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„Isolation hilft nicht“

Besserer Schutz für Flüchtlingsfrauen gefordert „Isolation hilft nicht“

Wie Schutzmaßnahmen für weibliche Flüchtlinge aussehen könnten, ist jetzt Thema bei einem Treffen ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer gewesen. Denn Experten zufolge braucht es neben reinen Frauenunterkünften wie im sogenannten Weißen Haus vor allem eines: verbindliche Standards in allen Unterkünften.

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Quelle: GT

Göttingen. Selbst Flüchtlingslager in Jordanien und in der Türkei würden bestimmte Mindeststandards des UN-Flüchtlingshilfswerks erfüllen, berichtet die Göttinger Migrationswissenschaftlerin Sabine Hess. „Erstaunlich, dass Niedersachsen keine Standards festgelegt hat“, findet sie. Tatsächlich rückt das Thema erst langsam in den Blickpunkt: Conny Hiller, beim Flüchtlingsheimbetreiber Bonveno für den Schutz von Frauen zuständig, erzählte, dass geschlechtergetrennte Sanitäranlagen und abschließbare Toiletten lange Zeit nicht flächendeckend verfügbar waren. Von Rückzugsräumen, Still-Bereichen und ähnlichem, wie sie Hess zufolge beispielsweise in Serbien existieren, ganz abgesehen - auch wenn es sie in einigen von Bonveno betriebenen Unterkünften nun gibt.

Dabei bemüht sich die Stadt Göttingen durchaus um Schutzmaßnahmen: Neuankommende, alleinreisende Frauen werden im Weißen Haus untergebracht - Männer haben dort keinen Zutritt. „Viele alleinreisende Frauen haben mir erzählt, dass ihnen Isolation nicht hilft“, sagt allerdings Hess. Sie berichtet von Maßnahmen, die ausschließlich auf Frauen bezogen waren - und schlicht nicht angenommen wurden. Hiller kennt das: Sie habe niemanden überreden können, aus den Bonveno-Unterkünften in die reine Frauenunterkunft im Weißen Haus umzuziehen .

Für Birgit Sacher vom Göttinger Integrationsrat sind das angesichts vergangener größerer Flüchtlingsbewegungen keine neuen Erkenntnisse: „Aber es gab damals keine Mindeststandards, es gibt sie heute nicht.“ Sie verliere deshalb allmählich die Geduld bei dem Thema.

Debatte um Mindeststandards

Die Stadtverwaltung will laut Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck einen Bericht darüber vorlegen, wie die räumliche Situation in den Göttinger Flüchtlingsunterkünften ist. Damit reagierte die Verwaltung auf einen Antrag der Ratsfraktionen der Piraten-Partei und der Antifaschistischen Linken. Diese hatten die Konkretisierung von Mindeststandards in den Unterkünften gefordert. Grundsätzlich gebe es dazu jedoch bereits einen Ratsbeschluss von 2014, so Schlapeit-Beck. Diese Standards seien von der Verwaltung nicht abgesenkt worden. Außerdem würden konkrete Standards über Leistungsbeschreibungen mit den Betreibern der Unterkünfte definiert. Es gehe bei dem Antrag um eine Weiterentwicklung und gegebenenfalls auch Verbesserung der Beschlüsse, sagte Meinhart Ramaswamy (Piraten). Wichtiger als detaillierte Standards sei die grundsätzliche Haltung, Flüchtlinge zu versorgen und zu schützen, erklärte Klaus-Peter Hermann (SPD). bar

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Von Redakteur Christoph Hoeland

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