltas. "Pünktlich für ein großes Finale", sagt Bernd Lübeck. Am Ende seiner Schnur tanzt ein "Bird", erdacht von einem jungen Franzosen, nachgebaut von der Göttinger Windbrandtruppe - einem lockeren Zusammenschluss von Drachenkonstrukteuren.

Hinter ihm ruft Joris seinem Freund zu: "Lauf, lauf! Sein Drachen steigt in einer Böe auf zehn Meter. Weit über Ihnen schweben zwei sogenannte Schlitten. Scheinbar in blindem Verständnis gehen ihre Besitzer umeinander herum, wenn die Schnüre sich zu verheddert drohen. "Was macht ihr da? Habt ihr Tanzstunde?", schallt es über die Wiese. Drachenbesitzer sind eine humorvolle und hilfsbereite Gemeinschaft. Man fasst mit an, wenn es nötig ist. Man gibt Tipps, wenn verzweifelte Kinder ihre tropfnassen Drachen nicht in die Luft bekommen. Wer Fragen hat, bekommt in der Regel nicht nur eine Antwort, sondern auch gleich eine Spule in die Hand gedrückt: "Hier, halt mal." Der Satz kommt von Udo Rudolph.

Er ist seit vielen Jahren beim Drachenfest dabei. Alle seine Drachen sind Eigenbauten. "Das sind viele einsame Stunden in der Garage", sagt der Textildesigner. Um so mehr genießt er die Zusammenkünfte mit Gleichgesinnten. Als er seinen Gänseliesel-drachen von 2011 nach ein paar scheinbar missglückten Starts wieder einpackt, kommt die Frage: "Fliegt nicht so gut, was?" Seine Antwort: Doch, klar. Ihm gehe es aber mehr um das Spiel mit dem Wind. Hier zu stehen und die Leine in die Luft zu halten, sei doch langweilig. Zum Schluss gibt es noch einen Jungfernflug. Mitorganisator Frank Beckenbach hat schließlich nicht nur seinen großformatigen Drachen erstmals in die Luft gebracht, sondern auch noch einen Plan für das nächste Jahr. "Wir wollen das Fest in den August vorverlegen. Es muss doch Spaß machen, Drachen im T-Shirt statt in der Regenjacke steigen zu lassen."

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